Ob Engel oder Miniatur-Burg: Januarschau lädt zum Staunen ein

Der Annaberg-Buchholzer "Erzhammer" startet mit einer beliebten Ausstellung ins neue Jahr. Diesmal wird erzgebirgische Volkskunst unter dem Titel "Sammlerwelten" gezeigt. Manche Schätze stehen in eigenen Kammern.

Annaberg-Buchholz.

Uwe Moule legt den Tacker aus der Hand. Wieder etwas geschafft - eine weitere verstellbare Wand ist fertig und mit neuem Stoff bespannt. Doch Arbeit gibt es noch genug, bevor die Januarausstellung 2018 morgen im Annaberg-Buchholzer "Erzhammer" eröffnet werden kann. "Sammlerwelten" lautet ihr Titel in diesem Jahr. Und diese sind vielfältig, was erzgebirgische Volkskunst betrifft. Da ist die Arche mit annähernd 200 hölzernen Reifentieren genauso wie der Kaufmannsladen und der Spielzeug-Bauernhof von anno dazumal. Da sind Nussknacker, Engel und Pyramiden. Doch auch so manches eher Unbekannte gehört dazu - wie Lichterhäuser, in denen einst meist richtige Kerzen brannten.

"Sie waren typisch für das Marienberger und Olbernhauer Gebiet", sagt Ausstellungsleiter Uwe Moule. Er war dies schon bei 19 von 20 Januarschauen und bereits bei der ersten Auflage 1998 dabei. "Damals kamen etwa 25.000 Besucher, die Leute standen in Dreier-Reihen bis zum Kino an", erzählt er. Auch wenn das einmalig geblieben ist - mehrere tausend Gäste kommen Jahr für Jahr. Und wann stand das Thema für die jetzige Schau fest? "Schon am Eröffnungstag im vergangenen Jahr", sagt der Annaberg-Buchholzer.

Drei Wochen lang werden die "Sammlerwelten" im Haus des Gastes "Erzhammer" zu sehen sein. Dass dies möglich ist, sei zahlreichen Leihgebern - Privatleuten und Museen - zu verdanken. "Das Vertrauen, das sie uns immer wieder entgegenbringen, ist enorm", sagt Uwe Moule. Von manchen hat er die Ausstellungsstücke selbst abgeholt, andere wurden angeliefert, wieder andere von ihren Besitzern gebracht. So habe etwa Modellbauer Horst Oschmann seine Exponate am Sonntag in einer Ausstellung in Schloss Wolkenburg abgebaut, um sie nach Annaberg-Buchholz zu fahren, wo er sie am Montag wieder eigenhändig ausgepackt und platziert hat. Der Waldenburger präsentiert seine Sammlung von 70 Burgen und Schlössern, die er selbst im Miniaturformat gestaltet hat. Darunter finden sich Exemplare aus dem Erzgebirge wie Schloss Schlettau genauso wie weiter entfernt gelegene - etwa Burg Kriebstein.

"Die Bühne wird komplett bergmännisch", sagt Uwe Moule. Natürlich hat er ein Konzept, was wohin kommen soll. "Doch manches entwickelt sich erst beim Aufbau", erklärt er. Schon lange in seinem Kopf war hingegen die Idee, dass zum Thema "Sammlerwelten" unbedingt Bodenkammern gehören. Gerade dort würden doch viele Schätze der erzgebirgischen Volkskunst ruhen - wohl auch manche, die in Vergessenheit geraden sind. Anders im "Erzhammer" - dort werden ausgewählte Exponate mithilfe nachgestalteter Dach-Kammern in Szene gesetzt. Darunter Schnitzereien von Paul Schneider, die unter Sammlern sehr begehrt sind. "Seine Arbeiten befinden sich in aller Welt", heißt es schon in einem Sonderheft des Erzgebirgsmuseums von 1992, das sich dem Schaffen des Kunstschnitzers aus Annaberg widmete. Was seine Werke so außergewöhnlich macht, davon können sich Gäste der Januarschau einen Eindruck verschaffen. Eine andere Bodenkammer wird zum Beispiel Schätze wie Lichtertürken bewahren.

Ein Hingucker ist auch ein Podest, das ganz in der Nähe steht. Etwa 200 Bäume sind darauf arrangiert worden - entstanden in verschiedenen Techniken und aus unterschiedlichen Materialien. Holz, Papier und Pappe, aber auch Zinn und Glas sind vertreten. Ebenso Stücke aus natürlichen Bestandteilen. Der kleinste Baum misst etwa zwei Zentimeter, der größte schafft es auf zirka einen Meter.

Bis heute Abend wird der Aufbau der Schau dauern. Morgen früh erfolgt der Feinschliff. 9.30 Uhr will Uwe Moule seine letzte Runde drehen. Letzte prüfende Blicke: Stimmt alles? 10 Uhr kommt der spannendste Moment für ihn und Kulturmanagerin Gabriele Lorenz, die Leiterin des Hauses. Eröffnung: Die Tür geht auf, die ersten Besucher kommen rein. "In diesem Augenblick merkt man gleich: Hat man die Leute oder hat man sie nicht", sagt Moule. Doch das Thema und die Exponate wecken Vorfreude: "Das wird eine tolle Ausstellung."

Die Januarausstellung im "Erzhammer" ist von Samstag bis 4. Februar täglich von 10 bis 18 Uhr zu sehen. Eintritt: 3 Euro, für Kinder bis 14 Jahre frei. Zur Eröffnung gibt es auch eine Vorführung. Christian und Andreas Werner zeigen, wie Reifentiere entstehen.

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...