Coronakrise: Jugendamt vermeidet Hausbesuche

Behörde berät Familien nur telefonisch - Expertin sieht erhöhten Bedarf

Zwickau.

Die Coronapandemie verlangt den Familien im Landkreis Zwickau jede Menge ab. Auch wenn die Kindertagesstätten und die Schulen mittlerweile zum Betrieb abseits der Notbetreuung zurückgekehrt sind. Das Jugendamt des Kreises hat hingegen seinen Regelbetrieb noch nicht wieder aufgenommen. "Aktuell erfolgen aufgrund der Coronapandemie keine persönlichen Hausbesuche", sagt Ines Bettge von der Pressestelle des Landkreises auf Anfrage der "Freien Presse".

Ganz alleingelassen seien die Familien aber trotz der Einschränkungen nicht. "Nach der Geburt eines Kindes erhalten die Eltern die Informationen über das Familien-Begleitheft und die Möglichkeit der Unterstützung durch die Mitarbeiterinnen der Familienbegleitung. Es gibt auch noch den Hinweis auf die telefonischen Beratungen", so Bettge.

Noch sei es laut der Sprecherin nicht zu einer vermehrten Inanspruchnahme von Hilfen des Jugendamtes gekommen. Einen erhöhten Bedarf hingegen sieht Katja Poley, Leiterin der sozialpädagogischen Familienhilfe der Stadtmission Zwickau. "Das Konfliktpotenzial in den Familien ist in den vergangenen Monaten gewachsen. Da wollten wir die Familien unterstützen", sagt sie. Viele Familien haben sich nach ihren Erfahrungen bei der Beratungsstelle gemeldet, um sich zur aktuellen Situation zu informieren.

Um den Alltag zu entspannen, stellte die Beratungsstelle Materia-lien zum Basteln und Malen zur Verfügung, auch eine Spielebörse wurde eingerichtet. "Das Geld dafür kam aus der Postcode-Lotterie und wurde dem Bundesverband der Evangelischen Stadtmissionen übergeben", erklärt Katja Poley. Davon, so erzählt sie weiter, konnten auch Tablets für die Beratungsstelle angeschafft werden. Diese wurden genutzt, um über Videotelefonie den Kontakt zu den Familien zu halten.

Die verschiedenen Beratungsstellen für Familien im Landkreis Zwickau bleiben auch jetzt ein wichtiger Ansprechpartner, obwohl die Kitas und Schulen Kinder betreuen, wie Poley erklärt. "Wir können mittlerweile auch selbst wieder verstärkt Hausbesuche unter Hygienemaßnahmen machen. Vorher waren wie beim Jugendamt vor allem telefonische Beratungen und vereinzelt auch Treffen im Freien möglich", so die Beratungsstellenleiterin.

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