Broadway-Klassiker kommt auf die Küchwaldbühne

Das Musical "Anatevka" hat nächste Woche Premiere. Der Regisseur spielt zugleich die Hauptrolle - im eigenen Kostüm, das er bereits 1988 trug.

Schloßchemnitz.

Der Stoff ist alles andere als fröhlich und leichtfüßig, trotzdem oder gerade deswegen ist das Musical "Anatevka" zu einem der erfolgreichsten überhaupt geworden. 1964 am Broadway uraufgeführt, stellte es zahlreiche Rekorde auf und wurde in mehrere Sprachen übersetzt. Jetzt - 55 Jahre später - wird es auf der Küchwaldbühne gezeigt, inszeniert und einstudiert vom Verein, der die Bühne betreibt. Die Premiere ist am 24. August. Eine Vorstellung am 22. September, dem Jahrestag der Uraufführung, gilt als Gedenkveranstaltung.

Es sei die teuerste Inszenierung, die der Verein bisher gestemmt hat, sagt Vorsitzender Rolf Esche. Vor allem das Bühnenbild habe es in sich. Es zeigt einen Teil des Dorfes Anatevka im zaristischen Russland, um 1905. Der höchste Punkt ist sieben Meter hoch. In einem Dachfenster wird mehrmals ein Geiger zu sehen sein, der dem Stück seinen Untertitel gibt: "Der Fiedler auf dem Dach". Das Bühnenbild wurde vor allem aus Holz gebaut, von Jugendlichen und Meistern des Vereins zur Beruflichen Förderung und Ausbildung (VBFA). Es ist das fünfte Bühnenbild, das der VBFA geschaffen hat. Es sei so teuer gewesen, dass selbst die mitwirkenden Schauspieler spendeten, um das Projekt zu finanzieren. Viel hänge davon ab, dass die zehn Vorstellungen gut besucht sind und dass das Wetter mitspielt. Sollte Regen dafür sorgen, dass Vorstellungen abgesagt werden müssen, sind zwei Ausweichtermine geplant.

Regie führt Werner Haas, Künstlerischer Leiter der Küchwaldbühne. Neben Haas haben 64 Personen am Stück mitgewirkt, darunter 20Kinder. Haas' Frau Sylvia spielt Tevjes Frau Golde, aber auch Romy Buchmann ist mit der Rolle besetzt. Auch die fünf Töchter Tevjes sind doppelt besetzt. Die Choreografie kommt von Robin Martin, Chemnitzer Tänzer und Tanzpädagoge. Die ebenso wichtige Musik wird die Gruppe Ziganimo spielen.

Im Musical "Anatevka" geht es um eine Gemeinschaft polnischer Juden im zaristischen Russland. Die Familiengeschichte um den armen Milchmann Tevje spielt vor dem Hintergrund der historischen Pogrome dort. Am Ende des Musicals müssen alle Juden Anatevka binnen drei Tagen verlassen und wandern in die USA aus. Außerdem geht es um die Probleme, die Tevje mit seinen Töchtern hat, die sich einfach nicht nach der Tradition richten wollen. Statt ihnen vorgegebene jüdische Männer wollen sie ihren Herzen folgen und arme Männer, ja sogar einen Christen heiraten. Der Zuschauer erlebt, wie Tevje das Für und Wider abwägt und mit sich, der Tradition und seinem Gott ringt. Für Haas, ausgebildeter Sänger und Chorleiter, stand von Anfang an fest, dass er selbst den Tevje spielen wird. Denn schon mehrere Male schlüpfte er in die Rolle. Für die aktuelle Inszenierung kann er sogar sein Kostüm von 1988 tragen - er musste es nur etwas enger machen lassen. Ausgewählt habe er "Anatevka" als Reaktion auf den Antisemitismus und die Fremdenfeindlichkeit in der Stadt, sagte er bei einem Pressegespräch zum zehnjährigen Bestehen der Küchwaldbühne, das in diesem Jahr gefeiert wird. Der jüdische Verein "Werteinitiative" unterstützt die Chemnitzer Inszenierung. "So ist es gut, dass Chemnitz nach unschönen Schlagzeilen der letzten Monate nun auch auf diese Art positiv in Erscheinung tritt", heißt es in einem Schreiben des Vereins.

"Anatevka" feiert am 24. August um 17Uhr Premiere auf der Küchwaldbühne. Es folgen neun Termine bis Ende September. Karten gibt es in allen Shops der "Freien Presse" zum Preis von 14, ermäßigt 10 Euro.

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