Der Programmemacher

Das Erzgebirge ist einzig - auch wegen der Sprache. "Freie Presse" und Erzgebirgsverein schauen dem Volk aufs Maul. Heute: Andreas Loos aus Gelenau. Er textet für die eigene Schauspieltruppe, führt Regie und spielt selbst mit.

Gehringswalde.

Der Erzgebirger ist ein Mann der Zahlen und Buchstaben: Beherrscht Andreas Loos im Alltag die nüchterne Programmiersprache, versteht der Informatiker in der Freizeit launige Texte für Mundarttheaterstücke zu formulieren. Und das seit knapp zwei Jahrzehnten mit großem Erfolg. Dem im Heimatverein Gehringswalde tätigen Mundarttheater gehört das Herz des 56-Jährigen.

Alle Jahre wieder ist ein Dutzend Akteure, zu denen auch Souffleusen zählen, mit Werken von Andreas Loos auf den Bühnen der Region in Kulturhäusern, Heimatstuben und Vereinsräumen unterwegs. "1994 haben wir in Gehringswalde begonnen, Mundarttheaterstücke aufzuführen", erzählt der Gelenauer. Zunächst habe man Werke von in der Szene bekannten Autoren einstudiert. "Doch bald war klar, dass der Zeitgeist aktuellere Stücke verlangt. Wollten wir im Gespräch bleiben, waren nicht allein Klassiker aus vorangegangenen Zeiten gefragt" erinnert er sich. Also griff Andreas Loos ab 2000 selbst zum Stift. "Schon als Schüler wagte ich erste eigene Schreibversuche; damals von Stanislaw Lem und seinen utopischen Vorlagen inspiriert. Während der Armeezeit habe ich in einer Kabaretttruppe mitgespielt und später als Student für Festzeitungen die Bei- träge geschrieben", so der Mitbegründer einer Chemnitzer Computerfirma. Auch regelmäßige Theaterbesuche standen für ihn auf dem Programm.

"Itze werd geheirat" hieß das Premierenstück 2000 aus der Feder des Erzgebirgers. Angesichts des Erfolges folgten weitere Inszenierungen, wie "De Nacksch'n", "De gruße Rähs", "Ä guter Tropp'n" oder "Geschnitzte Mannl'n". Neben dem Gehringswalder Ensemble wissen unterdessen längst auch andere Theatertruppen der Region seine Stücke zu schätzen. Zum Thema macht der Autor das zwischenmenschliche Miteinander, Begegnungen im Ortsleben oder das Vereinsgeschehen. "Es muss eine gewisse Allgemeingültigkeit besitzen. Oft sind es kleine Schwächen der Mitmenschen, die Fehler von Ämtern oder eine Verwechslung im Alltag, die ich aufgreife."

Er sei bemüht, um einen Haupthandlungsstrang kleine Episoden zu erzählen. "Da weiß ich zunächst selbst nicht, wie es ausgeht. Es kommt vor, dass ich eine Spielidee auch einmal ins kommende Jahr verschiebe." Wichtig sei es für ihn, das Publikum zu unterhalten, geschickt die Pointen zu setzen und die Lacher einzuheimsen. "Da geht es nicht um die bis ins allerletzte Detail ausgeklügelte Story."

Ein Diktiergerät gehört zum wichtigsten Utensil von Andreas Loos. "Bin ich unterwegs, halte ich so spontane Gedanken fest. Zumeist ab Januar fixiere ich die Grundideen, die schrittweise ausgebaut werden. Da kommen dann bis August an die 60 Schreibmaschinenseiten zusammen. Und erst zur Auftaktprobe im Herbst erfahren meine Mitstreiter, welches Thema wir aufgreifen werden. Dann wird die Substanz des stückes abgeklopft, werden auch ganze Szenen rausgeschmissen oder zielstrebiger fortgeführt." Dabei agiert der Ideengeber ebenso als Regisseur und spielt selbst in der Truppe mit. Für Loos ist das Schreiben von Mundartstücken ein willkommener Ausgleich zum Berufsalltag. "Denn der sieht mich als Informatiker eher sachlich und diszipliniert vor dem Computer sitzen", konstatiert er.

Die Akteure um Andreas Loos können aus ihrer Laufbahn als Mundartdarsteller manche Episode erzählen. Zumeist heitere Begegnungen, die einem generationenübergreifenden Publikum nachhaltig in Erinnerung bleiben. Der 2019 gestarteten und ursprünglich bis ins Frühjahr 2020 geplanten aktuellen Saison liegt zum 19. Mal für ein selbst geschriebenes Theaterstück vor. "Aufmerksame Leser werden nachrechnen und feststellen, dass es doch schon das 20. Stück gewesen sein sollte, da ich 2000 begonnen habe", verweist Loos unterdessen auf die verkorkste Saison 2017. "Noch ehe das damals neue Stück "Ähner muss naus" auf die Bühne kam, musste unser Hauptdarsteller, der in jener Saison zudem eine Doppelrolle einstudiert hatte, mit Fußbruch das Bett hüten. Insofern wurde das Stück in überarbeiteter Fassung ein zweites Mal im Folgejahr gespielt." Und auch die aktuelle Saison wird in die Chronik eingehen. "Am dritten . Advent 2019 erlebte unser neues Stück "De reiche Ziesch" seine Premiere. Bis in den März 2020 hatten wir zahlreiche Veranstaltungen geplant, doch wegen Corona mussten wir vorfristig einen Spielstopp einlegen." Darunter fielen auch Auftritte in Hochburgen wie dem Ambrossgut in Schönbrunn und dem Erbgericht in Satzung.


Mundartwettbewerb 2020: Machen Sie sich einen Reim auf Orte und einen Kopf um Worte

Diese Neuauflage der Suche nach dem erzgebirgischen Wort, gemeinsam organisiert von "Freie Presse" und Erzgebirgsverein, hat es in sich: Dieses Mal geht es nicht allein um einfache Worte, sondern auch um Reime und einen Song.

Wie immer gesucht: Ihr Lieblingswort in erzgebirgischer Mundart, diesmal zum Thema Hobby & Freizeit.

Zudem können Sie, liebe Leser, Ihrer Reim-Ader Zucker geben: für eine Hommage auf Ihren Wohn- oder Lieblingsort im Erzgebirge. Mundart-Musiker Hendrik Seibt hat die Melodie komponiert und einen Beispiel-Reim gemacht - natürlich auf seinen Heimatort Gelenau. Erstmals zu hören ist der neue Erzgebirgssong wohl zur Abschlussveranstaltung Ende Oktober.

Nun ist es an Ihnen. Bringen Sie Ihren Wohn- oder Lieblingsort humorvoll in acht sich reimenden Zeilen in erzgebirgischer Mundart auf den Punkt. Eine Jury wird die schönsten Reime auswählen. Ihre Mundartworte und/oder Ihren Achtzeiler, gern auch in einem Video vorgetragen, senden Sie bitte an: "Freie Presse", Lokalredaktion Annaberg, Markt 8, in 09456 Annaberg-Buchholz, oder per E-Mail an: red.annaberg@freiepresse.de.

Einsendeschluss ist der 1. September. Teilnehmer erklären sich gegenüber der CVD GmbH & Co. KG einverstanden, dass ihre Zusendungen kostenfrei veröffentlicht werden können - in gedruckter wie digitaler Form. (alu)

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