Wo jeder Stammgast seinen eigenen Kaffeepott hat

Mahlzeit! Essen muss jeder. Gerade auf Reisen oder in der Mittagspause stellt sich oft die Frage: Was gibt's heute? "Freie Presse" stellt Kantinen und Raststätten in der Region vor. Heute: das Kochdippl in Schlettau.

Schlettau.

Entlang der Bundesstraße 101 wissen Brummilenker und Paketfahrer, aber auch Handwerker und Dienstreisende sowie manch rüstiger Senior eine Raststation zu schätzen: das Kochdippl. Unweit des Ortsausgangs Schlettau in Richtung Scheibenberg gelegen, steht der Name für das Speisen- und Getränkeangebot der von Maria Hildebrand und Sven Hoffmann bewirtschafteten Kantine. "Beliebte Gerichte der Region schnell und freundlich für einen kleineren Geldbeutel zu kredenzen", nennt die Köchin, die gemeinsam mit ihrem Sohn für den Imbissbetrieb verantwortlich ist, das Konzept. Diese Devise greift seit fünf Jahren immer besser. Besonders in den beiden zurückliegenden Jahren wurde die Einkehrstätte immer stärker frequentiert. Und das freut die Betreiberfamilie. Auch unter dem Gesichtspunkt, dass - bedingt durch die Lage an der Hauptverkehrsader - nicht unmittelbar Werbeträger aufgestellt werden dürfen.

"Hochbetrieb herrscht unter der Woche in der Frühstückszeit ab 7.30 bis 10 Uhr und ab 12 Uhr für eine Stunde zum Mittag", so Maria Hildebrand. Dann sind die rund 20 Sitzplätze in den früher von der Landwirtschaft als Büro betriebenen Räumen begehrt, gehen binnen kurzer Frist zu Stoßzeiten 40 bis 50 Portionen über den Tresen im schmuck hergerichteten Speiseraum. Fünf Gerichte stehen täglich auf dem Speiseplan, die jedes Hungergefühl stillen helfen können. "Gerade die Arbeiter wissen die Portionen zu schätzen. Ist doch klar, dass die Energie für den Alltag benötigen", sagt Sven Müller, der als Servicemann tätig ist. "Bei uns lebt die aus DDR-Zeiten geschätzte Hausmannskost weiter, die immer frisch zubereitet wird. Da gibt es die Kartoffelsuppe und Soljanka, erzgebirgische Senfeier, Gulasch und vor allem Schnitzel. Die zählen neben Makkaroni zu den am meisten nachgefragten Angeboten. Und Kundennähe heißt auch, dass wir das Schnitzel auf Wunsch gleich mal in anderer Variation anbieten, etwa à la Cordon bleu."


Gäste staunen, welch kulinarische Breite im kleinen Speisebetrieb auf wenig Raum zubereitet wird. Neben Frische ist Regionalität ein Qualitätsmerkmal im Kochdippl. "So kommen Grünwaren von Erzeugern aus der Region, wie wir das Fleisch von hiesigen Metzgern beziehen", erklärt der Gastgeber. Angesichts der guten Nachfrage sind die Betreiber dabei, auch das Außer-Haus-Geschäft zu forcieren. "Wir bieten als Caterer unsere Dienstleistung an, gestalten Geburtstage, Familien- und Firmenfeiern mit aus, wollen uns personell verstärken. Gerade ältere Einheimische fragen an, ob wir sie nicht an der Wohnungstür beliefern könnten", so Maria Hildebrand.

"Wir kommen jeden Montag zum Mittagstisch", erklärt Waltraud Langklotz, die zu den heimischen Stammessern gehört. "Uns munden Quark und Kartoffeln, die Soljanka oder auch Tote Oma." Die rüstige Seniorin lobt die Variationsbreite und Portionsgrößen. "Arbeiter bekommen schon mal einen Schlag mehr darauf, wie ältere Gäste auch halbe Portionen ordern können." Gar nicht so selten lassen sich auch Touristen die Beefsteaks schmecken. In der Kantine werden Urlauber begrüßt, die statt des Essens in einer Nobelherberge bodenständige Speisen bevorzugen. Stammgäste dürfen im Dippl ein besonderes Privileg nutzen: einen personengebundenen Kaffeepott. "Die stehen am Stammtisch bereit und sind mit dem Spitznamen des jeweiligen Gastes verziert", erklärt Sven Hoffmann.

Diese gastronomische Eigenheit wird etwa jenen Einkehrenden zuteil, die seit Jahren viermal unter der Woche vorbeischauen. "Und nur freitags gehen sie in ein anderes Lokal fremd", sagt Sven Müller und schmunzelt.

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