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Peter Ficker vor seinem Lieblingsstück im Schnapsmuseum des Unternehmens Grenzwald-Destillation Otto Ficker in Crottendorf. Dabei handelt es sich um einen Destillierapparat aus den 1950er-Jahren, der bis zum Jahr 2006 in Betrieb war.Fotos: Sebastian Paul

Foto: Sebastian PaulBild 1 / 2

Von Kräutern, Schnaps und alter Technik

Lieblingsstücke: Museen im Altkreis Annaberg beherbergen tausende Exponate - vom Raachermannl über die Suppenterrine bis zu Skiern. Aber was finden die Menschen am spannendsten, die in den Häusern arbeiten? "Freie Presse" fragt sie - heute Peter Ficker im Schnapsmuseum Crottendorf.

Von Annett Honscha
erschienen am 16.05.2018

Crottendorf. Der Sack mit den letzten verwendeten Kräutern steht noch daneben - so, als ob der Destillierapparat erst vor Kurzem seinen Dienst verrichtet hätte. Doch die Anlage aus den 1950er-Jahren war zuletzt 2006 in Betrieb. Ihre Arbeit könnte sie aber nach wie vor ausüben, jahrzehntelang wurden damit Destillate hergestellt. Daher ist dieses Exponat im Schnapsmuseum Crottendorf Peter Ficker besonders ans Herz gewachsen. Es ist sein Lieblingsstück in dem Gebäude, das bis 1994 Sitz des örtlichen Unternehmens Grenzwald-Destillation Otto Ficker war.

"Für den ,Kräutergeist' kamen fünf Kilogramm verschiedene Kräuter in das Kräutersieb, darunter wurde ein Alkohol-Wassergemisch zum Kochen gebracht", erzählt der Geschäftsführer. Der Alkoholdampf sei durch die Kräuter gestiegen und habe die Aromen mitgenommen - bevor es für den angereicherten Dampf in eine Kühlschlange ging. Die daraufhin entstandene Flüssigkeit - das Destillat - wurde aufgefangen und weiterverarbeitet. "Es hat einen Alkoholgehalt von mehr als 80 Prozent", erklärt der Ingenieur, der zu DDR-Zeiten zudem Spirituosenfacharbeiter gelernt hat. Auch heute ist das Prinzip das gleiche. Allerdings wurde der alte Destillierapparat 2006 von einer moderneren und leistungsfähigeren Anlage abgelöst, die am jetzigen Unternehmenssitz an der Oberwiesenthaler Straße steht. Ein kleiner Teil der Produktion befindet sich jedoch noch immer im Museumsgebäude an der Rathenaustraße. "Wir stellen hier zum Beispiel unseren Eierlikör her", erzählt Peter Ficker. Die Geräte, die sich dafür am besten eignen - nämlich beheizbare Mischer - befinden sich noch immer im Stammhaus.

Das dazugehörige Schnapsmuseum beherbergt auch manches, was der Name gar nicht vermuten lässt. Dazu gehört eine alte Abfüllanlage für Limonade - "die haben wir hier früher auch gemacht", sagt der Geschäftsführer. Daher befindet sich eine passende Etikettiermaschine aus DDR-Zeiten ebenfalls unter den Exponaten. Zu sehen ist zudem ein großes Einweichrad für Flaschen, dort sind einst Verschmutzungen vorgelöst worden. "Zum großen Teil funktionieren die alten Maschinen noch, sie müssten nur ein bisschen in Gang gebracht werden", berichtet Peter Ficker. Darunter ist auch manches Unikat - wie eine Maschine, die von einem Crottendorfer Handwerker für die Firma gebaut worden sei, um Anrollverschlüsse auf Flaschen zu drehen.

Das Gebäude, in dem sich all das befindet, wurde 1882 von Emil Möckel gekauft, der darin eine "Herstellung von Likören und Branntweinen" sowie einen Weinhandel eröffnet habe. Seit 1933 befindet sich das Objekt im Besitz der Familie Ficker, nachdem Otto Ficker Geschäft und Grundstück erworben hatte. Wie das Unternehmen informiert, erlernte er von 1911 bis 1915 bei der Firma Facius in Annaberg die Herstellung von Likören und Branntweinen. Heute sind acht Mitarbeiter in dem Crottendorfer Traditionsunternehmen tätig. Beim Vertrieb orientiert sich die Firma vor allem auf Sachsen, aber auch Abnehmer in Thüringen und einige in Brandenburg werden beliefert.

Einmal im Jahr - am Tag des traditionellen Handwerks im Oktober - können sich Besucher die Produktion am Hauptstandort zeigen lassen und dort zum Beispiel einen Blick in die Kräuterkammer werfen. Dort lagern mehr als 60 verschiedene Kräuter - die daraus hergestellten Spirituosen machen einen großen Teil der Produktion aus. Verarbeitet werden dafür unter anderem Enzianwurzel, Kamillenblüten und Kalmus.

Verschiedene Kräuter sind auch im Schnapsmuseum zu sehen, ebenso manche alte Dokumente. "Und man kann sehen, was sich die Menschen früher alles einfallen lassen mussten", sagt der Chef. Gerade nach dem Krieg sei das der Fall gewesen. Beispielhaft dafür steht ein kleiner Hammer, für dessen oberen Teil ein ehemaliges Geschoss umfunktioniert worden ist. "Damals wurde einfach Werkzeug gebraucht - und es gab fast nichts." In der heutigen Zeit sei das kaum noch vorstellbar.

Das Schnapsmuseum in Crottendorf befindet sich an der Rathenaustraße 59 C. Öffnungszeiten: montags bis freitags von 10 bis 17 sowie samstags von 9 bis 12 Uhr. Für Einzelpersonen ist der Eintritt frei. Führungen für Gruppen mit Verkostung sind ab 18 Personen möglich. Eine solche Führung kostet insgesamt 40 Euro. Kontakt: Ruf 037344 13616.

 
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