Industriehalle wird zur Kletteranlage

Auf dem Gelände der alten Spinnerei entsteht eine neue Anlage für die Fans der Sportart Bouldern. Beim Bau steht der Betreiber unter Zeitdruck - und stößt auf Probleme.

Im Moment sieht es aus, als würde eine Holzfirma ihre Baustoffe lagern: kahle Wände, Stahlträger, Paletten mit Baumaterial. Doch schon in gut drei Monaten sollen hier nicht mehr die Bauarbeiter, sondern Kletterer das Sagen haben. Dann, so hofft Tom Petzold, soll im Gelände des ehemaligen Spinnereimaschinenbaus in Altchemnitz eine neue Boulderhalle öffnen.

Petzold hat 2010 gemeinsam mit Kletterpartner André Zwingenberger die Boulderlounge eröffnet, die sich direkt an der Altchemnitzer Straße befindet. Es war die erste Anlage in der Region, in der der Fokus auf Bouldern liegt. Das Wort beschreibt eine Sonderform des Kletterns: Die Sportler kraxeln in Absprunghöhe an Felsen oder künstlichen Wänden; Sicherungselemente wie Seile oder Karabiner brauchen sie nicht, eine Matte schützt vor Verletzungen. Die Sportart wurde zum Trend, in vielen Städten schossen neue Hallen aus dem Boden. Auch in Chemnitz sei es gut gelaufen, sagt Petzold. Etwa 35.000 Besucher zählt der Geschäftsführer jedes Jahr. Und es werden immer mehr. "Wir stehen vor einem Dilemma: Die alte Halle platzt aus allen Nähten, wir wollen aber auch niemanden abweisen", so der Unternehmer.

Deswegen und weil die derzeitige Halle veraltet ist, entschlossen sich die beiden Chefs, eine neue Anlage zu bauen - nur etwa hundert Meter Luftlinie von der derzeitigen Sportstätte entfernt. Als Domizil wählten sie eine etwa 1800 Quadratmeter große Industriehalle im Spinnereimaschinengelände, gleich neben dem Kulturzentrum Spinnerei. Die 13 Meter hohe Halle mit Sheddach wurde Ende des 19. Jahrhunderts errichtet. Anfänglich sei sie als Gießerei, später für den Bau von Spinnereimaschinen genutzt worden, haben Mitarbeiter der Boulderlounge recherchiert. Zu DDR-Zeiten hätten Arbeiter des VEB Kombinats Textima Karl-Marx-Stadt dort Teile für Maschinen hergestellt, heißt es. Davon zeugen unter anderem noch Kräne, die auf Schienen unter dem Dach die Halle abfahren können.

Nach Know-how und Material für den Bau der Kletteranlage brauchten Petzold und seine Mitstreiter nicht suchen. Sie haben vor sechs Jahren ein zweites Standbein aufgebaut, das heute den Firmennamen Blocz trägt. Unter der derzeit genutzten Boulderhalle fertigen Mitarbeiter - in der Regel Tischler und Zimmermeister - Kletterwände, Griffe und Volumen, die Strukturen in der Natur nachempfunden sind. Die Teile liefert das Unternehmen auch ins Ausland. Zudem bauen Blocz-Angestellte mittlerweile ganze Boulderhallen aus, zuletzt in Norwegen und Australien, demnächst in Hamburg. Der Umsatz des Unternehmens Blocz stieg im vergangenen Jahr um etwa 500.000 Euro auf 1,7 Millionen Euro.

Der Ausbau der neuen Chemnitzer Halle kommt allerdings nicht so schnell voran, wie Petzold und seine Mitstreiter gehofft hatten. "Wir haben uns das anders vorgestellt, dachten, wir können konstant bauen und schon im Herbst 2017 öffnen." Erst habe es an der Klärung des Brandschutzes gelegen, dann habe es Probleme mit dem Boden gegeben, der noch mit Gussasphalt überzogen werden müsse, berichtet der Geschäftsführer. Im Moment ziehen Arbeiter eine Zwischendecke ein. Ist das geschafft, beginnt der Aufbau der etwa 4,5 Meter hohen Kletterwände. Die Stahlträger und Krananlagen blieben erhalten - "um den Industrie-Charme zu betonen", sagt Petzold.

Die Halle soll etwa dreimal so groß werden wie die bisherige Sportstätte. Sie soll zudem einen Fitnessbereich für Krafttraining und ein Areal erhalten, in dem Kinder ans Klettern herangeführt werden. In den hinteren Bereich des Gebäudes zieht zudem die Werkstatt für die Kletterwände und Griffe, die derzeit im Gebäude der alten Boulderhalle untergebracht ist. Mit Gesamtkosten in Höhe von rund 800.000 Euro rechnen die Unternehmer.

Beim Bau stehe man unter Druck, sagt Petzold. Der Grund: Mitte April soll das Finale des Ostblock-Bouldercups - einer renommierten Wettkampfserie - in Chemnitz ausgetragen werden. Und das soll unbedingt in der neuen Halle über die Bühne gehen, so Petzold. "Es wird sehr sportlich, bis dahin fertig zu sein."

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1Kommentare
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    Interessierte
    14.01.2018

    Was wird denn mal aus der Hartmannhalle neben der Hartmannhalle , da , wohl mal ein Lokomotive stehen sollte und man auch irgendwann einmal dinieren sollte ...?



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