Aus Nussknacker-Hotel wird altersgerechte Wohnanlage

Nach nur einem Jahr mit einem neuen Pächter muss der schon wieder gehen. Über die Gründe darf spekuliert werden. Der Eigentümer sagt dazu nichts.

Ehrenfriedersdorf.

Geschäftsreisende und Urlauber haben im Nussknackerhotel am Rande von Ehrenfriedersdorf schon seit ein paar Wochen nicht mehr eingecheckt. Dabei hatte der bisherige Betreiber Olaf Wendt große Pläne. Nachdem der vorherige Hotelpächter in die Insolvenz geschlittert war und das Haus in einem recht schlechten Zustand zurückließ, hatte Wendt das Objekt im Oktober vergangenen Jahres übernommen. Zusammen mit einem neuen Team hauchte der Berliner Hotelier dem leicht heruntergekommenen "Nussknacker" wieder neues Leben ein. Schritt für Schritt sollte das Haus modernisiert und wieder zu einer angesagten Adresse gemacht werden. Doch damit ist nun Schluss.

Ein neues Betreiberkonzept sieht vor, aus dem Hotel ein Domizil für betreutes Wohnen zu machen. Wieso das Aus für das Hotel kam, ist unklar. Hotelbetreiber Wendt möchte sich auf Anfrage der "Freien Presse" aus Angst vor juristischen Konsequenzen nicht äußern. Er verweist auf den Eigentümer des Hauses, die Firma Real Massivbau in Annaberg-Buchholz. Doch auch deren Chef, Gerhard Michael Tenner, bleibt schmallippig. "Das interessiert doch niemanden", weist Tenner Fragen zu den Gründen für das plötzliche Aus des Nussknacker-Hotels zurück. Die Motive für den Betreiberwechsel bleiben also im Dunkeln. Offenbar hat das Geschäftsmodell altersgerechtes Wohnen ein größeres Potenzial als das Hotelgewerbe.

Wenn es nach Tina Zahn geht, könnten schon um den Jahreswechsel herum die ersten Mieter in das einstige Hotel einziehen. Zahn ist Pressesprecherin der Unternehmensgruppe "Pflege mit Leidenschaft" aus Erfurt. Der Thüringer Pflegedienstleister will das Haus in den nächsten Monaten altersgerecht umbauen. Dazu soll laut Zahn das Haus barrierefrei gestaltet werden. Insgesamt würden 33 Apartments entstehen. Der Empfangsbereich soll umgebaut werden, damit dort in Zukunft Angebote der Tagespflege stattfinden könnten. Dieses Angebot könnten nicht nur die Bewohner des Hauses nutzen, sondern auch Menschen aus der Umgebung. "Hier werden pflegebedürftige Menschen betreut, die noch allein oder mit Unterstützung in der eigenen Häuslichkeit oder in der Familie leben, aber die Anforderungen des Alltags nicht aus eigener Kraft bewältigen können", erläutert Zahn. Insgesamt stünden in dem neuen Haus 25 Plätze für dieses Angebot bereit. Weitere Angebote wie Essen-Service, Wäschewaschen, Putzen und der gesetzliche Pflegedienst sollen das Angebot abrunden. Das Haus in Ehrenfriedersdorf wäre für den Pflegedienstleister das erste in Sachsen. Bisher betreibt "Pflege mit Leidenschaft" ausschließlich Einrichtungen in Thüringen.

In der Stadtverwaltung von Ehrenfriedersdorf sieht man die neue Nutzung des Hotels mit einem weinenden und einem lachenden Auge. "Einerseits ist es bedauerlich, dass wir mit der Schließung des Hotels Übernachtungskapazitäten verlieren andererseits gewinnen wir ja auch etwas Neues hinzu", sagt Bürgermeisterin Silke Franzl. Vor allem der Seniorenbeirat der Stadt begrüße, dass mit der neuen Nutzung des Hauses Plätze für die dauerhafte und zeitweise Betreuung von älteren Menschen geschaffen würden.

Was die geschrumpften Übernachtungsmöglichkeiten in Ehrenfriedersdorf betrifft, gibt es laut Bürgermeisterin Franzl aber schon wieder gute Neuigkeiten. Im Oktober soll das Hotel am Markt mit 20 Betten wieder eröffnet werden.

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