Anzahl der registrierten Straftaten im Landkreis Zwickau nimmt zu

Das Leben in der Region ist 2018 im Vergleich zum Vorjahr unsicherer geworden, wenn man den Zahlen Glauben schenkt. Doch wie aussagekräftig sind diese?

Limbach-O./Zwickau.

Können sich die Einwohner in Limbach-Oberfrohna und im gesamten Landkreis Zwickau sicher fühlen? Wenn es einen objektiven Maßstab für dieses subjektive Gefühl gibt, dann ist es die polizeiliche Kriminalstatistik. Die Daten für das Jahr 2018 hat Zwickaus Polizeipräsident Conny Stiehl am Montag vorgestellt. Die Polizeidirektion ist für den Landkreis Zwickau und den Vogtlandkreis zuständig.

Detaillierte Zahlen allein für Limbach-Oberfrohna oder Niederfrohna wurden nicht genannt. Allerdings hat die Polizei eine Übersicht vorgelegt, wie viele Straftaten in den einzelnen Kommunen im Verhältnis zur Einwohnerzahl registriert wurden. Diese sogenannte Häufigkeitszahl lag 2018 in Limbach-Oberfrohna niedriger als in Zwickau, Glauchau und Meerane. Noch sicherer ist das Leben, wenn man den Zahlen Glauben schenkt, hingegen in den ländlichen Kommunen Niederfrohna, Callenberg und Waldenburg. Im Vergleich zum Vorjahr sind dabei keine nennenswerten Veränderungen zu erkennen.


Wenn man den Landkreis Zwickau insgesamt nimmt, ist die Anzahl der registrierten Straftaten im Vergleich zum Vorjahr gestiegen - um 482 oder gut drei Prozent auf 15.506. Betrachtet man einen längeren Zeitraum, so stellt man fest, dass das Niveau trotz des Anstiegs vergleichsweise niedrig ist - von 2014 bis 2016 wurden pro Jahr noch mehr als 17.000 Straftaten registriert. Innerhalb des Landkreises gibt es große Unterschiede. So war die sogenannte Häufigkeitszahl 2018 in der Kreisstadt Zwickau etwa zehnmal so hoch wie in der - statistisch gesehen - sichersten Gemeinde im Landkreis, Oberwiera bei Waldenburg.

Grundsätzlich ist die Kriminalitätsstatistik kein ideales Mittel, um die tatsächliche Gefahrenlage in einem Ort abzubilden, weil viele Straftaten entweder gar nicht angezeigt werden oder weil Bürger mit ihnen überhaupt nicht in Berührung kommen (siehe Infokasten). Ziemlich genau ist die Statistik allerdings in den Bereichen Wohnungseinbrüche und Kfz-Diebstähle, weil fast alle dieser Fälle bei der Polizei angezeigt werden. Der Grund: Die Opfer brauchen den Nachweis für die Versicherung.

Auch Polizeipräsident Stiehl spricht von einer eingeschränkten Aussagefähigkeit der Zahlen, wenn es um Drogenkriminalität geht. 798 Fälle wurden im vergangenen Jahr bearbeitet, ein Anstieg um 210. "Hier gilt das Prinzip: Machst du viel, hast du viel", sagt Stiehl. Je mehr Polizisten darauf angesetzt werden, desto mehr Fälle ermittele man. 2018 habe man sich aber vor allem auf Händler- und Vertriebsstrukturen konzentriert und Netze entsprechend zerschlagen. Die Anzahl der Wohnungseinbrüche im Landkreis ist gegenüber 2017 leicht auf 187 gestiegen, war in den Vorjahren aber noch deutlich höher. Dagegen wurden mit 57 so wenige Kfz-Diebstähle angezeigt wie seit 2014 nicht mehr.

Im Bereich der Ausländerkriminalität spricht Stiehl von einem "Missverhältnis". Bei einem Bevölkerungsanteil von etwa fünf Prozent seien 20 Prozent nichtdeutsche Tatverdächtige "viel zu viel". Aber: "Für die Menge ist eine kleine Gruppe von Mehrfach- und Intensivtätern verantwortlich, die den ganzen Rest der Gruppe in Misskredit bringen." Laut Kripo-Leiter Holger Thierfelder würden Straftaten durch Zuwanderer deswegen besonders stark wahrgenommen, weil "sie zum Großteil in der Öffentlichkeit stattfinden". Die Hemmschwelle gegenüber der Polizei sei zudem "oft niedriger als bei unseren Haus-und-Hof-Ganoven".

Stolz ist Stiehl auf die Aufklärungsquote im Bereich der Polizeidirektion. Mit 62,8 Prozent (2017: 61,1Prozent) handelt es sich um die höchste in ganz Sachsen.


Was sich aus der polizeilichen Kriminalitätsstatistik ablesen lässt - und was nicht

Aufgenommen in die polizeiliche Kriminalitätsstatistik wird nur, was auch bei der Polizei angezeigt und bearbeitet wurde. Dunkelziffern - beispielsweise im Bereich der sexuellen Gewalt, wo bei weitem nicht jeder Vorfall angezeigt wird - sind darin nicht enthalten. Entsprechend überschaubar fallen die Zahlen zu Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung aus (179 Fälle im Landkreis Zwickau bei 128 ermittelten Tatverdächtigen, darunter 24 nichtdeutschen).

Auch fließen Straftaten in die Statistik ein, die beispielsweise innerhalb des Zwickauer Gefängnisses begangen wurden, mit denen Bürger folglich gar nicht in Berührung kommen. Dagegen sind sämtliche politischen Straftaten, die von der Staatsschutz-Abteilung der Polizei bearbeitet werden, in der Statistik nicht enthalten. Dazu gehören beispielsweise Angriffe auf Asylunterkünfte, Abgeordnetenbüros oder auch islamischer Extremismus.

Trügerisch ist die Angabe, wie viele Tatverdächtige ermittelt wurden, sowie die dazugehörige Aufklärungsquote. Beides suggeriert, dass die Fälle damit gelöst wären. Dabei ist allerdings jeweils unklar, wie häufig sich der Tatverdacht erhärtet hat, sprich wie viele Verfahren von der Staatsanwaltschaft eingestellt und wie viele Tatverdächtige vor Gericht tatsächlich verurteilt wurden. Ein entsprechend verknüpfter Datensatz existiert nicht. (ael)

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