Aus Sambia zurück an den Fichtelberg

Rosa Patzina aus Oberwiesenthal war für ein Jahr zum Freiwilligen-Einsatz auf dem afrikanischen Kontinent. Mitgebracht hat sie viel Stoff - und das gleich in mehrfacher Hinsicht.

Oberwiesenthal.

Seit wenigen Tagen ist sie wieder zurück in ihrer erzgebirgischen Heimat: Rosa Patzina aus Oberwiesenthal. Doch ist sie auch schon so richtig wieder angekommen? "Meine Gedanken sind immer noch dort", sagt sie. Dort, das heißt in Sambia auf dem afrikanische Kontinent, in der Stadt Mansa, bei der Ordensgemeinschaft der Salesianer. Bei ihnen hat die junge Frau ein Jahr gelebt und gearbeitet, sich um benachteiligte Kinder und Jugendliche gekümmert.

Nun heißt es wieder, sich an einen anderen Tagesrhythmus gewöhnen - nicht mehr "mit der Sonne leben". Zumal in reichlich einem Monat schon wieder ein ganz neuer Lebensabschnitt beginnt - die Studienzeit. Dafür hofft sie, in Dresden einen der begehrten Medizinstudienplätze zu bekommen. Immerhin werden Mediziner in Sachsen händeringend gesucht. Falls es doch am strengen Numerus clausus scheitern sollte, der in Sachsen nach wie vor bei einem Notendurchschnitt von 1,0 beim Abitur liegt, hat sie aber noch eine Alternative: Dann will sie in Halle Psychologie studieren.

Egal, wo es sie künftig auch hin verschlagen wird, in einem ist sie sich sicher: "Mansa wird immer eine Herzenssache bleiben." Die Stadt im Norden des Landes und insbesondere der Campus des Salesianer-Ordens sind Rosa Patzina in diesem Jahr ein zweites Zuhause geworden - auch wenn es eine ganz andere Welt ist, wie sie sagt. Die vielen Begegnungen und Erlebnisse in der dazugehörigen Kirche und Schule, vor allem aber im Jugendzentrum, werden für sie immer ein wichtiger Schatz Lebenserfahrung bleiben. Ihr Fazit: "Es hat sich gelohnt und ich habe es nicht bereut." Und so ist sie auch überzeugt davon, dass die Verbindung bleiben wird - unter anderem zu Vater Antonio, einem Ordensbruder aus Peru. Aber auch zu vielen ehemaligen Freiwilligen, die über die Don-Bosco-Mission schon in Sambia oder auch anderswo in Afrika im Einsatz waren. "Das ist ein großes Netzwerk, ein sehr familiäres - und ich bin stolz darauf, ein Teil davon zu sein", sagt die Oberwiesenthalerin.

Wobei sie auch einräumt, dass es insbesondere am Anfang nicht immer einfach war. "Da war manches überraschend, mitunter sogar schockierend", erzählt sie. Allein, weil die Lebensumstände so grundsätzlich anders sind wie in der Heimat. Wasser ist für viele Bewohner der Region längst keine Selbstverständlichkeit, muss vielfach ins Haus geholt werden - und das für jede noch so kleine Verrichtung. Warmes Wasser ist noch mehr ein Luxusgut. Und Stromausfälle sind regelmäßig an der Tagesordnung. Umso mehr hat sie die Herzlichkeit der Menschen fasziniert. Das sei "eine unheimlich gastfreundliche Kultur", die sie manchmal auch genießen durfte.

Überhaupt waren die Begegnungen mit den Menschen die prägenden Erfahrungen in diesen zwölf Monaten, auch wenn das vielfach den Verlust von jedweder Privatsphäre bedeutete. "Eigentlich waren wir rund um die Uhr im Dienst", erzählt sie.

Sobald sich am Morgen die Tore des Campus öffneten, sei immer eine Traube Kinder und Jugendlicher um sie herum gewesen - mitunter bis zu 200 Mädchen und Jungen, die Nähe suchen, die sie zu Hause oft nicht finden. Auch das eine ganz neue Erfahrung für sie, die nicht immer einfach war. Umso mehr schätzt Rosa Patzina nun wieder Anonymität und Privatsphäre.

Von ihren Erlebnissen erzählen will sie dennoch. Vor allem allen, die sie während ihres Einsatzes unterstützt haben. Deshalb wird es zwei Vorträge geben: am 20. September in ihrer Heimatstadt Oberwiesenthal und am 27. September in ihrer Heimatgemeinde, der katholischen Gemeinde in Annaberg-Buchholz.


Das Land der Vicoriafälle

Sambia liegt im südlichen Afrika und ist geprägt von zerklüftetem Gelände, einer artenreichen Tierwelt. Am bekanntesten aber sind wohl die berühmten Victoriafälle, die über mehr als 100 Meter in die schmale Batoka-Schlucht hinabstürzen. Und über den Sambesi, gleich unterhalb des Wasserfalls, spannt sich die Victoria Falls Bridge - ein spektakulärer Aussichtspunkt. Das 752.614 Quadratkilometer große Land hat eine Bevölkerungsdichte von gerade mal 23 Einwohnern pro Quadratkilometer. Insgesamt leben in Sambia knapp 17,1 Millionen Menschen.

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