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Zu verkaufen, wie das Banner an der Fassade suggeriert, ist das Postgebäude an der Moritzstraße in Limbach-Oberfrohna schon lange nicht mehr - stattdessen streiten sich die Stadt und eine hessische Gesellschaft darum, wer der rechtmäßige Eigentümer ist.

Foto: Andreas SeidelBild 1 / 2

Streit um Postgebäude: Stadt erhebt Vorwürfe gegen Käufer

Das Rathaus will verhindern, dass das Baudenkmal zu einem Spekulationsobjekt wird. Bald beschäftigt sich ein Gericht mit dem Konflikt.

Von Johannes Pöhlandt
erschienen am 16.05.2018

Limbach-Oberfrohna. Das Postgebäude in Limbach-Oberfrohna hat seine besten Zeiten hinter sich. Im Hochparterre betreibt die Postbank eine Filiale, sonst herrscht größtenteils Leerstand. Einladend wirkt die Immobilie an der Moritzstraße nicht. "Mindestens müssten neue Fenster und ein neuer Anstrich her", stellt eine Passantin fest. Doch ob und wie das denkmalgeschützte Gebäude herausgeputzt werden kann, ist unklar. Denn die Besitzverhältnisse sind derart umstritten, dass sich demnächst ein Gericht mit der Angelegenheit befassen muss.

An der Fassade hängt ein Banner mit dem Schriftzug "zu verkaufen". Angebracht wurde es im Auftrag des Lorac Investment Fund. Seltsam ist, dass sich der Inhalt des Plakats längst überholt hat. Denn die Immobiliengesellschaft aus Luxemburg, die 2008 etwa 1200 Gebäude von der Deutschen Post erworben hatte, ist seit mehr als einem Jahr nicht mehr Eigentümer des Objektes, wie sie damals auf Anfrage mitteilte. Offenbar befand sie es aber nicht mehr für nötig, das Plakat zu entfernen.

Die Luxemburger reichten die Limbacher Post an die Postroxx-Gesellschaft weiter. Die Firma aus dem hessischen Gießen war erst wenige Monate zuvor gegründet worden. Als die Stadtverwaltung von dem Geschäft erfuhr, schaltete sie sich ein und nahm ihr Vorkaufsrecht wahr. Dieses steht der Kommune gesetzlich in Sanierungsgebieten zu - und die Limbacher Innenstadt, in dem sich das knapp 2700 Quadratmeter große Postgrundstück befindet, ist ein solches.

Warum die Stadt auf diese Weise "in den Kaufvertrag reingegrätscht" ist, wie es Dietrich Oberschelp formuliert, erklärte der Stadtjurist während der jüngsten Sitzung des Stadtrates. Eine Bürgerin hatte sich in der Fragestunde nach dem aktuellen Stand des Verfahrens erkundigt. "Wir hatten Zweifel daran, dass das Gebäude einer vernünftigen Nutzung zugeführt wird", sagte Oberschelp. Soll heißen: Die Stadtverwaltung glaubt nicht daran, dass Postroxx die Post aufwerten will. Als Beleg führte Oberschelp an, dass die Firma aus Gießen 80 bis 90 Postgebäude im Bundesgebiet im Paket erworben habe und einige Objekte davon auf Immobilienportalen schon wieder zum Verkauf anbiete. Dient das Gebäude im Limbacher Zentrum also als reines Spekulationsobjekt?

Postroxx selbst hat sich zu diesem Thema lange bedeckt gehalten. Mehrere Anrufe und eine Mail der "Freien Presse" waren in der Vergangenheit ins Leere gelaufen. Gestern änderte sich das - detailliert Auskunft geben will das Unternehmen aber nicht. "Wir geben zu dem laufenden Verfahren keine Stellungnahme ab", sagte Fabian Schäfer, einer von zwei Postroxx-Geschäftsführern, am Telefon. Auch zu den Vorwürfen der Stadtverwaltung wollte er sich nicht äußern.

Postroxx ist offenbar eigens für die Geschäfte mit den Postgebäuden gegründet worden. Ein solches Vorgehen ist in der Immobilienbranche nicht unüblich. Laut Handelsregister führt der andere Postroxx-Chef zugleich die Geschäfte von etwa zehn weiteren Firmen, deren Namen zum Teil die Endung gemein haben: Neben Postroxx existieren auch Imaxx, Bubaxx und Hedgeroxx. Die meisten dieser Gesellschaften haben ihren Sitz an derselben Adresse in Gießen. Nach Informationen der "Freien Presse" gilt der zweite Postroxx-Chef in der hessischen Stadt als knallharter Geschäftsmann, ist aber noch nicht unangenehm aufgefallen.

Im Streit um die Post in Limbach-Oberfrohna lässt sich Postroxx inzwischen durch Anwälte vertreten. Die Gesellschaft betrachtet sich als rechtmäßigen Eigentümer des Gebäudes und hat die Stadt wegen der Ausübung des Vorkaufsrechts verklagt. Beide Parteien haben inzwischen dem zuständigen Verwaltungsgericht Chemnitz ihre Sicht auf die Dinge dargelegt. Nach Angaben eines Gerichtssprechers wird es zu einer öffentlichen Verhandlung kommen - wegen der Überlastung der Richter "jedoch voraussichtlich erst in der zweiten Jahreshälfte". Dann muss das Gericht beurteilen, ob die Ausübung des Vorkaufsrechts dem "Wohl der Allgemeinheit" dient - dies ist laut Baugesetzbuch Voraussetzung, damit das Instrument angewandt werden kann.

Die Stadtverwaltung sehnt den Gerichtstermin herbei. "Wenn es nach uns ginge, sollte so schnell wie möglich verhandelt werden", sagte Oberschelp. Das Rathaus möchte den städtebaulichen Missstand beheben und hat auch schon einen Investor gefunden: Peter Simmel. Der Betreiber eines Supermarkts an der Helenenstraße hat Interesse bekundet, das Gebäude denkmalgerecht zu sanieren. Näheres zu seinen Plänen möchte Simmel derzeit nicht verraten.

Kunden der Post müssen offenbar keine Sorge haben, dass der Streit um das Gebäude Folgen für die Filiale hat: Nach Angaben der Postbank sind keine Änderungen geplant.

 
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