Wismut baut einen Park für Johann'stadt

Fast zwei Millionen Euro investiert der Bergbausanierer für die Beseitigung einer Altlast des Uranabbaus. Der Kommune beschert das eine Oase - und die Exulanten wandern nicht nach Tschechien aus.

Johanngeorgenstadt.

Das Ortsbild an der Schwefelwerkstraße in Johanngeorgenstadt hat sich gewandelt. Nur Baumstümpfe sind geblieben, wo sich vor kurzem ein wilder Wald befand. Anstelle von Bäumen ist ein Kran in die Höhe gewachsen. Mit seiner Hilfe schaffen Mitarbeiter des Schachtbaus Nordhausen Material und Werkzeuge in die Tiefe.

An dieser Stelle befindet sich der Wismut-Schacht 42, aus dem zwischen 1947 und 1954 Uranerz gefördert wurde. Das umgebende Gelände, ein sanfter Hügel, war die dazugehörende Abraumhalde. Derzeit lässt die Wismut den Schacht sichern sowie das leicht radioaktive Material abdecken und zum Teil abtragen. Dafür fließen knapp zwei Millionen Euro aus dem Wismut-Altlastenprogramm, das vom Bund und vom Freistaat finanziert wird.


Blickt man von oben in den schräg abfallenden Schacht, sieht man Wände aus gemauerten Steinen. Das ist untypisch für die Wismut. Es ist ein Relikt der Vergangenheit der Grube, die bereits 1796 angelegt wurde und früher der Neu Leipziger Glück Göpelschacht hieß.

"Das ist ein Stück Geschichte, deshalb wollen wir den Schachtkopf erhalten", sagt Manfred Speer, der für die Sanierung der Wismut-Altstandorte zuständig ist. "Später soll man durch ein Gitter 24 Meter in die Tiefe schauen können und die historische Schachtmauerung sehen."

Damit ist die Wismut gerade dabei, Johanngeorgenstadt eine Attraktion in der Ortsmitte zu bauen, wenngleich es bei der Sanierung vordergründig um die Verwahrung von Altlasten geht. Nach dem Abbruch mehrerer Zeilen alter Garagen und der Abdeckung der Halde soll hier eine parkähnliche Grünfläche entstehen. Durchschnitten wird das Ganze von einem Weg, der zwei Touristenmagnete der Bergstadt verbindet: den historischen Nachbau des Pferdegöpels sowie den Platz mit der Riesenpyramide und dem Riesenschwibbogen. Durch die Abflachung der Haldenböschung soll es künftig auch eine Sichtverbindung von der Pyramide zum Göpel geben.

Nach dem Zweiten Weltkrieg hat der Uranbergbau große Teile der Johanngeorgenstädter Altstadt zerstört und dafür gesorgt, dass die Stadt heute kein echtes Ortszentrum mehr hat. Nun bekommt sie zumindest einen "Central Park".

Bürgermeister Holger Hascheck (SPD) nennt die rings um den Platz des Bergmanns entstandenen Attraktionen "unsere schön gestaltete Mitte", wird aber nicht müde zu betonen, dass sich die Hilfe für die vom Uranbergbau massiv zerstörte Stadt nicht in der Sanierung von Altlasten erschöpfen darf. "Wir brauchen auch Geld, um infrastrukturelle Defizite zu beseitigen", sagt er.

Die Wismut hat laut Manfred Speer bisher 40 Millionen Euro aus dem Altstandorte-Programm in Johanngeorgenstadt investiert.

Ende 2019 soll die Sanierung der Halde 42 beendet sein, die Begrünung folgt im Frühjahr. Entlang des neuen Weges werden die lebensgroßen Exulantenfiguren aufgestellt, die der Unternehmer Siegfried Ott durch namhafte Holzbildhauer hat anfertigen lassen. Eine weitere Attraktion in der Ortsmitte. Die Figuren erzählen von der Gründung der Stadt durch Glaubensflüchtlinge aus Böhmen. Weil die Sanierung des Standortes auf sich warten ließ, hatte Ott gedroht, die Figuren der Bergstadt Platten zu vermachen, von wo die Exulanten einst kamen. Nun ist er besänftigt: "Die Figuren bleiben hier. Vielleicht beginnen wir schon im Oktober mit dem Aufstellen."

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