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Hält er oder hält er nicht? Mehrfach seien Busse der nur einmal pro Stunde verkehrenden Linie 79 in den zurückliegenden Wochen an Haltestellen einfach vorbeigerauscht, berichten Fahrgäste übereinstimmend. Die Fahrer sind neu in der Stadt - sie wurden erst kürzlich aus Spanien angeworben.

Foto: Andreas Seidel

Wenn der Busfahrer sich nicht auskennt

Weil der einheimische Arbeitsmarkt kaum noch Personal bietet, sitzen auf ersten Nahverkehrslinien ausländische Mitarbeiter am Steuer. Der Start verlief holprig, die CVAG zog die Notbremse.

Von Michael Müller
erschienen am 10.01.2018

Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erzählen. So manchen Chemnitzern genügte zum Wechsel ins neue Jahr schon eine Tour mit der Buslinie 79 vom Küchwald zur Zentralhaltestelle, um das eine oder andere Abenteuer zu erleben.

Sofern sie der Bus überhaupt mitgenommen hat. "Der ist an mir einfach vorbeigefahren", erzählt eine Mittfünfzigerin, die am Rande des Stadtzentrums wohnt und zum Küchwaldkrankenhaus wollte. Besonders ärgerlich: Der Bus fährt auf dieser Linie nur einmal pro Stunde. Ihr sei nichts anderes übrig geblieben, als sich um eine alternative Verbindung zu bemühen - Umsteigen inklusive.

Auf dem Rückweg ein paar Stunden später die nächste, ganz ähnliche Panne: Obwohl sie wie üblich rechtzeitig den Knopf gedrückt habe, der dem Fahrer signalisiert "An der nächsten Haltestelle bitte anhalten", sei der Mann am Steuer auch an dieser Haltestelle einfach vorbei gefahren. Und nicht nur an dieser, wie die Chemnitzerin erzählt. "Der hatte überhaupt große Orientierungsprobleme", schildert sie. Mit der Buslinie vertraute Fahrgäste hätten ihm schließlich Hinweise geben müssen, wo er abzubiegen und in welche Fahrspur er sich an den Kreuzungen einzuordnen habe. "Wir waren uns im Bus alle einig: So was haben wir noch nicht erlebt."

Anpassungsprobleme nach der Einführung des neuen Liniennetzes Anfang Dezember? Das wohl eher nicht. Vielmehr handelt es sich bei dem Fahrpersonal um im Chemnitzer Stadtverkehr generell unerfahrene Mitarbeiter - die obendrein noch kaum ein Wort Deutsch sprechen.

Wie das kommt? Die Linie 79 wird, wie andere kleinere Linien auch, nicht von der Chemnitzer Verkehrs AG selbst betreut, sondern seit vielen Jahren schon von einem Taxi- und Reise-Unternehmen aus Glauchau. Seit der Einführung des neuen Netzes vor einem Monat sind dessen Fahrzeuge - allesamt kleinere Busse für bis zu 22Fahrgäste - tagsüber länger im Einsatz als zuvor. "Das bedeutet, wir brauchen neuerdings auch mehr Fahrer", verdeutlicht Geschäftsführer Alexander Kreil. Doch der Arbeitsmarkt sei wie leer gefegt, offene Stellen im Grunde nur noch über Quereinsteiger zu besetzen. Deren Ausbildung wiederum dauere in der Regel ein halbes Jahr.

Also habe sich das Unternehmen nach Alternativen umschauen müssen, so Kreil. Fündig wurde es in Südeuropa. "Wir haben im Stadtverkehr in Glauchau seit einem Jahr mehrere Fahrer aus Spanien im Einsatz", erzählt Kreil. Das funktionierte auch ganz gut. "Durch den täglichen Umgang mit Einheimischen haben sie schnell Fortschritte in der deutschen Sprache gemacht." Ihre in Chemnitz eingesetzten Kollegen, ebenfalls aus Spanien stammend, stehen da noch ganz am Anfang. Ihr Deutschkurs - zwei Einheiten pro Woche - beginnt in diesen Tagen.

Der Verkehrsbetrieb CVAG, der seit vielen Jahren mit Subunternehmern zusammenarbeitet, hat nach Hinweisen von Kunden bereits eine Stellungnahme des betroffenen Betriebes eingeholt. Die Deutschkurse für die Fahrer begrüße man ausdrücklich, sagt Unternehmenssprecher Stefan Tschök. Auch die CVAG habe die Erfahrung gemacht, dass es gegenwärtig kompliziert sei, Busfahrer am hiesigen Arbeitsmarkt zu gewinnen. "Trotzdem müssen wir natürlich darauf dringen, in unserem Netz Fahrpersonal einzusetzen, das die geforderten Deutschkenntnisse aufweist", betont Tschök. Deshalb sei vereinbart worden, dass bei dem Subunternehmer in Chemnitz zunächst Fahrer eines anderen Betriebsteils zum Einsatz kommen, die der deutschen Sprache mächtig seien - solange, bis die ausländischen Busfahrer über ausreichend Sprachkenntnisse verfügten. Die Verträge sähen zudem Kenntnis der Linien und Tarife sowie eine entsprechende Auskunftsfähigkeit vor.

