Gestandene Künstler rufen neues Ensemble ins Leben

Auch wenn Corona den Erz-Kamm-Musikanten vorerst einen Strich durch die Rechnung gemacht hat. Sie haben viel vor.

Sehma.

Zur Adventszeit gepflegte Sitten und Bräuche beiderseits des Erzgebirgskamms will ein neues Musikprojekt von Künstlern der Region ins Rampenlicht rücken. Unter dem Titel "Der Erzgebirgskamm - zwei Länder - eine Kulturregion" hat sich ein junges, aber aus gestandenen Musikern bestehendes Ensemble zusammengefunden: die Erz-Kamm-Musikanten. Indes bleiben aktuell deren Instrumente und Stimmen vorerst stumm, sind die Gastspiele abgesagt. "Leider lassen die Corona-Hygienebestimmungen derartige Veranstaltungen nicht zu", so Christa Schwenke, die als Impulsgeberin für dieses Vorhaben gilt.

"Die Basis für dieses neue Unterhaltungsvorhaben wurde bereits zur Weihnachtszeit im Vorjahr gelegt", erzählt die Sehmaerin. "Damals war ich mit meiner Gruppe Tschechisch lernender Volkshochschüler auf dem Weihnachtsmarkt in Chomutov. Im Zuge der von der Muttersprachlerin Stepanka Fischerova anberaumten sprachlichen Übungen kamen wir auch auf Bräuche im böhmischen Erzgebirge zu sprechen. Und da wurde die Idee geboren, für 2020 eine Weihnachtsveranstaltung zu entwickeln."

Seit dem Frühjahr hat Christa Schwenke das Vorhaben vorbereitet, in Archiven gestöbert, verschiedene Lied- und Textquellen studiert. Herausgekommen ist ein dem altbewährten Weihnachtsthema gewidmetes, aber modern gehaltenes Programm. Alte und neue Weisen von beiden Seiten des Erzgebirges wurden neu aufgelegt. "Ensemblemitglied Miroslav Hour arrangierte schwungvolle Ohrwürmer für die mitwirkende Saxofongruppe Gold-Sax", so Christa Schwenke.

Sie hat obendrein manch Wissenswertes zusammengetragen. "So war es auch im böhmischen Erzgebirge üblich, Kräuter zu verbrennen und für Wohlgeruch im Haus zu sorgen. Auf sächsischer Seite erfand man bekanntlich is Karzl. Zu diesem Thema haben wir ein tschechisches Lied namens Purpura und das Lied vom Raacherkarzl in das Programm aufgenommen."

In Vorbereitung des Beitrags fand die Erzgebirgerin auch den Hinweis, dass das älteste Weihnachtslied in Tschechien in einem böhmischen Gesangbuch gefunden wurde. "Die Melodie stammt von 1505. Es ist bekannt unter dem Titel Narodil se Kristus Pan (Geboren ist Christus der Herr). Im deutschen Gesangbuch ist es unter: Freu dich, Erd und Sternenzelt zu finden. Auch dieses Lied werden wir darbieten." In wechselnden Besetzungen wollen die Erz-Kamm-Musikanten und Freunde, sobald die Möglichkeit besteht, auf Tour gehen. Zu denen zählen auch Lutz Röckert mit Akkordeon und Thomas Baldauf mit Zither.

In der Moderation will Christa Schwenke auf verschiedene Themen rund um die Advents- und Weihnachtszeit eingehen. "Dazu zählen Speisegewohnheiten, die Bedeutung des Weihnachtslichts auf dem Heiligabendtisch und seine Heilwirkung. Aber es geht auch um Aberglauben und bestimmte Zeremonien, so das Zerschneiden eines Apfels oder die Öffnung von Nüssen."

Für die Idee der grenzüberschreitenden Brauchtumspflege hat Christa Schwenke auch junge Leute begeistern können. Da es in Oberwiesenthal einen internationalen Kindergarten gibt, in dem Kinder aus acht Nationen betreut werden, hat sie mit der Leiterin den Kontakt gesucht, um sie für dieses Projekt zu gewinnen. Die Zusage war schnell ausgesprochen, in dieser Kita wird auch Tschechisch gesprochen und zur Weihnachtszeit zudem immer ein kleines Theaterstück aufgeführt.

"Mein Vorschlag für das Projekt lautet, die Traditionsfiguren Mikulas und Nikolaus in den Blickpunkt zu rücken." Bekanntlich erscheint in Tschechien der verkleidete Mikulas mit Teufel (Cert) und Engel (Andel) bereits am 5. Dezember. Er kommt auf die Weihnachtsmärkte und fragt die Kinder, ob sie denn auch artig waren. Der Teufel rasselt dazu mit seiner Kette. In Deutschland kommt der Nikolaus bekanntlich am 6. Dezember und steckt den Kindern etwas in die geputzten Schuhe. Dazu hätten die verkleideten Knirpse der Kita ein kleines Stück von 20 Minuten aufgeführt. Christa Schwenke: "Doch Corona macht uns auch dafür einen Strich durch die Rechnung." Das von der Kulturstiftung des Freistaates unterstützte Projekt wird in seiner Laufzeit verlängert, damit es doch noch möglich sein wird, das Programm aufzuführen.

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