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Thomas Kämpfe vor seinem Haus an der Gustav-Adolf-Straße. Die gelbe Tonne wurde zuletzt nicht abgeholt, weil sie aus Sicht des ASR so weit von der Straße entfernt steht, dass eine Servicegebühr fällig ist. Kämpfe sieht das nicht ein.

Foto: Andreas Seidel

Tonne drei Schritte zu weit weg: Entsorger lässt den Müll stehen

Ein Altendorfer streitet sich mit dem ASR um die Abholung der gelben Tonne. Es geht um ein, zwei Meter - und um die Frage der Kulanz.

Von Benjamin Lummer
erschienen am 09.08.2017

Sie ist voll. In die gelbe Tonne, die vor dem Haus von Thomas Kämpfe in der Gustav-Adolf-Straße steht, passte Ende vergangener Woche keine Verpackung mehr. Kein Wunder: Seit etwa fünf Wochen sei der Behälter nicht mehr geleert worden, berichtet der Hauseigentümer. Hintergrund dafür ist ein Streit, den Kämpfe mit dem Abfallentsorgungs- und Stadtreinigungsbetrieb (ASR) austrägt. Ein Streit, bei dem es um eine grundsätzliche Frage geht: Wie weit darf eine Mülltonne von der Straße entfernt stehen, damit sie kostenfrei abgeholt wird.

Die gelbe Tonne von Thomas Kämpfe steht auf einer eigens dafür geschaffenen Stellfläche vor dem Wohnhaus. Von dort sind es knapp drei Meter bis zur Straße; ein Fußweg und ein schmaler Grünstreifen trennen den Stellplatz vom Bordstein. Das sei zu weit für die Mitarbeiter der Müllfahrzeuge, habe man ihm auf Nachfrage beim ASR mitgeteilt. Entweder, er ziehe die Tonne zum Straßenrand, oder aber er müsse eine Service-Gebühr für die Abholung am derzeitigen Standort zahlen, habe es geheißen.

Die Sprecherin des ASR, Beate Bodnar, bestätigt diese Angaben. Grundsätzlich gelte für alle Mülltonnen, egal ob für Restabfall, Biomüll oder Verpackungen: Sie müssen von den Hauseigentümern selbst bereitgestellt, das heißt, direkt an den Straßenrand gerollt werden (siehe Info-Kasten). "Manch ein Eigentümer beauftragt dafür auch den Hausmeister", berichtet Bodnar.

Wer die Tonne nicht bereitstelle, sondern sie von ASR-Mitarbeitern vom Standort zum Müllauto ziehen lassen wolle, müsse dafür einen sogenannten Vollservice beantragen. In diesem Fall werde der Container abgeholt - egal wo er stehe. Die Kosten dafür betragen 13 Euro pro Jahr, erklärt Bodnar. "Das ist ja eine Dienstleistung, die Zeit in Anspruch nimmt." Pro Woche würden im gesamten Stadtgebiet etwa 22.000 gelbe Tonnen geleert, ergänzt die Sprecherin. Dafür seien 19 Mitarbeiter mit sechs Fahrzeugen im Einsatz.

Die 13 Euro seien nicht viel Geld, die Extra-Gebühr könne er sich leisten, sagt Kämpfe. Ihm gehe es aber ums Prinzip, erklärt der Altendorfer: "Ich kann verstehen, dass es etwas kostet, wenn die ASR-Mitarbeiter eine Tonne aus dem Hinterhof holen müssen. Aber wegen drei Metern muss ich doch kein Theater machen." Er selbst könne die Tonne auch gar nicht bis zur Straße ziehen, da sie mit einem Schloss verriegelt sei, ergänzt der Hauseigentümer. Und selbst, wenn er es könnte, sei die Straße häufig zugeparkt und deswegen kein Platz für den Container. Außerdem komme er dem ASR ja auch entgegen, wenn er beispielsweise am Straßenrand vor seinem Haus Laub aufkehre, das die Reinigungsfahrzeuge des Betriebes nicht beseitigt hätten, meint Kämpfe.

Der Chemnitzer zeigt sich überdies verwundert: Bis vor wenige Wochen hätten ASR-Mitarbeiter seine gelbe Tonne doch noch abgeholt - ohne, dass er dafür bezahlen musste. "Da gab es wohl eine neue Anweisung", vermutet er. Dem ist wohl tatsächlich so. "Die Kollegen der Müllentsorgung waren wahrscheinlich kulant", sagt ASR-Sprecherin Bodnar. Alle Stellplätze für Mülltonnen würden von Mitarbeitern des Unternehmens geprüft. Sie entschieden dann, ob für die Abholung eine Gebühr fällig ist. "Bei einem Meter Abstand zur Straße lassen wir Kulanz walten", so Bodnar. Dass es wie im Fall von Herrn Kämpfe zu Diskussionen komme, sei "eine Seltenheit", erklärt die Sprecherin.