Alexander Kreil, der Geschäftsführer des Subunternehmens, hofft derweil auf Rücksichtnahme der Fahrgäste. Er geht überdies davon aus, dass über kurz oder lang auch andere Busunternehmen auf ausländische Arbeitskräfte zurückgreifen müssen. Er sei überzeugt: "Das Personalproblem in der Branche wird noch größer werden."

 
© Copyright Chemnitzer Verlag und Druck GmbH & Co. KG
 
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Kommentare
13
Kommentieren (für Digital- und Printabonnenten)
  • 11.01.2018
    18:41 Uhr

    Zeitungss: @Blackadder: Kleiner Nachtrag zu gestern 18.03 Uhr. Die Leistungserbringer der CVAG (und nicht nur dort), ist nicht der Chef, sondern das "Bodenpersonal". Sollten Sie in dieser Kaste (also über den eigentlichen Leistugserbringern) beheimatet sein, kann ich Ihre Reaktion nachvollziehen. Es gab genug Beiträge, welche nicht Ihren Vorstellungen entsprechen, ich würde sie ganz einfach mal aufarbeiten, was Sie mit Sicherheit nicht wollen.

    1 3
     
  • 11.01.2018
    09:23 Uhr

    HHCL: @Blackadder: Wo habe ich denn geschrieben, dass ich alles billiger haben will? Die CVAG ist z.Zt. jedenfalls nicht so preiswert, dass ich darüber hinwegsehen kann, dass meine Haltestelle eben mal nicht angefahren wird und der Fahrer nicht weiß wo er hinfahren soll. Das sind ja keine Luxusforderungen.

    @Interessierte: Warum braucht man wegen der Währung Euro keine Sprachkenntnisse um Fahrkarten zu verkaufen? Die Bezeichnungen für Zahlen sind trotz Euro in jedem Land andere und die Straßennamen bzw. die Art der Fahrkarten (Tageskarte, Einzelfahrt, usw.) müssen auch verstanden werden. Dafür braucht man zwar wirklich keine guten Deutschkenntnisse, aber das Argument ist irgendwie seltsam. Die Sprachkenntnisse scheinen mir hier aber wirklich vorgeschoben. Wenn der Fahrer an der Haltestelle vorbeifährt und die Route nicht kennt, liegt das nicht am Sprachhindernis.

    Ich gebe Ihnen auch Recht, dass man hier zwar für allen möglichen Schnickschnack Geld hat, es aber für die Grundaufgaben nicht zu reichen scheint. Besonders toll sind auch diese für viel Geld gekauften digitalen Abfahrtsanzeigen an vielen Haltestellen. Meist werden (entgegen der Werbung) dort keine realen Zeiten angezeigt sondern die Fahrplanzeiten. Da werden oft noch Busse angezeigt, die schon an der nächsten Haltestelle sind. Warum klappt bei der CVAG so viel grundlegendes nicht?

    0 9
     
  • 10.01.2018
    18:03 Uhr

    Zeitungss: @Blackadder: Sie dürfen auch meinen Beitrag noch einmal lesen, Erfolg wird es allerdings keinen bringen. Besorgen Sie sich die Gehaltsstrucktur der CVAG und zwar vom Chef bis zum eigentlichen Leistungserbringer, dann ist mein Beitrag und der anderen Mitstreiter kein böhmisches Dorf. Ich verlange auch nicht wirklich, dass Sie meiner Meinung auch nur andeutungsweise zustimmen.

    5 6
     
  • 10.01.2018
    13:29 Uhr

    Interessierte: Wie wäre es denn , wenn mal die ´deutschen` Fahrer mal bißchen besser bezahlt , dann findet man vielleicht auch welche mit der erforderlichen Sprache ...

    Da baut man für Millionen ein Chemnitzer Modell ......
    Dann kauft dazu noch für Millionen Bahnen , wo der Einstig zu hoch ist ...
    Dann baut man für Millionen sämtliche Haltestellen um , damit man auch in die Bahnen hinein kommt ....
    Und dann kann man die Fahrer nicht mehr bezahlen ...

    5 16
     
  • 10.01.2018
    13:10 Uhr

    Interessierte: Dienstfahrt nennt man so etwas wohl ....
    Aber in der ´Stadt der Moderne´ und der der Schildbürger ist eben alles möglich ...

    12 8
     
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