Initiative fordert Handyverbot an Schulen

Smartphones haben im Schulhaus nichts verloren, sagen der Vorsitzende des Kreiselternrats und ein Stadtrat aus Aue. Doch ist ein Verbot noch nötig?

Annaberg-Buchholz.

Zwei Männer erklären dem Handy den Krieg. Der eine ist Lehrer, der andere Vater. Beide wissen also, wovon sie reden.

"Die Schüler sind von ihren Smartphones so infiziert, dass nicht sie die Geräte beherrschen. Es ist umgekehrt", sagt Tobias Andrä, parteiloser Stadtrat aus Aue. Er arbeitet als Lehrer an einer Oberschule im Landkreis Zwickau und begründet seine Abneigung gegen Handys im Unterricht mit seinem täglichen Erleben. Gemeinsam mit Thomas Klug, dem Vorsitzenden des Kreiselternrates Erzgebirge und alleinerziehenden Vater zweier Kinder, hat er eine Initiative ins Leben gerufen, die ein Handyverbot an allen Schulen im Erzgebirgskreis durchsetzen will.

Dies sei dringend nötig, sagt auch Thomas Klug: "Was in den Pausen und im Unterricht abgeht, ist nicht mehr normal. Lehrer werden gefilmt, heimlich Tonaufnahmen gemacht, auf dem Schulhof Pornos hin- und hergeschickt. Handys haben an der Schule nichts verloren."

Andrä und Klug nennen das im Sommer beschlossene Handyverbot an französischen Schulen, von dem nur Gymnasien ausgenommen sind, als Vorbild für ihre Initiative. Da das Bildungssystem in Deutschland nicht so zentralistisch wie das in Frankreich organisiert ist, sei ein Verbot von Staats wegen hierzulande nicht möglich. "Daher sind die Schulträger gefragt", sagt Andrä. Diese sollen das Verbot über die Hausordnungen der Schulen regeln.

Für ihre Idee werben wollen Andrä und Klug zunächst bei den großen Kreisstädten Annaberg, Stollberg, Aue, Schwarzenberg, Marienberg und Zschopau. Diese sollen ihren Einfluss in den Schulkonferenzen geltend machen. Die Schulkonferenzen sind für den Erlass der Hausordnung zuständig. In ihnen sitzen Lehrer, Eltern, Schüler und Vertreter des Schulträgers. Jede Partei hat vier Stimmen. Ob ein Handyverbot mehrheitsfähig ist, wird sich von Fall zu Fall zeigen müssen.

An der Martin-Andersen-Nexö-Oberschule in Zschopau gibt es seit einigen Jahren Erfahrungen mit einem Handyverbot. Schüler dürfen ihr Smartphone dort nur ausgeschaltet bei sich tragen. In der Mittagspause darf es eingeschaltet werden. "Wird ein Schüler außerhalb dieser Zeit mit seinem Handy erwischt, wird es eingezogen und kann später im Sekretariat abgeholt werden", berichtet Schulleiterin Sybille Bernd. "Das hat sich bewährt. Wir haben viel Bewegung im Schulhaus. Die Schüler suchen einander, statt sich Whatsapps zu schreiben. Unsere Schule ist ein Lebensraum, in dem man miteinander kommuniziert, persönlich, nicht online."

Am Matthes-Enderlein-Gymnasium Zwönitz gilt eine ähnliche Regelung. Schulleiter Matthias Vogel bezweifelt, dass sich ein generelles Verbot durchsetzen lässt. "Vor drei Jahren haben wir versucht, mit den Eltern einen Konsens zu finden, doch die Meinungen gingen zu weit auseinander." Also blieb es bei einem Verbot nur im Unterricht. Jörg Prager, Leiter der Grundschule Aue-Zelle, begrüßt das Vorhaben, sagt aber auch, dass störende Handys in der Grundschule noch kein Thema seien. "In diesem Alter haben die Schüler noch Respekt vor ihren Lehrern."

Die Initiative aus dem Erzgebirge wird inzwischen auch vom Kreis- elternrat Zwickau unterstützt.

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