Die Kirchen bleiben im Dorf - aber nicht überall die Pfarrer

Zum 1. Januar 2020 soll die erste Etappe der Strukturreform in der sächsischen Landeskirche geschafft sein. Dann wird es auch im Kirchenbezirk Annaberg vier volle Pfarrstellen weniger geben. Vielleicht aber auch eine ganz neue.

Annaberg-Buchholz.

Diskutiert wird sie seit Langem: die Strukturreform in der Landeskirche in Sachsen. Zunehmend wird es nun auch für die Kirchgemeinden konkreter. Bis zum 1. Januar 2020 müssen auch im Kirchenbezirk Annaberg - der die beiden Altkreise Annaberg und Stollberg umfasst - 4 von 36 Pfarrstellen eingespart sein. "Das ist eine Kürzung um etwa 10 Prozent", sagt Superintendent Olaf Richter. Noch deutlicher falle der Einschnitt bei den Kantoren und Gemeindepädagogen aus. Dort spricht der Superintendent von 13 bis 15 Prozent, die in den nächsten Jahren wegbrechen. Regionalisierung laute die Devise - nicht aber Zentralisierung. "Die Kirche soll im Dorf bleiben", macht Olaf Richter deutlich.

Die wichtigste Änderung, welche die Reform mit sich bringt: "Es wird keine Einzelgemeinden mehr geben", kündigt Olaf Richter an. Stattdessen soll es Regionalverbünde geben - mit mindestens 4000 Gemeindemitgliedern. Eine Zahl, die lediglich die Kirchgemeinde Annaberg-Buchholz erreichen wird. Darüber hinaus sind gegenwärtig neun solcher Zusammenschlüsse im Gespräch - zu Beispiel das Greifensteingebiet mit Gelenau, Ehrenfriedersdorf sowie Thum, Herold und Jahnsbach oder die Region Geyersdorf, Mildenau, Arnsfeld, Steinbach, Grumbach, Jöhstadt und Königswalde. In den Regionen sollen dann jeweils drei Pfarrer arbeiten - gemeinsam mit Kantoren und Gemeindepädagogen.

Doch auch bei ihnen wird es einen deutlichen Rückgang bei den hauptamtlichen Stellen geben, blickt der Superintendent voraus. Eine Entwicklung, die schon jetzt spürbar ist und problematisch wird. Auch, weil in Sachsen vielfach nur 70-Prozent-Stellen für Kirchenmusiker ausgeschrieben werden. Für den ehemaligen Kantor aus dem Sehmatal sogar ein Grund, das Erzgebirge in Richtung Nordrhein-Westfalen zu verlassen. Leer werdende Kantorenstellen neu zu besetzen, ist unterdessen noch schwieriger, als leere Pfarrstellen wieder zu besetzen, macht Olaf Richter deutlich. Bei den Theologen könne die Landeskirche nach mehreren erfolglosen Ausschreibungen immer noch eine Entsendung veranlassen. Bei den Kantoren komme aber schon zu wenig Nachwuchs von der Hochschule für Kirchenmusik in Dresden. Kirchenmusikdirektor Matthias Süß bringt die angespannte Situation mit seinen Worten auf den Punkt: "Wir ziehen nicht mehr an einem zu kurzen Tischtuch, sondern nur noch an einer Serviette." So werde es laut Olaf Richter auch nicht einfach, den Weggang von Georg Wendt im Sehmatal sowie von Egbert Mäuser in Schlettau und Scheibenberg zu kompensieren. Er hatte sich im Juni nach jahrzehntelangem Wirken in den Ruhestand verabschiedet.

Dennoch sieht beispielsweise Pfarrer Kenny Mehnert von der gemeinsamen Kirchgemeinde "Am Fichtelberg und Bärenstein" den Prozess der Regionalisierung als "notwendig und unumgänglich" an: "Ich halte das Modell Kirchgemeindebund als die für die starken erzgebirgischen Gemeinden beste Möglichkeit, da ... ein gutes Maß an Eigenständigkeit bestehen bleibt." Auch in der Straffung der Verwaltung - bis 2025 soll jede der neu gebildeten Struktureinheiten nur noch eine Verwaltung und eine Leitung haben - sieht er eine Chance, von der er sich "größeren Freiraum für die geistlichen Aufgaben" erhofft.

Oberwiesenthal und die Grenzregion könnten zudem noch auf ganz andere Art und Weise profitieren: Es ist angedacht, vorerst für sechs Jahre eine neue Pfarrstelle als Projekt "Grenzerfahrung" zu schaffen, erläutert Olaf Richter. Damit wollen die Initiatoren vor allem verhindern, dass die Kammregion in diesem Prozess abgekoppelt wird. Zugleich soll mit dieser Stelle auf die besonderen Anforderungen in der Region eingegangen werden - im Hinblick auf die touristische und sportliche Bedeutung des Kurortes. Die Landeskirche habe auch schon Unterstützung für das Projekt signalisiert. Allerdings falle die endgültige Entscheidung erst im Herbst. Fällt diese positiv aus, könnte das Projekt im nächsten Jahr starten.

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