Morgens Matheklausur, abends Jahreskonzert

Schüler und Lehrer der Evangelischen Schulgemeinschaft Erzgebirge haben ihr Konzertprogramm der Freiheit gewidmet. Ein Gut, das keine Selbstverständlichkeit ist.

Annaberg-Buchholz.

"30 Jahre 89, 80 Jahre 39": Diese zwei Zeilen befinden sich über dem Wort "Freiheit!" auf dem Konzertplakat, das auf das Jahreskonzert der Evangelischen Schulgemeinschaft Erzgebirge (EGE) hinweist. Es stand unter dem Thema "Freiheit. Musik über ein ersehntes Glück". Wie seit ein paar Jahren gewohnt, reichte angesichts des großen Interesses ein Termin am Freitagabend für das Jahreskonzert nicht aus, sodass noch zwei Konzerte am Samstag stattfanden. Insgesamt 600 Besucher haben die Auftritte von Jugendchor, Blechbläserensemble, Orchester und Band der EGE verfolgt. Sie waren ganz leise, wo es angebracht war, und haben mit stehendem Applaus die Leistung der jungen Musiker gewürdigt.

Und die Musiker - Schüler allesamt - haben sich das Programm so nebenher erarbeitet, neben dem ganz normalen Schulstoff, neben Klausuren und Prüfungsvorbereitungen. "Am Freitag hatten wir in der Aula unsere Abiklausur in Mathe beschrieben, abends singen wir im selben Raum. Das ist schon krass", beschreibt Luise Ramm ihre Gefühlslage. Die 18-Jährige aus Schönbrunn war mit großen Erwartungen am Schuljahresbeginn in das obligatorische Chorlager nach Colditz gefahren, wo die Schüler das Thema des Jahreskonzerts erfahren.


"Ich wusste es schon ein Jahr vorher", sagt Daniel Zwiener mit einem Schmunzeln. Der Musiklehrer hat es nicht nur verstanden, ein stimmiges Gesamtpaket mit einzelnen Höhepunkten zu schnüren. Er hatte auch treffende Texte zur Hand, in denen er die Bedeutung der Freiheit unterstrich. 30 Jahre ist es fast her, dass die Ostdeutschen in Freiheit leben. Und fast ebenso lang scheint gerade diese Freiheit zu etwas so Normalem geworden zu sein, dass sie als Selbstverständnis empfunden wird. Sie scheint so stabil und gefestigt zu sein, dass auch Angriffe gegen sie mit einem Achselzucken quittiert werden. Aber gerade an dieser Stelle wird durch das Konzert und durch die Ausführungen Daniel Zwieners der Finger erhoben, nicht belehrend, sondern mahnend, die Vorsicht nicht zu vergessen.

Und der Musiklehrer kennt seine Schüler, er weiß, was er von ihnen verlangen kann. Und das ist eine ganze Menge. Angefangen bei einem wohldurchdacht-ungeordneten Beginn mit "Let the Sunshine in" aus dem Musical "Hair", wofür die Regieanweisung lautete "alle treten wild durcheinander auf", bis zur vorbereiteten Zugabe aus dem Musical "Les Misérables" war das Konzert eine Leistungsschau mit ganz hohen Noten für die Schüler und deren Lehrer.

Als "Konzertbegeisterter, speziell für den Jugendchor", outete sich Kai Schürhuber, dessen Tochter Lisa-Marie in eben diesem Chor singt. Der Tannenberger, der selbst im Eltern-Lehrer-Chor singt, prägte einen Satz, der für das Konzert steht: "Das darf man nicht verpassen, sonst hat man etwas verpasst!"

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