Das Minischwein-Drama: Liebe, Nachwuchs und ein Todesfall

Der in Wolkenburg aufgefundene Eber darf dauerhaft bei seiner Pflegefamilie in Pleißa bleiben. Um ihn herum tummeln sich nun vier Ferkel - ein anderes Tier fehlt jedoch.

Pleissa.

Es wäre keine Überraschung, wenn das Leben von Minischwein Rudi aus Limbach-Oberfrohna bald verfilmt wird. Sein Schicksal hat alles, was eine gute Geschichte braucht: einen mysteriösen Vorfall, eine glückliche Wendung, viel Gefühl, einen Schicksalsschlag und schließlich ein Happy End.

Aber der Reihe nach: Das inzwischen prominente Tier wurde Ende Oktober vergangenen Jahres von Anwohnern der Neuen Heimat in Wolkenburg auf freiem Gelände gefunden. Die Stadtverwaltung Limbach-Oberfrohna wandte sich an die Öffentlichkeit, um den Halter ausfindig zu machen - doch es meldete sich niemand. So wurde der durch und durch schwarze Eber zunächst in der Quarantäne-Station des Tierparks untergebracht. Dort musste Rudi allerdings allein sein Dasein fristen. Da Schweine Rudeltiere sind, suchte die Stadt nach einer "Pflegefamilie". Anfang Dezember wurden sie bei Familie Penderok in Pleißa fündig.

Rudi durfte fortan die Begleitung von zwei Minischwein-Damen genießen: Die vierjährige Chica und die achtjährige Lotte wurden zu seinen Kameradinnen. "Rudi versteht sich mit beiden gut", sagte Nils Penderok damals. Der Tierfreund wollte durch getrennte Haltung zunächst noch verhindern, dass der Mini-Eber eine der beiden Sauen deckt. Wenig später überlegte er es sich anders, Chica und Rudi durften ihren Gefühlen freien Lauf lassen. Die beiden zögerten nicht lange. Nach knapp vier Monaten Tragezeit kamen am 1.April vier Mini-Ferkel zur Welt.

Für Chica war es der erste Wurf. "Sie hat die Geburt gut gemeistert", berichtet Nils Penderoks Tochter Selina (17), die sich um die Minischweine kümmert. Nun tummeln sich die putzmunteren Ferkel im Stall, wühlen mit der Schnauze im Stroh, beschnüffeln neugierig jeden Besucher und kuscheln sich anschließend aneinander. Zwei der vier Geschwister kommen mit ihren unterschiedlichen Brauntönen, die an Frischlinge erinnern, ganz nach ihrer Mutter Chica. Beim dritten haben sich die schwarzen Borsten von Vater Rudi durchgesetzt, das vierte weist rosafarbene Einsprengsel auf. Rudi beobachtet das muntere Treiben interessiert - allerdings vom Nachbargehege aus. "Es wäre zu gefährlich, ihn zu den Ferkeln zu lassen", erklärt Selina Penderok. Nicht ausgeschlossen, dass der Mini-Eber seinem Nachwuchs etwas antun würde.

Zwei Wochen nach der Geburt dann der Schock: Mutter Chica starb an einer Lungenentzündung. "Vielleicht war sie von der Geburt noch geschwächt. Das hat mich sehr mitgenommen", sagt Selina Penderok. Sie und ihre Familie zogen die Ferkel daraufhin per Hand auf und gaben ihnen die Flasche. Dem Nachwuchs schmeckte die Milch offenbar, er entwickelt sich prächtig. Inzwischen sind die Geschwister - drei Säue und ein Eber - aus dem Gröbsten raus. "Sie können schon weiches Obst essen", sagt Selina.

Fest steht für die Penderoks, dass mindestens zwei aus dem Quartett, die auf die Namen Frieda und Rosalie getauft wurden, auf dem Anwesen der Familie in Pleißa bleiben dürfen. Was aus Bruder Fred und dem vierten, noch namenlosen Ferkel wird, ist bislang offen. Geklärt ist hingegen der Verbleib von Vater Rudi: Thilo Schwarm, Fachbereichsleiter für Ordnungsangelegenheiten im Rathaus, übergab den Eber gestern offiziell an die Penderoks. Denn die Frist von sechs Monaten, binnen der sich Rudis Halter bei der Stadt hätte melden können, ist abgelaufen. Die neuen Eigentümer, die das Fundtier schnell in ihr Herz geschlossen haben, freuen sich darüber. Und Rudi selbst bestimmt ebenfalls - kann er doch so seine Kinder aufwachsen sehen.

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