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Die Schüler Lucas Pusch (mit Brille), Cindy Schwarz (mit Braille-Schreibmaschine) und Vivien Fritsch (mit Tastsäckchen) lassen sich interessiert auf die Übungen ein, die Judith Dolny (2. von links) vorbereitet hat.

Foto: Bernd März

Siebtklässler entdecken Blindenmaschine für sich

Judith Dolny erzählt von ihrem Leben als blinde Frau. Mit Schülern testet sie die Tücken der Blindenschrift Braille.

Von Sarah Hofmann
erschienen am 07.02.2018

Annaberg-Buchholz. Wer gesund ist, nimmt das gern als selbstverständlich hin. Den elf Schülerinnen und Schülern der siebten Klasse des Förderschulzentrums Annaberg ging es da nicht anders - bis Judith Dolny sie besuchte. Die 43-jährige Annabergerin ist seit vielen Jahren blind und erzählte den Schülern aus ihrem Leben und wie sie den Alltag mit ihrer Beeinträchtigung meistert.

Und warum das alles? "Die Schüler sollen lernen, wie behinderte Menschen leben. Manche schätzen es nämlich nicht, dass sie selbst so vieles können", sagt Lehrerin Christine Schreiter. Und genau diese Wertschätzung der eigenen Gaben und den daraus resultierenden Respekt von den Beeinträchtigungen anderer, hält die Lehrerin für elementar, weil er sich auch im Umgang der Schüler untereinander und den Mitmenschen gegenüber spiegelt. Sie lud deshalb Judith Dolny gleich zwei Mal ein. In der ersten Stunde erzählte Judith Dolny von ihrem Leben und präsentierte ihren Blindenhund Kim. Vorige Woche trat sie dann erneut vor die Schulklasse. Die Siebtklässler hatten in Zwischenzeit die Möglichkeit, das Erfahrene setzen zu lassen und durften einen Rollentausch vornehmen. "Nun könnt ihr selbst erfahren, wie es ist, mit den Händen zu arbeiten und Dinge zu ertasten", sagte Judith Dolny den Siebtklässlern. Da sie mittlerweile einige Erfahrungen im Umgang mit Schulklassen hat, kam sie gut ausstaffiert ins Klassenzimmer. So brachte sie unter anderem Tastsäckchen mit und Bücher mit unebener Oberfläche. Wer sich selbst mit einer schlafmaskenähnlichen Brille kurz die Sehkraft nahm, konnte auf den Seiten Tiere ertasten, worin sich die Jungen und Mädchen erstaunlich versiert zeigten. Auch einer weiteren großen Herausforderung im Leben blinder Menschen näherten sich die 12- bis 14-Jährigen mit Bravour: der Blindenschrift Braille. Diesbezüglich hatte Christine Schreiter gute Vorarbeit geleistet, sie brachte den Kindern die Blindenschrift Braille nämlich schon vorab bei. Auch, weil man dabei Mathe, Deutsch und viele andere Themen verknüpfen kann: Die Schrift aus unebenen Punkten hat es nämlich in sich. Und doch knackten die Schüler das System. "Frau Dolny ist die Beste", hackte die 13-jährige Cindy mit einigem Kraftaufwand fehlerfrei in Judith Dolnys Braille-Schreibmaschine. Die kniffelige "Blindenmaschine", wie die Schüler sie nannten, entpuppte sich insgesamt als Renner. Die Mädchen und Jungen hämmerten Botschaften in die Tasten und Judith Dolny las die vor und prüfte sie nach. Eine gelungene und doch viel zu kurze Schulstunde. Zum Ende hin überreichten die Schüler der blinden Frau noch ein kleines Präsent, streichelten den schwarzen Blindenhund Kim und zogen mit neuem Wissen in die nächste Unterrichtsstunde.

"Die Kinder sind schon alle sehr interessiert, sie haben eine gesunde Neugier und keine großen Berührungsängste", lobte Judith Dolny. Wie sie sagte, sind ihr Gespräche mit Kindern und Schülern generell am liebsten, denn diese seien sehr offen und würden ihre Erfahrungen auch ins Elternhaus weitertragen und so Vorurteile abbauen.

 
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