Tod eines Asylbewerbers: Gericht verurteilt Mitbewohner

Im Februar ist ein Mann in einer Unterkunft in Walthersdorf an den Folgen einer Stichverletzung gestorben. Eine Tat, für die ein 26-Jähriger für sechs Jahre ins Gefängnis muss. Die Tatwaffe wurde aber nicht identifiziert.

Chemnitz/Walthersdorf.

Sieben Monate nach einem Streit in einer Walthersdorfer Asylbewerberunterkunft, der für einen Beteiligten tödlich endete, hat das Landgericht Chemnitz am gestrigen Montag ein Urteil gefällt. Ein 26-jähriger Marokkaner muss wegen Körperverletzung mit Todesfolge für sechs Jahre hinter Gitter. Wie der Vorsitzende Richter Bernd Bräunlich sagte, habe er keinen Zweifel an seiner Täterschaft. Dabei spielte vor allem eine Zeugenaussage eine wichtige Rolle. Das gilt ebenso für Spuren.

Was war passiert in jener Nacht vom 2. auf den 3. Februar dieses Jahres? Vier Bewohner der Unterkunft saßen zusammen, es war Alkohol im Spiel. Warum die Stimmung kippte, das blieb offen. Doch sie tat es, was für einen Mann aus Algerien tödlich endete. Dem 43-Jährigen wurde mit einem Messer in die Innenseite des Oberschenkels gestochen, die Schlagader verletzt. Laut Staatsanwalt Stephan Butzkies muss dies mit großer Wucht geschehen sein - dafür spreche ein Stichkanal mit einer Länge von 11,5 Zentimetern. Die Tat geschah nicht in dem gleichen Raum, sondern in der Toilette oder im Flur. "Und Sie haben sich danach einen Dreck um den Geschädigten gekümmert", wandte sich der Staatsanwalt an den Angeklagten. "Sie haben demjenigen, der Hilfe holen wollte und sie dann auch geholt hat, noch eine reingehauen", so Butzkies weiter. Hätte jemand das Opfer mit einem Druckverband versorgt, hätte der Mann vielleicht überlebt.


Dass der mehrfach wegen Diebstahls vorbestrafte 26-jährige Marokkaner die Tat begangen hat, wurde unter anderem auf die Aussage eines Zeugen zurückgeführt, der laut dem Vorsitzenden Richter einen glaubhaften und plausiblen Eindruck hinterlassen hat. Zudem wurden an der Kleidung des Angeklagten Blutspuren vom Opfer gefunden - entscheidend waren Blutspritzer im Bereich der Schulter. "Diese müssen im Geschehen entstanden sein und sind nicht als reine Kontaktspur im Nachhinein erklärbar", so Staatsanwalt Stephan Butzkies. Dieser Auffassung folgte das Gericht. Die Tatwaffe konnte indes nicht identifiziert werden - auch wenn im Gelände sechs Messer gefunden worden sind. Allerdings herrschten durch Schnee schwierige Witterungsbedingungen. Ein Zeuge hatte zwei gleich aussehende Messer als Tatwaffe erkannt. Durch Spuren konnte das aber nicht nachgewiesen werden. Der Mann schilderte laut Staatsanwalt auch, wie der Angeklagte mit dem Messer rumgefuchtelt und später in Richtung des Geschädigten gestochen habe.

Ein psychiatrischer Gutachter bescheinigte dem Angeklagten, dass dieser voll schuldfähig ist. Am Morgen des 3. Februar hatte er 7.45 Uhr noch 0,84 Promille Alkohol im Blut. Das bedeute, dass es zum Tatzeitpunkt nicht mehr als 2 Promille gewesen sein könnten. Er sei aber nach dem Eintreffen der Polizisten kooperativ gewesen, von einer Alkoholvergiftung mit entsprechenden Folgen sei nicht auszugehen. Wie der Experte erklärte, gab es keinerlei Anzeichen dafür, dass Bewusstsein und Wahrnehmung des Mannes zum Tatzeitpunkt gestört waren. Ebenso wurde eine psychische Erkrankung ausgeschlossen.

Mit dem Urteil blieb das Gericht unter der von der Staatsanwaltschaft geforderten Strafe für die Tat von sechs Jahren und zwei Monaten. Die Verteidigung hatte einen Freispruch für den jungen Marokkaner gefordert, der ursprünglich wegen Totschlags angeklagt war. Rechtsanwalt Uwe Lang sagte: "Meinem Mandaten kann die Tat nicht mit Sicherheit nachgewiesen werden." Der Angeklagte bestreite diese. Allerdings hatte er zwischenzeitlich auch ein Geständnis über seinen Anwalt in schriftlicher Form abgegeben, dieses später jedoch widerrufen. Mit der Begründung, der Dolmetscher habe ihn falsch verstanden.

Der Vorsitzende Richter sprach in der Urteilsbegründung davon, dass der Angeklagte seine Einlassungen mehrfach dem Stand der Ermittlungen angepasst habe. Das sei ein untauglicher Versuch, Schuld abzuwälzen. Offenbar habe er das Opfer damals disziplinieren wollen und "schritt dann davon, ohne sich um den Mann zu kümmern". Das gestern ergangene Urteil ist noch nicht rechtskräftig. ((mit aed))

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