Industrie macht Export-Einbußen wett

Die großen Chemnitzer Unternehmen haben laut Statistik den Umsatzrückgang zum Vorjahr fast aufgeholt - dank Aufträgen aus dem Inland. Dabei bleibt das Auslandsgeschäft schwer.

Chemnitz.

Beim Werkzeugmaschinenbauer Niles-Simmons Industrieanlagen in Chemnitz ist die Exportquote von Jahresbeginn bis Ende September von 70 auf 58 Prozent gesunken. Als Hauptursache für die Einbußen nennt Geschäftsführer Hans J. Naumann die von der Europäischen Union wegen der Ukraine-Krise verhängten Sanktionen gegen Russland. Auch ein vereinbartes Gemeinschaftsunternehmen mit einer russischen Maschinenbaufabrik sei infolgedessen bislang wirkungslos geblieben. Die Inlandsumsätze bei Niles-Simmons hätten sich dagegen in den ersten neun Monaten 2015 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum nicht verändert. Der Gesamtumfang der Auftragseingänge habe sogar zugenommen, teilte das Unternehmen mit knapp 400 Mitarbeitern weiter mit, ohne konkrete Zahlen zu nennen.

Ganz ähnlich beschreibt Friedemann Otto, Geschäftsführer beim Sondermaschinenbauer Sitec Industrietechnologie, die jüngste Entwicklung. "Tendenziell bewegt sich die Betriebsleistung in der gleichen Größenordnung wie im Jahr 2014, wobei der Exportanteil gesunken und somit der Inlandsanteil gestiegen ist", berichtet er. Verantwortlich für den Rückgang des Auslandsumsatzes sei bei der Sitec, die unter anderem Montage- und Laseranlagen sowie Anlagen zur elektrochemischen Metallbearbeitung für Automobilhersteller und -zulieferer fertigt, jedoch nicht das Russland-Geschäft. Auch auf anderen Märkten, wie China, sei es schwieriger geworden, sagt Otto.

Da die Aufträge an Sitec oft umfangreiche Projekte sind, könnten sich Umsatzanteile schon mit einem abgeschlossenen Projekt von einem Monat zum anderen verschieben, relativiert der Geschäftsführer. Eindeutig sei aber die Tendenz bei den Auftragseingängen, deren Volumen von Januar bis September um ein Viertel gewachsen sei - ausschließlich durch Steigerung des Inlandsgeschäftes. Die Sitec hat ihre Mitarbeiterzahl seit Jahresbeginn von 182 auf 185 Vollbeschäftigte erhöht.

Andere große Chemnitzer Industrieunternehmen, wie Siemens, erklären auf Anfrage, dass zu einzelnen Standorten grundsätzlich keine Wirtschaftsdaten veröffentlicht werden. Die Volkswagen AG gebe nur Zahlen für volle Jahre bekannt, heißt es von dort. Bestätigt wird aber, dass Volkswagen Sachsen mit seinem Chemnitzer Motorenwerk seine Beschäftigtenzahl von Januar bis September im Vergleich zum Vorjahreszeitraum konstant gehalten und den Umsatz gesteigert habe.

Nach Angaben der städtischen Wirtschaftsfördergesellschaft CWE, die sich auf Daten des Statistischen Landesamtes in Kamenz beruft, ist die durchschnittliche Exportquote aller 64 erfassten Chemnitzer Industriebetriebe mit 50 und mehr Beschäftigten von Januar bis September auf 33,5 Prozent gesunken. Im gleichen Vorjahreszeitraum betrug sie 40 Prozent.

Weil sich die Inlandsumsätze weniger verringert hätten, habe der Gesamtumsatz der 64 Unternehmen mit 2,117 Milliarden Euro im genannten Zeitraum um 2,4 Prozent unter dem des Vorjahres gelegen. Ende Juni betrug der Rückstand noch 4,3 Prozent.

Alle Teilbranchen hätten ein Plus an Auftragseingängen zu verzeichnen - allein der Maschinenbau von mehr als 30 Prozent. Auch die Anzahl der Beschäftigten habe leicht zugelegt.

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