Am Körnerplatz werden die letzten Plattenbauten saniert

Die Sächsische Wohnungsgenossenschaft legt vor, ein privater Vermieter nebenan will in Kürze nachziehen. Dabei galt der südliche Sonnenberg vor Jahren noch als beinahe hoffnungsloser Fall.

Sonnenberg.

Es sind diese Wochen im Mai, in denen der Körnerplatz sich von seiner einladenden Seite zeigt. Rund um die Markuskirche blüht es in allen Farben. Das Kontrastprogramm dazu lieferte bislang die Südost-Ecke des Platzes. Dort, wo die Körner- auf die Tschaikowskistraße trifft, prägt das drückende Grau zweier Plattenbau-Wohnanlagen aus den 1980er-Jahren das Bild. Es sind die letzten noch unsanierten Blöcke dieser Art in der Gegend; viele der rund 200 Wohnungen stehen leer.

In einem Jahr dürfte der Eindruck dann schon ein ganz anderer sein: Beide Anlagen werden saniert. "Wir sind gerade in der Planung, die Baugenehmigung ist beantragt", sagt Frieder Düsterer, der private Eigentümer des Eckkomplexes unterhalb der Körnerstraße. Rund 90Wohnungen sollen dort modernisiert und mit zeitgemäßen Grundrissen versehen werden, erläutert er. Auch äußerlich werde sich das Erscheinungsbild deutlich verändern. "Der Platten-Charakter wird nicht mehr zu erkennen sein", kündigt Düsterer an. Einen ähnlichen Ansatz habe sein Unternehmen bereits in Leipzig verfolgt - und damit glatt einen Sanierungspreis gewonnen. Läuft alles wie geplant, sollen die Arbeiten Ende des Jahres beginnen und 2018 abgeschlossen werden.


Nebenan, auf der anderen Seite der Körnerstraße, ist die Sächsische Wohnungsgenossenschaft (SWG) schon einen Schritt weiter. Bauleute sind seit Ende April am Werk, um die Fünf- bzw. Sechsgeschosser des Großvermieters in Ordnung zu bringen. An der Form des Baus werde sich nicht allzu viel ändern, erläutert Vorstand Andreas Kunze, wohl aber am äußeren Erscheinungsbild. "Die Farbgebung wurde passend zur Kirche gegenüber gewählt", schildert er. Alle Wohnungen (Ein- bis Fünfraum, die größten sind 95 Quadratmeter groß) werden künftig über einen Balkon verfügen, die bestehenden Balkons erhalten neue Brüstungen. Im Inneren werden unter anderem Ver- und Entsorgungsleitungen auf den aktuellen Standard gebracht und neue Türen eingebaut.

Für die Genossenschaft geht mit dem Vorhaben ein weiteres Kapitel Stadtumbau zu Ende. Der Plattenbaukomplex ist die letzte noch unsanierte Wohnanlage im 4250 Wohnungen zählenden Bestand. Andere Blöcke in der Nachbarschaft wurden bereits in früheren Jahren saniert, umgebaut, verkauft oder ganz abgerissen.

"Noch vor einigen Jahren hieß es oft: Hier zieht sowieso keiner mehr hin", erinnert sich Kunze. Mittlerweile sei die Situation eine völlig andere. Nicht zuletzt bei Wohnungssuchenden von außerhalb stoße der südliche Sonnenberg wieder zunehmend auf Interesse. Auch, weil es sich abseits der Hauptverkehrsachsen dort recht ruhig wohnt. "Wer vergleichbare Stadtteile in Leipzig oder Dresden kennt, für den ist das eine Oase."

Dabei galt die nicht weit entfernte Zietenstraße lange Zeit als die lauteste Straße der Stadt überhaupt. Mittlerweile wird auch dort kräftig saniert. Selbst über viele Jahre hinweg leer stehende, bisweilen ruinengleiche Wohnhäuser haben mittlerweile einen neuen Besitzer gefunden.

Und in einigen sind auch schon Bewohner eingezogen - erstmals wieder nach sehr langer Zeit. Auch an der Ecke Zieten-/Körnerstraße, wo der städtische Großvermieter GGG einen Gründerzeitbau saniert hat. Mietinteressenten zu finden, sei kein Problem gewesen, sagt Unternehmenssprecher Erik Escher: Die Wohnungen verfügten über bis zu sechs Zimmer und seien daher sehr begehrt, erläutert er. Zudem seien die Mieten mit um die 4 Euro trotz Sanierung noch immer vergleichsweise günstig.

Auch für die Mitglieder der SWG soll das Wohnen in ihren eigenen vier Wänden erschwinglich bleiben, betont Andreas Kunze. "Ohnehin lässt sich nur ein Teil der anfallenden Sanierungskosten auf die Mieter umlegen", erläutert er. Und auf den Einbau von Aufzügen habe die Genossenschaft bewusst verzichtet - aus Kostengründen.

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