Die gelbe Tonne vor Thomas Kämpfes Haus wird indes in den kommenden Tagen geleert. Er wolle nun die kostenpflichtige Abholung beantragen und die 13 Euro Jahresgebühr bezahlen, kündigt der Hauseigentümer an. "Ich streite mich ja nicht ewig rum."

 
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Tonne drei Schritte zu weit weg: Entsorger lässt den Müll stehen
Gelbe Tonne: Entsorgung kostenfrei - Abholung nicht immer
 
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Kommentare
9
Kommentieren (für Digital- und Printabonnenten)
  • 11.08.2017
    10:02 Uhr

    lothaar: @cn3boj00: vollste Zustimmung zu ihrer Stellungnahme, besser hätte ich es nicht ausdrücken können.

    1 3
     
  • 10.08.2017
    22:25 Uhr

    cn3boj00: @tcfighter: Ich wohne an einer kleinen Straße, und der Entsorger der gelben Tonne (der heißt bei mir Veolia, ist privat und kein Kommunalunternehmen) hat mir mitgeteilt, dass ich die Tonne bis an die nächstgelegene Einmündung an der Hauptstraße schaffen darf, da er mit seinem Fahrzeug unsere Straße nicht befahren könne. Das sind etwa 70 Meter, und bergig. Die schwarze und die blaue Tonne hingegen holt der kommunale Entsorger an meiner Grundstücksgrenze am Straßenrand, seine Fahrzeuge haben kein Problem. Ich weiß nicht, ob mein Lokalredakteur das aufgreifen würde, wenn ich ganz laut darüber schimpfe. Ich hab auch meine Brunnenanlyse an die Zeitung geschickt, als sie mal geschrieben haben, dass Gülle nur höchst wissentschaftlich eingesetzt wird und keine Gefahr besteht. Mein Brunnen beweist das Gegenteil, aber zu solchen Themen lässt man nur "Experten" oder die Landwirte oder gar Politiker zu Wort kommen, welche die Auswirkungen auf das Grundwasser negieren. Nicht den Bürger. Auch die Frage, warum mein Internet manchmal ganze 100 kbit/s schafft ist weniger wichtig als eine Mülltonne.
    Das eine hat mit dem anderen nichts zu tun, das ist richtig.
    Was ich sagen will: Es gibt Leute, die regen sich über alles auf, und kommen damit noch seitenfüllend in die Zeitung. Wenn die Tonne am Straßenrand abgestellt werden muss ist das eben so, und Diskussionen über Abzocke (ein Kasten Bier im Jahr) halte ich hier für völlig überzogen! Was der Bürger aber zu wichtigen Entscheidungen unserer Politiker zu sagen hat, das findet bestenfalls Eingang in de Rubrik Leserbriefe, und da ist es eine Einzelmeinung, die den Wurf zum Papierkorb überlebt hat. Selbst im sogenannten staatlich kontrollierten Fernsehen gibt es mehr Formate, wo die Probleme der Bürger zur Sprache kommen, als in einer Tageszeitung vom Format der FP.

    2 3
     
  • 10.08.2017
    10:18 Uhr

    tcfighter: @cn3boj00: Das Eine hat ja direkt nichts mit dem Anderen zu tun, in dem Fall ging es letztendlich um ewas Lokales, bei den von Ihnen angesprochenen Problemen geht es um globalere politische Probleme. Dafür sollte es im Hauptteil der Zeitung genügend Raum geben. Letztendlich sind es aber zwei Seiten einer Medaille: Den Umgang mit dem Bürger. Er wird ständig hinters Licht geführt, belogen, betrogen und abgezockt. Die Eliten, bzw. besser die, die sich dafür halten, wollen rigoros ihr Gesellschaftsmodell durchsetzen bzw. beibehalten.
    Der brave Staatsbürger darf ab und an mal zur Wahl gehen und die eine oder andere Fraktion der Geldpartei wählen, das war es dann aber auch schon. Bürgernahe Politik und Verwaltung auf Bundes-, Landes- oder kommunaler Ebene: Fehlanzeige.

    3 2
     
  • 10.08.2017
    07:51 Uhr

    Hinterfragt: Kann ich es eigentlich dem Entsorger auch in Rechnung stellen, wenn ich die Tonnen jedes Mal im Umkreis von 15 Metern, nach der Entleerung, wieder einsammeln muss?

    3 5
     
  • 09.08.2017
    19:58 Uhr

    1953866: Auf dem Bild ist eindeutig zu sehen, wo die Tonne steht. Was da "aus Sicht des ASR so weit von der Straße entfernt steht" ist ja wohl ein Witz, leider nicht lustig, hoch 3. Wo soll die denn sonst platziert werden? Auf dem Autodach eines parkendem Fahrzeugs oder mitten auf der Straße?

    5 7
     
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