OB Schmidt: Es war ein Traum

Mehr als tausend Menschen haben beim gestrigen Märchenaufzug zum Abschluss von Fabulix die Straßen gesäumt. Der Film "Die sieben Raben", der in Annaberg-Buchholz seine Deutschland-Premiere feierte, erhielt den Publikumspreis.

Annaberg-Buchholz.

König Drosselbart, Froschkönig, Prinzessinnen, Elfen und viele andere Fabelwesen haben sich bei Traumwetter gestern Nachmittag beim Märchenaufzug von der Annenkirche zum Markt ein Stelldichein gegeben. Ihr Weg wurde links und rechts von mehr als tausend Besuchern gesäumt. Diese filmten und fotografierten ununterbrochen, als wollten sie jeder für sich ein Stück des 1. Internationalen Märchenfilmfestivals Fabulix in Annaberg-Buchholz konservieren. Diesen Eindruck brachte bei der folgenden Abschlussveranstaltung auf der großen Bühne Christel Bodenstein, Ehrenpräsidentin des Festivals, auf den Punkt. "Man müsste eigentlich das alles hier einpacken und im nächsten Jahr wieder auspacken", sagte sie unter tosendem Beifall des Publikums, das im Anschluss den Publikumspreis bejubeln konnte. Dieser ging an die Neuverfilmung von "Die sieben Raben", der seine Deutschlandpremiere in der Kreisstadt gefeiert hat.

Oberbürgermeister Rolf Schmidt war beim Blick von der Bühne auf die Massen kurz sprachlos. Dann sagte er sichtlich berührt: "Da geht einem einfach das Herz auf." Er bezeichnete das Festival als ein Riesenexperiment. "Keiner wusste, ob sich die Leute darauf einlassen, am Donnerstagnachmittag nach Annaberg zu kommen, um sich hier einen Film anzuschauen", so Schmidt weiter. Ganz besonders freute er sich gestern über die vielen kleinen Gäste. "Ich glaube, wir hatten noch nie so viele Kinder in der Stadt. Das macht uns stolz", so Schmidt weiter, bei dem erst am Nachmittag die Anspannung nachgelassen habe.

Doch nicht nur er schwärmte von Fabulix. Auch die unmittelbar ins Festival eingebundenen Akteure waren des Lobes voll. Magister von Winterfeld alias Jörg von Winterfeld etwa bezeichnete die Tage in Annaberg-Buchholz als eine wunderbare Sache. Er, der als Stadtherold seit Mittwoch ordentlich Kilometer geschrubbt hat, kommt eigentlich aus dem Münsterland und ist viel auf diversen Festen unterwegs. "So etwas habe ich aber noch nicht erlebt", betonte er.

Und Fabulix selbst? Unter dem Namen ist Carmen Goldschmidt aus Dortmund seit 21 Jahren als Märchenerzählerin hauptberuflich unterwegs. Da sie dem 12. Jahrhundert entsprungen ist, erzählt sie mittelalterliche Märchen - tagsüber den Kindern und ab 20 Uhr ausschließlich den Erwachsenen. "Das sind dann Schweinereien für die Ohren", sagt Fabulix, die sich sehr über die Einladung der Stadt gefreut hat.

Zu den Akteuren, die zwar permanent anwesend waren, aber vom Publikum wohl kaum wahrgenommen wurden, gehörte Peter Reinhardt. Der Meister für Veranstaltungstechnik hatte seine Arbeitsplatz an den unzähligen Reglern in einem kleinen, grauen Zelt am Rand des Marktplatzes. Der Karlsruher fand die Idee eines solchen Festivals einerseits sehr mutig und super sowie andererseits sehr frisch, "weil es eben nicht das 501. Mittelalterspektakel oder das 1001. Rockfestival für Bier- und Bratwurstfetischisten ist".

Die längste Arbeitszeit während Fabulix aber hatten wohl die Mitarbeiter von René Curth. Er war der Einsatzleiter der Security, die 24 Stunden täglich Festhalle, Markt, Altstadtterrasse und Annenkirche bewacht und zudem die Parkplatzbewirtschaftung übernommen hatte. Und: "Es war alles ruhig. Es gab keine Zwischenfälle", konnte Curth gestern Nachmittag bilanzieren.

Auch der medizinische Dienst vor Ort war kaum gefordert. "Wir wurden lediglich zu ein paar kleineren Einsätzen gerufen. Dazu zählten eine Unterzuckerung und Insektenstiche", erklärte Rettungsassistent Stephan Linke vom Medical Team Dresden.


"Da werden Kindheitserinnerungen wach"

Andreas Schönfeld aus Oberwiesenthal hat am Samstag mit seinem kleinen Sohn das Märchenfilmfestival besucht. Beide sahen sich auf dem Markt den Streifen "Schneeweißchen und Rosenrot" an. Zuvor hatten sie sich bereits etwas umgesehen und zeigten sich begeistert. "Was hier geboten wird, ist alles sehr abwechslungsreich. Es ist mal etwas Neues, was Anderes", sagte der Oberwiesenthaler. Die Stadt sei wunderschön gestaltet, insbesondere der Marktplatz mit der Überdachung, die mit etwas Fantasie wirklich einem Ballsaal ähnele. "Dieses Festival sollte definitiv wiederholt werden", betonte Andreas Schönfeld.

Klara Böhme und Chris Reichenberger aus Mildenau waren ebenfalls des Lobes voll für Fabulix. "Was hier auf die Beine gestellt wurde, ist echt schön. Überall ist etwas anderes los. Es werden eben nicht nur Filme gezeigt, es gibt auch Live-Vorführungen, Lesungen und vieles mehr." Auch gestaltungstechnisch hebe sich das Märchenfilmfestival ab von den üblichen Volksfesten, wenn man etwa den Markt anschaut.

Angelika Müller aus Aue zeigte sich fasziniert von der Stadt, den Menschen, den Angeboten. "Das ist alles einfach super. Da werden Kindheitserinnerungen wach. Ja, man wird dabei selbst wieder zum Kind. Von mir aus könnte so etwas alle zwei bis drei Jahre stattfinden", betonte sie.

Monika und Gunter Zoschke aus Chemnitz hatten sich den gestrigen Sonntag für einen Besuch des Märchenfilmfestivals ausgesucht. Gezielt ging es zunächst in die Kostümausstellung in der Festhalle. "Wir wollten uns einfach mal an früher erinnern", sagte Gunter Zoschke. Und das sei durchaus gelungen, auch wenn die Kostüme farblich etwas anders wirkten, als in den Filmen. "Sehr schön fanden wir auch, dass die Kinder selbst aktiv werden konnten, etwa bei den Puzzle-Spielen und man auch mal etwas anfassen durfte", waren sich die Chemnitzer einig. Beide sind sie große Märchenfilmfans der alten Defa-Klassiker aber auch der tschechischen Streifen. Bevor sie sich weiter ins Festgetümmel stürzten, gab es noch ein Lob an die Stadt: "Die haben sich sehr viel Mühe gegeben". (tw)

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