Wie es einen Dortmunder Trabi-Fan ins Erzgebirge verschlug

Jürgen Voß lebte mehr als ein halbes Jahrhundert im Ruhrpott. Seit wenigen Wochen ist er Ehrenfriedersdorfer. Die 500 Kilometer in seine neue Heimat legte er mit seinem eigenen Trabant zurück.

Ehrenfriedersdorf.

Der Ruhrpott und das Erzgebirge haben vieles gemeinsam. In beiden Regionen prägte der Bergbau Landschaft und Menschen. Doch während das Ruhrgebiet vor allem von Großstädten wie Bochum, Duisburg und Dortmund gebildet wird, dominieren im Erzgebirge kleine Städte und Gemeinden das Bild. Dennoch hat es nun einen Ruhrpottler hierher verschlagen. Seit September ist der einstige Dortmunder Jürgen Voß offiziell Ehrenfriedersdorfer. Vom Westen in den Osten und das auch noch mit einem Trabi. "Das ist mein einziges Auto", sagt der 56-Jährige. Ein Wessi mit einem Trabi, der dann auch noch ins Erzgebirge zieht? Keine alltägliche Kombination. Wie kommt's?

Die Liebe ist die Antwort. Jürgen Voß fotografiert gern. Seine Bilder teilt er unter anderem mit Gleichgesinnten in einer Facebook-Gruppe. Darüber lernte er Anfang vergangenen Jahres auch seine jetzige Lebensgefährtin kennen. Sie verabredeten sich zum Fotografieren im Erzgebirge. Und es funkte zwischen den beiden. Nach eineinhalb Jahren Pendelei zwischen Dortmund und Ehrenfriedersdorf entschloss sich das Paar schließlich zusammenzuziehen. Die Frage nach dem Wohin war schnell geklärt. Die Familie hält seine Lebensgefährtin in der Heimat, also zog der Dortmunder um. Und er kam mit seinem Trabant. Vor zehn Jahren kaufte sich der 56-Jährige, "Just for fun" wie er sagt, den Trabi. Aus dem Spaß wurde ein Hobby, das er mit anderen Ruhrpottlern teilt. Nun gibt es also einen Trabi mit Dortmunder Kennzeichen in Ehrenfriedersdorf. Wer hätte das gedacht.

Und wie lebt es sich in der Bergstadt? Einen kleinen Kulturschock habe er schon gehabt, gibt Jürgen Voß zu. Dortmund gehört mit knapp 600.000 Einwohnern zu den größten Städten Deutschlands. So viele leben im gesamten Erzgebirgskreis nicht. "Ich dachte erst, hier gibt es autofreie Sonntage", sagt Voß. Die sonntägliche Ruhe auf dem Land ist er offenbar nicht gewohnt. Auch sei es ein bisschen dunkel am Abend. Die vielen Lichter der Großstadt fehlen. Dafür ist er begeistert von der Natur. Nicht nur einmal war der einstige Dortmunder schon auf Fototour. Was ihm allerdings fehlt, sind die für seine Heimat typischen Trinkhallen - eine Art Kiosk, bei dem man vom Feierabendbierchen bis zur Zeitschrift alles bekommt und das auch am späten Abend. Und Jürgen Voß war 35 Jahre Mitglied im Kegelverein. Doch die Liebe vermag Berge zu versetzen und manchmal auch einen Ruhrpottler mit Trabi ins Erzgebirge.

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