Ein neues Bad für Johanna

Im vergangenen Jahr haben Leser 26.000 Euro für den Hausumbau von Familie Müller gespendet. Jetzt zeigt sie, wofür das Geld eingesetzt wurde. Allerdings ist das Projekt längst nicht soweit, wie es sein sollte.

Wittgensdorf.

Johanna Müller hat seit Jahren kein Bad mehr genommen. Obwohl sie es liebt, im Wasser zu sein, wo sich ihr Körper entspannt und lockert. Richtiger muss es jedoch im Passiv formuliert werden, nämlich dass Johanna seit Jahren nicht mehr gebadet wurde. Denn alleine könnte sie es nicht. Die 19-Jährige leidet unter einer seltenen Stoffwechselstörung. Ein Enzym, das für den Transport der Nervenimpulse an den Synapsen im Gehirn zuständig ist, wird nicht ausreichend gebildet. Das heißt, Johanna ist schwerst mehrfachbehindert und vollständig auf Hilfe angewiesen. Sie ist im Rollstuhl unterwegs, kann sich nicht bewegen, nicht sprechen und selbst ihren Kopf nicht halten. In der Wittgensdorfer Wohnung, in der sie mit ihrer Familie lebt, kann die junge Frau nur geduscht werden.

Doch das wird sich bald ändern. Denn Familie Müller plant, in ein von den Großeltern geerbtes Haus umzuziehen. Doch dafür ist ein durchaus aufwendiger und kostspieliger Umbau nötig. Im Dezember 2016 sammelten darum der Verein "Leser helfen" Spenden für das Projekt. Konkret sollten damit ein rollstuhlgerechtes Badezimmer und eine Rampe am Hauseingang gebaut werden. Zusammengekommen sind 26.000 Euro. "Das war überwältigend", sagt Hans-Jörg Müller, Johannas Vater. "Leute, die uns gar nicht kennen, haben uns geholfen. Das war neben der finanziellen eine große moralische Unterstützung", sagt er. Seit 2015 kämpft das Paar bei der Krankenkasse dafür, dass sie eine Intensivpflege für Johanna bezahlt. In all dem Ärger und dem bürokratischen Aufwand sei plötzlich die Spendenaktion gekommen. "Das hat uns wieder aufgebaut", sagt Katrin Müller. Beide wollen auf diesem Weg noch einmal allen Spendern danken.

Mittlerweile sind Badezimmer und Rampe fertig. Die Dusche ist ebenerdig und ihre Türen können in einem 180-Grad-Winkel geöffnet werden. Herzstück des Raumes ist jedoch die Badewanne. Sie ist eine Sonderanfertigung. Am Boden befinden sich zwei Löcher, die bis zur Wannenmitte reichen. Sie ermöglichen, dass Johanna bald wieder ein Bad nehmen kann. Denn sie wird mit einem Gestell, einem sogenannten Lifter, an dem sie in einem Netz hängt, an die Wanne herangefahren. Die Beine des Lifters fahren in die Löcher hinein und Johanna kann in die Wanne abgelassen werden. "Das wird ein Höhepunkt", sagt Katrin Müller vorfreudig.

Auch die Rampe soll das Leben in Zukunft leichter machen. Bisher ist das Haus zu verlassen eine komplizierte Prozedur. Johanna wird angezogen und mit dem Lifter in den Treppensteiger gehoben, erklärt ihr Vater. Dann geht es die Treppen hinunter bis vors Haus, dann in die Garage. Dort wird dann in den Rollstuhl gewechselt. Das Treppensteigen fällt in Zukunft weg, denn in dem Bungalowbau gibt es bis auf die Kellerstufen keine Treppen.

Eigentlich wollten Müllers schon im Sommer umziehen. Doch so einiges kam dazwischen. Hans-Jörg Müller, der viele Arbeiten am Haus selbst erledigt, musste an der Hand operiert werden, wodurch er mehrere Wochen außer Gefecht gesetzt war. Zudem habe sich der juristische Streit mit der Krankenkasse zugespitzt. "Das frisst unwahrscheinlich viel Zeit und Kraft", sagt der Elektronik-Ingenieur. Und noch etwas verlängerte die Arbeiten: Spontan entschied sich die Familie, die Heizung von Öl auf Flüssiggas umzustellen, was nicht geplant war. Neuer Termin für den Einzug ins Haus: "Im Frühling wollen wir umziehen."


Neues Spendenprojekt 2017

Auch in diesem Jahr gibt es eine Aktion "Leser helfen". Diesmal geht es um eine Familie mit 17-jährigen Drillingsschwestern, die mit unterschiedlich stark ausgeprägten Behinderungen leben. Eines der Mädchen kann sich nur noch mit einem elektrischen Rollstuhl selbstständig fortbewegen. Der aber passt nicht in das Auto der alleinerziehenden Mutter, sodass der Rollstuhl nur zeitweise zur Verfügung steht. Mit Spenden soll nun ein passendes Fahrzeug finanziert werden.

Im Internet können Sie weitere Infos erhalten und Ihre Spende direkt überweisen. Dafür bedanken wir uns herzlich!

 

 

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...