CFC-Krise: Versorger Eins will Finanzgeschäfte übernehmen

Einer der Hauptsponsoren wird künftig deutlich an Einfluss im Verein gewinnen. Dies ist auch mit einer Personalie verbunden. Weitere Konsequenzen empfiehlt das Gutachten der Wirtschaftsprüfer.

Neben einem Millionen-Zuschuss aus der Stadtkasse soll ein Darlehen des Gas- und Stromversorgers Eins den Chemnitzer Fußballclub aus der wirtschaftlichen Not helfen. Die Rede ist von einem kreditähnlichen Vertrag in Höhe von 1,5Millionen Euro. Bedingungslos wird das Geld allerdings nicht fließen, erklärte das Unternehmen gestern auf Anfrage.

Zu den Forderungen zählt, dass Eins die kaufmännische Betriebsführung beim CFC übernimmt, "mit der wir Sorge tragen, dass die Finanzen auf solide Basis gestellt werden", sagte Roland Warner, Vorsitzender der Eins-Geschäftsführung. Damit übernimmt das Unternehmen die Kontrolle von Einnahmen und Ausgaben. Der Schritt ist offenbar Konsens zwischen den Beteiligten und Ergebnis eines Gespräches zwischen Vertretern des Clubs, des Versorgers und der Stadt. Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig wollte gestern auf Nachfrage die Entscheidung allerdings nicht bewerten. Des Weiteren, so Warner, ist geplant, dass der kaufmännische Geschäftsführer von Eins, Herbert Marquard, ein Mandat beim CFC übernimmt. Welchem Gremium er künftig angehört, ob Aufsichtsrat oder Vorstand, ließ das Unternehmen, das zu den fünf Hauptsponsoren des Clubs gehört, gestern offen.

Vorschläge, wie der Club aus seiner Liquiditätskrise kommen könnte, sind in einem Gutachten der vom CFC beauftragten Wirtschaftsprüfer gebündelt. Es ist vorgestern Abend Stadträten im Verwaltungs- und Finanzausschuss in interner Runde vorgestellt worden. Die Experten empfehlen unter anderem, auf einen Schuldenschnitt hinzuarbeiten: Mit Vertragspartnern sollten dahingehend Gespräche geführt werden, dass sie auf die Zahlung offener Forderungen verzichten. Zudem schlagen die Prüfer vor, mit Spielern nachzuverhandeln, was die Zahlung von Siegprämien betrifft. Der sportliche Erfolg des Drittligisten (vorläufiger Tabellenplatz 3 mit zwei Punkten Abstand zum Spitzenreiter) zieht höhere Prämien als in der Vergangenheit nach sich. Gesprächsbedarf sieht das Gutachten auch mit der vom CFC beauftragten Vermarktungsfirma. Ziel sei, dass der Club höhere Erträge aus Sponsoringverträgen erzielt. Ein weiterer Vorschlag im Gutachten lautet, sogenannte Genussscheine aufzulegen, eine Art Sparanlage für Jedermann: Es wird eine bestimmte Summe auf das Vereinskonto eingezahlt. Läuft es wirtschaftlich gut, wird eine Art Zins ausgezahlt. Andernfalls bleibt der Bonus aus. Die Stadträte reagierten mit Zurückhaltung auf das Konzept. Es zeige viele Chancen, aber nicht die Risiken auf, hieß es.

Erwin Trageser, stellvertretender Vorsitzender des Aufsichtsrates, äußerte sich gestern nicht zu dem Gutachten, weil er es noch nicht kenne. Geschäftsführer Dirk Kall verwies darauf, dass das Ergebnis der Wirtschaftsprüfung Voraussetzung und Bestandteil eines Sanierungskonzeptes sei. Dieses wiederum werde bis Ende nächster Woche fertiggestellt - rechtzeitig vor der Mitgliederversammlung am darauffolgenden Montag. Wegen des erwarteten hohen Interesses wurde sie in die Messe verlegt. Am 16. Dezember entscheidet der Stadtrat, ob aus der Stadtkasse 1,26 Millionen Euro fließen - jene Summe, die nach der Kündigung des Erbbaurechtsvertrages für das Stadionareal dem Verein zugestanden hätte, aus politischen Gründen aber auf Eis gelegt wurde.

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