Anwohner sorgen sich um Plastik

Die bei Passanten beliebte Skulptur ist ein Kleinod auf der Inneren Klosterstraße gewesen. Laut Stadtverwaltung stand sie dort jedoch im Weg.

Mehr Menschen auch abends und an den Wochenenden in die Innenstadt locken. Dieses Ziel verfolgt die Stadtverwaltung gemeinsam mit ihrer Immobilientochter GGG unter anderem mit der Umgestaltung der Inneren Klosterstraße zu einer Kneipenmeile. Während der Erfolg dieses Projektes noch auf sich warten lässt, hat der Fußgängerboulevard für etliche Anwohner gerade ein Stück von seiner Aufenthaltsqualität eingebüßt. Denn sie haben bemerkt, was mancher eilige Passant womöglich übersehen hat: Die Plastik "Vogelbaum" ist verschwunden.

Jahrelang stand das Werk des Berliner Bildhauers und Bauhaus-Absolventen Theo Balden (1904-1995) auf dem Abschnitt zwischen der Börnichsgasse und der Theaterstraße, war ein beliebtes Fotomotiv und Treffpunkt für Verabredungen. "Hoffentlich wird die Skulptur jetzt nicht in irgendeinem Lagerraum vergessen", sorgte sich eine Anwohnerin der Inneren Klosterstraße am Lesertelefon der "Freien Presse".

Schließlich wäre es nicht das erste Kleinod, das dem Stadtbild auf unbestimmte Zeit oder sogar für immer verloren geht. Die Bronzetiere vom Bärenbrunnen an der Theaterstraße und auch mehrere Bronze-Skulpturen vom Schloßteich, aus dem Schloßberg-Park und vor dem Schauspielhaus wurden gestohlen. Das umstrittene Weltkriegs-Mahnmal "Grauen" von der Bretgasse liegt seit Jahren in einem Depot, weil dafür noch immer nach einem neuen Standort gesucht wird.

Über die Skulptur "Vogelbaum" hatte "Freie Presse" zuletzt im Oktober 2014 berichtet, dass sie von Unbekannten beschädigt worden war. Das hatten ein Hobbykünstler sowie Kinder bei einer Stadtführung bemerkt. Offenbar war versucht worden, die Plastik mit einem Hebel aus ihrer Verankerung im Sockel zu reißen. Stadtverwaltung und Polizei waren informiert worden.

Diesmal hat der Chemnitzer Restaurator Dirk Birkholz die Skulptur abgebaut und zwischengelagert, teilte die Stadtverwaltung auf Anfrage mit. Denn der Sockel des Kunstwerkes müsse restauriert werden. Der Abbau sei im Auftrag der GGG in Abstimmung mit der Stadt und dem Vertreter der Interessen des verstorbenen Urhebers erfolgt. Hauptgrund dafür war laut Stadtverwaltung aber nicht die notwendige Sockel-Restaurierung, sondern die Tatsache, dass die Skulptur seit einer Nutzungsänderung für die Innere Klosterstraße der Feuerwehrzufahrt im Weg gestanden habe. Deswegen soll sie auch nicht wieder an diesem Standort aufgestellt werden, sondern im Rosenhof. Im Rathaus wird damit gerechnet, dass diese Arbeiten im April vorgenommen werden können, wenn kein Bodenfrost mehr zu erwarten ist.

Nach Angaben der Stadtbibliothek hatte Theo Balden die Plastik, von der er seit 1972 mehrere Varianten schuf, 1982 fertiggestellt. 1987 sei sie erstmals am bisherigen Standort auf der Inneren Klosterstraße aufgestellt worden. Zuletzt wurde sie dort 2004/05 bei der Umgestaltung zur sogenannten Mittelstandsmeile installiert.

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