Herr Weißbach ersammelt sich die Welt

Ifni? Tannu Tuwa? Alawiten-Staat? Der Meinersdorfer will wirklich jedes Land, das je offiziell Briefmarken herausgegeben hat, katalogisieren. Doch wird der 67-Jährige sein Lebensziel schaffen?

Meinersdorf.

Der Alawiten-Staat hat am 5. Dezember 1936 aufgehört zu existieren. Das autonome Gebiet unter französischer Herrschaft wurde nach Syrien eingegliedert. Am 17. Mai 1950, also 14 Jahre später, kam Johannes Weißbach in Meinersdorf auf die Welt. 3000 Kilometer entfernt. Und doch haben sich jetzt Mann und Staat gefunden: Denn das Ex-Land am Mittelmeer stand lange auf der Fahndungsliste des Erzgebirgers.

"Mein Lebensziel ist es, von allen Staaten der Erde, die je Briefmarken herausgegeben haben, selbige möglichst umfangreich zu sammeln." Diese klebt der Philatelist dann in einem einheitlichen Layout mit Fakten und Landesflagge auf weiße A4-Seiten und heftet sie ab. Mittlerweile hat er so schon drei faustdicke Ordner mit Staaten, die teils im Dunkel der Geschichte verloren sind: Tannu-Tuwa existierte mal im Süden Sibiriens. Ifni gehört heute zu Marokko. Und wer kennt denn Fiume? Oder Dahomey?

Weißbach kennt sie. "Nunja, mittlerweile. Unglaublich, was es alles mal für Länder gab oder gibt. Es ist eine Zeitreise", so der Meinersdorfer. Laut Michel-Katalog, der Philatelisten-Bibel, gab oder gibt es fast 660 nachgewiesene Staaten mit eigenen offiziellen Postwertzeichen - 203 Länder hat Weißbach schon abgearbeitet. Die Marken selbst haben oft kaum Sammlerwert. "Mir geht es ums Dokumentieren."

Wirklich? Denn wer bei Weißbach etwa unter Großbritannien nachschaut, findet die One Penny Black (Einen-Penny in Schwarz). Die erste Briefmarke der Welt entstand im Vereinigten Königreich am 1. Mai 1840 und gilt heute als eine der berühmtesten Marken der Welt. "Meine ist aber kein Schatz, ich habe sie für 100 Euro erworben", so Weißbach. Er nimmt die Lupe. "Meine ist schief abgeschnitten. Das schmälert den Wert. Damals haben die Leute die Marken noch mit der Schere vom Bogen getrennt, bevor sie sie auf den Brief klebten." Zacken kamen erst später. Weißbach hat noch viel zu tun. Von etwa 100 weiteren, meist bekannten Ländern hat er zwar genug Marken in seiner Sammlung, aber die sind noch unsortiert. "Das kann ich mal später abarbeiten", sagt er. Lieber forscht er zuerst nach seltenen Exemplaren. "Tibet etwa: Da muss ich ganz bei Null anfangen. Das wird noch ein richtiges Problem", so der Mann. Problem im Sinne von spannend, versteht sich. Wird er sein Lebenswerk vollenden? "Dieses Jahr will ich noch die 300 A4-Seiten zusammenbekommen.

Und dann? Dann kommt ein neues Jahr." Sicher ist: Das Projekt ist nicht seine Privatsache. Er will damit an Schulen gehen - so können Kinder etwas über Briefmarken und Geschichte lernen. "Mit der Grundschule Burkhardtsdorf habe ich schon Kontakt aufgenommen."

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