Das Kiox als Sehnsuchtsort und Plattenladen mit kaputter Kasse

Klamotten und Tonträger wurden in dem Geschäft auf dem Sonnenberg verkauft. Der Sänger von Kraftklub, Felix Kummer, lässt den Laden seines Vaters an diesem Wochenende wiederauferstehen.

Chemnitz.

Wenn der Name Kiox fällt, geraten einige Chemnitzer ins Schwärmen und schwelgen in Erinnerungen. Auch der Chemnitzer Rapper Felix Kummer, Kopf der Band Kraftklub, hat wohl gute Erinnerungen daran, denn am heutigen Freitag eröffnet er nur für dieses Wochenende einen Laden, in dem er sein erstes Soloalbum verkauft - und nur das. Dafür leiht er sich den Namen Kiox aus. Der Laden auf Zeit heißt so, und das Album auch. Seine persönliche Beziehung zu dem Geschäft wird schnell klar, denn sein Vater Jan Kummer hat es kurz nach der Wende aufgemacht.

Durch Felix Kummer ist der Name Kiox wieder in aller Munde, nicht nur in Chemnitz. Dafür gesorgt hat auch der Rapper Trettmann, der ebenfalls aus Karl-Marx-Stadt kommt und ebenfalls gerade ein neues Album rausgebracht hat. Damit war er vergangenen Freitag in Jan Böhmermanns "Neo Magazin Royal" im ZDF zu Gast. Und dort erzählte der 46-Jährige, dass er selbst im Kiox gearbeitet hat. "Felix kam immer mit seinem jüngeren Bruder Till in den Laden", sagte Trettmann. Manchmal habe er auch auf die beiden aufpassen müssen. "Naja, dann habe ich den Fernseher angemacht", verriet der Künstler.

Der Startpunkt für Kiox war eine Erdgeschosswohnung in der Zietenstraße. Es muss wohl 1991 gewesen sein, als es dort losging mit dem Verkauf von Schallplatten. "Das war ein typisches Produkt der Nachwendezeit, wo man nicht wusste, wie man bestehen kann", sagt Jan Kummer heute zurückblickend. "Ich dachte naiverweise nach der Wende, Einzelhändler geht so nebenher." Auch wenn die neue Tätigkeit schwieriger war als gedacht, blieb Kummer mehrere Jahre dabei. Mitte der 1990er-Jahre - wann genau, weiß selbst er nicht mehr genau - zog Kiox an die Fürstenstraße, in eine ehemalige Druckerei. Gemeinsam mit seinem Geschäftspartner Volker Schmidt baute er die Räume dort aus. Auf drei Etagen wurden Secondhand-Klamotten, Neuware, Schallplatten und CDs verkauft. Bei den Platten "gab es alles, nur keine Schlager", sagt Kummer. So ziemlich jede Musikrichtung muss vertreten gewesen sein. "Es war wie ein kleines Kaufhaus", so Kummer.

Woran sich heute noch viele erinnern, ist eine golden angesprühte, elektrische Kasse. "Sie ging nur einen Tag, dann stieg Rauch auf", erinnert sich Kummer. Da man eigentlich nur die Geldschublade gebraucht habe, lag ab sofort ein Schraubenzieher neben dem Gerät, mit dem es fortan bei jedem Bezahlvorgang aufgestemmt wurde.

Welche Bedeutung Kiox hatte, verdeutlicht Robert Schuster, der sich einen Namen als Hip-Hop-DJ gemacht hat und am Sonntag gemeinsam mit anderen im Kiox auf Zeit auflegen wird. "Kiox war sehr wichtig für Chemnitzer DJs", sagt er. Denn bis 1997 mit Underworld-Records ein zweiter Plattenladen aufmachte, sei Kiox die einzige Möglichkeit gewesen, an Schallplatten zu kommen. Er habe bei Jan Kummer eine seiner ersten Platten überhaupt bestellt, als der Laden noch an der Zietenstraße war. "Ungefähr vier Wochen später erhielt ich in Flöha eine Ansichtskarte von Jan, dass meine Platte da sei", beschreibt DJ Shusta, der dann später selbst bei Underworld arbeitete. In den 1990er-Jahren trafen sich mittwochs ab 16 Uhr die Chemnitzer Hip-Hop-DJs im Kiox, weil dann die neue Lieferung kam. Man hörte sich durch die neuesten Scheiben, klönte und trank Kaffee. "Oft sind wir, zu Jans Ärger, bis 21 Uhr geblieben, um dann von dort aus direkt in den Fuchsbau zu gehen", erinnert sich der Chemnitzer.

Jan Kummer stieg 1999 aus dem Geschäft aus, das aber noch bis 2005 an der Fürstenstraße blieb. Er habe sich lieber auf seine Kunst konzentrieren und etwas Neues machen wollen, sagt er heute. Das Neue war das Atomino, der Klub, der 1999 eröffnete und in dem er als Booker angestellt war. Mit der Kunst klappte es auch, denn im Frühjahr 2000 eröffnete er seine erste Einzelausstellung in Chemnitz. Ein Fehler sei das Kiox aber auf keinen Fall gewesen, sagt Kummer, "es kann sich heute noch gut sehen lassen". Ihm sei klargeworden, dass es nicht nur seine Sache gewesen sei, sondern dass es "den Leuten was gebracht hat, die erinnern sich heute noch dran".

Übrigens gibt es das Kiox noch. 2005 übernahm Thomas Gelbke, der dort gearbeitet hatte, das Geschäft von Volker Schmidt und zog damit an die Straße der Nationen. Geblieben sind aber nur Name und Logo. Gelbke verkauft heute neuwertige Klamotten, aber keine Schallplatten mehr.

Special: Kiox-Eröffnung in Chemnitz

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