Bräunsdorfer holt Vergessenes aus dem Ort ans Tageslicht

Ein Hobby-Schriftsteller hat sein zweites Buch veröffentlicht. Darin geht es um Kirchenglocken, die Feuerwehr und einen Verein, der sich um Beerdigungen kümmerte.

Bräunsdorf.

Knapp fünf Jahre ist es her, dass Hobbyautor Siegfried Frenzel sein erstes Buch publiziert hat. Der Bräunsdorfer widmete sich darin der Geschichte seines Heimatortes und verknüpfte sie mit Erzählungen. Die zwei Auflagen, die 2015 herausgebracht wurden, waren sofort vergriffen. "Die Leute wollten mehr", sagt Siegfried Frenzel. Zudem sei er darauf aufmerksam gemacht worden, dass wichtige Themen nicht oder nicht genügend angesprochen wurden. "Das beflügelte mich, ein zweites Buch zu schreiben", so der heute 83-Jährige.

Vier Jahre arbeitete Frenzel am zweiten Band von "Bräunsdorfer Geschichten und Geschichte". Täglich zog sich der Rentner dazu in sein Dachstübchen zurück, um zu recherchieren. Das tat er ganz klassisch: "Mit meinem Kopf und unzähligen Büchern. Internet habe ich keins." Auch der zweite Band ist in einer Art chronikalischer Erzählung aufgebaut, das heißt Daten und Fakten werden in Geschichten verpackt. Diese reichen dann schon mal über die Grenzen von Bräunsdorf hinaus, etwa wenn Frenzel auf die Gründung des Deutschen Reiches 1871 eingeht oder sich dem Örtchen Waldenburg als "blühender Stadt im 19. Jahrhundert" widmet.

Der Autor beginnt sein zweites Buch mit einem Kapitel über die Bräunsdorfer Glocken. "Sie wurden Kriegsopfer", sagt Siegfried Frenzel. Als kleiner Junge konnte er im Frühjahr 1942 dabei zusehen, wie die zwei größeren der drei Glocken abgebaut wurden. "Sie wurden eingeschmolzen, um Waffen zu bauen", so Frenzel. Nach dem Krieg seien vielerorts wieder große Glocken in die Kirchtürme gehängt worden. In Bräunsdorf läutet hingegen bis heute die kleine verbliebene Glocke und erinnert damit an die Kriegszeit, sagt Frenzel.

Ein weiterer Abschnitt des neuen Buches widmet sich alten Bräunsdorfer Vereinen, die im ersten Band zu kurz kamen. Recherchiert hat Frenzel zum Beispiel zum 1880 gegründeten Turnverein. Sein Großvater Otto Frenzel war als Jugendlicher dort zunächst Mitglied und mit 20 Jahren Vorsteher. 1933 wurde der Verein allerdings durch Nationalsozialisten enteignet, der Sport spielte lange keine Rolle im Ort. "Nach dem Krieg hatten wir auch keinen Sport in der Schule", erinnert sich Frenzel. Erst 1948 bildete sich wieder eine Sportgemeinschaft, die die Tradition in Bräunsdorf fortführte.

Wissenswertes berichtet Frenzel auch über den Bräunsdorfer Bestattungsverein. "Viele wissen gar nicht, dass es so etwas gab", sagt der Autor. Der Verein wurde 1912 von einem Pfarrer gegründet und diente dazu, die Verstorbenen würdig auf dem letzten Weg zu begleiten. Dem Verein gehörte ein Bestattungswagen, den bei Beerdigungen zwei Pferde zogen und der vom Kinderkirchenchor angeführt wurde. Bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges hat der Verein die Beerdigungen auf dem Friedhof in Bräunsdorf durchgeführt.

Gut 400 Seiten stark ist die zweite Auflage der "Bräunsdorfer Geschichten und Geschichte", die sich unter anderem noch mit der Historie einiger Gewerke, der Landwirtschaft, der Feuerwehr und der Heimatfeste beschäftigt. Eigentlich hätte Siegfried Frenzel noch genug Stoff, um ein drittes Buch zu schreiben, sagt er. "Aber das wird nichts mehr, ich bin zu alt. Außerdem hat mir meine Frau schon beim zweiten Band häufig die Rote Karte gezeigt, weil ich dafür so viel Zeit verwendet habe", erzählt er.

Siegfried Frenzel wurde 1936 in Bräunsdorf geboren und ist immer dort geblieben. Er arbeitete als Konstrukteur und besitzt mehrere Patente für Spezialnähmaschinen. Er wohnt in seinem Elternhaus, das früher einmal die Schule des Oberdorfes war. Neben seiner Liebe zur Schriftstellerei malt der zweifache Groß- und vierfache Urgroßvater gern. Die Wände seines Hauses zieren zahlreiche großflächige Bilder von Landschaften.

Das Buch "Bräunsdorfer Geschichten und Geschichte" ist im Rathaus in Bräunsdorf zu den Sprechzeiten des Ortsvorstehers (donnerstags von 15.30 bis 18.30 Uhr) erhältlich. Es kostet 12 Euro.

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