Neuer Mietspiegel: Wo Wohnen in Chemnitz teurer werden könnte

Preisspannen für Wohnungstypen werden größer - Neues Bewertungsschema erschwert Vergleich mit Vorjahren

In Chemnitz gelten neue Vergleichsmieten. Wie das kommt, für wen das wichtig ist und was sich ändert - "Freie Presse" gibt die Antworten.

Warum gibt es einen neuen Mietspiegel?

Der Mietspiegel als Übersicht über die ortsübliche Vergleichsmiete muss laut Gesetz regelmäßig aktualisiert werden. Qualifizierte Mietspiegel, wie der am 1. Januar für Chemnitz in Kraft getretene, werden nach anerkannten wissenschaftlichen Grundsätzen erstellt. Sie müssen alle vier Jahre neu erstellt, alle zwei Jahre der Preisentwicklung angepasst werden, um der Entwicklung auf dem Mietwohnungsmarkt gerecht zu werden.

Was sagt das Zahlenwerk aus?

Ob und in welchem Umfang ein Vermieter bei laufenden Mietverträgen die sogenannte Nettokaltmiete anheben darf. Dabei wird unterschieden nach Wohnungsgrößen, Lage und Ausstattung und dem Alter des Hauses. Für Neuvermietungen hat der Mietspiegel keine Auswirkungen, da es Vermieter und Mieter freisteht, den Mietpreis auszuhandeln.

Wer hat den Mietspiegel erstellt?

Die Stadtverwaltung und eine vom Stadtrat berufenen Arbeitsgruppe. Darin wirkten der Mieterverein, der Haus- und Grundbesitzerverein, die Vereinigung Haus & Grund, die Eigentümerschutz-Gemeinschaft, die GGG, mehrere große Wohnungsgenossenschaften und der örtliche Gutachterausschuss für Grundstückswerte mit. Erhoben wurden die Daten vom Unternehmen Rödl und Partner.

Woher stammen die Daten?

Dem Mietspiegel liegen Daten von mehr als 20.000 Chemnitzer Wohnungen zugrunde, die nach einem statistischen Stichprobenverfahren für die Befragung ausgewählt wurden. Dabei wurden die Entgelte zum Stichtag 30. Juni des vergangenen Jahres erhoben.

Wer legt fest, wie Ausstattung und Lage einer Wohnung bewertet werden?

Dazu wurde ein Punktekatalog entwickelt. Er nennt diverse Ausstattungsmerkmale (Badezimmer, Heizung, Fußböden, Küchenausstattung, Aufzug usw.) und Lagekriterien (Verkehr, Lärm, Nahverkehrs anbindung, Umgebungsbebauung, Wohnungen pro Hauseingang etc.) und bewertet diese mit Punkten. Je mehr Punkte, desto höher die Eingruppierung in eine von insgesamt fünf Wohnungskategorien. Die höchste Kategorie (über 68 Punkte) wird allerdings kaum erreicht. Die Mehrzahl der Wohnungen findet sich in der mittleren und zweithöchsten Kategorie wieder - Ergebnis umfangreicher Sanierungen nach 1990.

Wie haben sich die Mieten im Vergleich zum vorherigen Mietspiegel entwickelt?

Sie steigen, im Vergleich zu vielen anderen Städten ähnlicher Größe allerdings moderat. Verallgemeinernde Aussagen sind allerdings kaum möglich, weil das Punkteschema zur Bewertung von Lage und Ausstattung der Wohnungen im Vergleich zum letzten qualifizierten Mietspiegel geändert wurde. Kriterien, die am Wohnungsmarkt aktuell keine Bedeutung mehr besitzen, sind weggefallen, andere neu hinzugekommen, begründet eine Sprecherin der Stadt die Änderungen.

Was fällt beim Vergleich mit dem vorherigen Mietspiegel auf?

Die Spannen zwischen den unteren und den oberen Mietgrenzen innerhalb der einzelnen Wohnungskategorien werden größer - und damit der Spielraum für Vermieter. Mehr als zwei Euro Differenz sind keine Seltenheit mehr, Spannen von weniger als ein Euro gibt es kaum noch.

Für welche Wohnungen ist die Vergleichsmiete am höchsten?

Bei Wohnungen der zweithöchsten Kategorie mit weniger als 50 Quadratmetern Wohnfläche, die zwischen 1970 und 1990 gebaut wurden, reicht die Preisspanne bis zu 8,13 Euro pro Quadratmeter.

Warum werden Preisspannen angegeben, keine festen Beträge?

Weil auch Wohnungen mit gleicher Punktbewertung unterschiedliche Mieten aufweisen können. Es sei daher weder möglich noch sachgerecht, eine punktgenaue Einordnung der Mieten abhängig vom erzielten Punktwert vorzunehmen, so Bürgermeister Sven Schulze.

Wie schneiden die Chemnitzer Mieten im überregionalen Vergleich ab?

Das geht aus dem Mietspiegel nicht hervor, da er naturgemäß nur den Chemnitzer Wohnungsmarkt betrachtet. Aus einer Reihe von Vergleichen ist allerdings bekannt, dass Chemnitz noch immer zu den deutschen Großstädten mit den niedrigsten Wohnungsmieten zählt.

Müssen Mieter jetzt reihenweise Mieterhöhungen fürchten?

Das wohl eher nicht. Der größte Vermieter der Stadt, die kommunale GGG beispielsweise, hatte 2015 angekündigt, fünf Jahre lang keine flächendeckenden Mieterhöhungen vornehmen zu wollen. Diese Aussage habe weiterhin Bestand, bestätigt ein Unternehmenssprecher. (micm)

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