Kunst am Industrie-Bau

Das Ibug-Festival zündet ein Feuerwerk an Kreativität. Besucher sind von den zahlreichen Werken begeistert. Die Künstler lutschen nach einer Woche Arbeit Bonbons - aus gutem Grund.

Limbach-Oberfrohna.

Leere Spraydosen schauen den Betrachter an - ein Mosaik aus mehreren tausend von ihnen stellt ein menschliches Auge dar. Gelb angestrahltes Wasser plätschert in der Dunkelheit in einen künstlich angelegten Teich. Und wenn die Besucher durch eine Tür gehen, werden sie von einem daneben und darüber aufgemalten Monster aufgefressen. Das Kunstfestival Ibug in Limbach-Oberfrohna, das seit gestern für Besucher geöffnet ist, spricht alle Sinne an. Im ehemaligen VEB Buntfärberei an der Weststraße haben 120 Künstler aus aller Welt ein Feuerwerk an Kreativität gezündet.

Einer davon ist Guido Zimmermann aus Frankfurt am Main. Der 37-Jährige hat gleich im Eingangsbereich Frauengestalten an Wände und Dächer eines Nebengebäudes gezaubert. Diese tragen Tracht und ein historisches Turn-Outfit, dazwischen sind Andeutungen von Stoffbahnen zu sehen. "Ich wollte eine Relation zur Geschichte des Gebäudes herstellen", erklärt Zimmermann. Im Industriekomplex, der seit Anfang der 1990er-Jahre leer steht, wurden einst Textilien veredelt. Nun haben die Ibug-Macher das gesamte Gelände veredelt. Das Festival findet seit 2006 jährlich in verschiedenen Industriebrachen in Westsachsen statt, Zimmermann ist zum fünften Mal dabei. "Durch die wechselnden Orte ist es jedes Mal anders und jedes Mal spannend." Zudem unterscheide es sich von ähnlichen Festivals durch die perfekte Organisation.

Das kann Lapiz nur bestätigen. "Uns stand eine riesige Auswahl an Farben und Materialien zur Verfügung", sagt der Künstler, der ebenfalls 37 Jahre alt ist und großformatige, sozialkritischen Malereien kreiert. Um auch höher gelegene Wände erreichen zu können, griff er auf eine schwenkbare Hebebühne zurück. Eine Woche lang hat Lapiz von morgens bis abends nacheinander an drei Werken gearbeitet. "Ich bin total fertig. Und wegen der vielen Sprayfarbe habe ich eine Staublunge. Ich lutsche dauernd Bonbons", erzählt der Künstler und lacht. Lapiz, der schon mehrere Jahre in Neuseeland, Argentinien und Deutschland gelebt hat und deshalb die Frage nach seiner Herkunft nicht wichtig findet, ist zum ersten Mal auf der Ibug. Unter den Kreativen herrsche ein tolles Gemeinschaftsgefühl. "Und man inspiriert sich gegenseitig."

Auch das Gebäude und die Überbleibsel der Textilproduktion haben die Künstler inspiriert. Das wird vor allem in der ersten Etage deutlich, wo alte Einrichtungsgegenstände in die Installationen integriert wurden. In der Mitte des Raumes stehen Schränke und Elektroanlagen. Und an den Wänden kleben vergilbte Lieferscheine des VEB Buntfärberei. Dass einige Künstler bis zur Eröffnung nicht fertig geworden sind und im Beisein der ersten Gäste malen, hämmern und schrauben, stört nicht. Vielmehr wird so noch der Event-Charakter betont.

Besucher wie Karl-Heinz Friedemann sind fast sprachlos. "Ich bin überwältigt. Was die Künstler aus dem alten Gebäude gemacht haben - Wahnsinn", sagt der Pleißaer. "Man denkt, man ist in einer anderen Welt." Ähnlich drückt es Künstler Guido Zimmermann aus: "Auf der Ibug ist wie man auf einem eigenen Planeten."

Das Festival an der Weststraße 52 ist heute und morgen jeweils von 10 bis 20 Uhr geöffnet. Der Eintritt kostet 7, ermäßigt 5 Euro. Heute ab 22 Uhr steigt zudem die Ibug-Party mit Elektro, Hip-Hop und Trash.

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