Das Stadtfest Chemnitz und sein Torten-Geheimnis

Weil Chemnitz 875 Jahre alt wird, hat es zur Eröffnung der Stadtfete nicht nur Freibier, sondern auch etwas für Leckermäuler gegeben. Doch die wurden vorher lange auf die Folter gespannt.

Chemnitz.

Eigentlich soll die städtische Wirtschaftsfördergesellschaft CWE ja für Chemnitz werben, gerade im Jahr der 875-Jahr-Feier und erst recht vor dem Stadtfest, das sie selbst organisiert hat. Doch ausgerechnet zu dem Programmpunkt, der besonders viele Schaulustige auf den Markt locken sollte, hielten sich die Veranstalter bedeckt, als gehe es um ein Geheimnis mit höchstem Sicherheitsgrad.

Dass zur Stadtfesteröffnung wieder ein Fass Freiberger Freibier angestochen wird, hat sich längst herumgesprochen in Chemnitz. Aber "Anschnitt der Geburtstagstorte" - das gibt es nicht alle Jahre. Doch mehr als diese drei Worte im Programm und die Information, dass Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig das Messer führen wird, war den Verantwortlichen zu dem Thema nicht zu entlocken. Weder zur Größe noch zum Aussehen, den Zutaten und vor allem nicht zum Herkunftsbetrieb der zu erwartenden Schlemmerei gaben CWE oder Stadtverwaltung trotz mehrerer Anfragen Auskunft.

Auch von Bäckern und Konditoren in Chemnitz und dem Erzgebirge, die für hochgelobte Torten-Kreationen zu besonderen Anlässen bekannt sind, war nichts zu dem Jubiläums-Naschwerk zu erfahren. Einige von ihnen machten sich aber Sorgen, wie ein solches Kunstobjekt bei Sommerhitze unbeschadet auf den Markt kommen sollte.

Letzteres klärte sich am Freitagabend als erstes auf. An einem Kühl-Lastwagen standen dort kurz vor der angekündigten Stadtfest-Eröffnungszeit Frauen und Männer in Shirts und Schürzen mit dem Logo von Schäfers Backstube in Rabenstein. Ja, im Lkw sei die Torte, bestätigten sie, aber zeigen dürften sie diese noch nicht. "Ich weiß auch noch nicht, wie sie aussieht", hatte die kurz darauf eintreffende Oberbürgermeisterin Verständnis für das Versteckspiel.

Dann endlich, nachdem der Kühl-Laster noch einmal umrangiert und das Bierfass angestochen waren, wurde das Geheimnis gelüftet. Eher technisch-sachlich sah die 1,86 mal 1,26 Meter große Torte mit den blauen Ziffern und Buchstaben auf gelbem Grund aus (siehe Titelseite) - wie das Logo zur 875-Jahr-Feier eben. "Das Design hat mir die CWE vorgegeben", erklärte Bäckermeister Dirk Schäfer. Dafür durfte er beim Innenleben des rund 120 Kilogramm schweren Backwerkes mit Mürbeteigboden, Schoko- und Erdbeersahne zwischen Biskuitschichten in die Vollen gehen. 50 Kilo Sahne, 300 Eier, sechs Kilo Butter und acht Kilo Zucker steckten in der Torte, die fünf Bäcker seit Donnerstag gebacken hatten. "Am schwierigsten war es, die insgesamt 15 Kilogramm Rollfondant für die Zuckerglasur auszurollen", so der Bäckermeister. Vier starke Männer hoben die Torte vorsichtig aus dem Kühllaster auf mehrere Biertische, damit Barbara Ludwig sie anschneiden konnte. Aus dem ursprünglichen Plan, genau 875 Stücke an Besucher zu verteilen, wurde aber wegen des Andrangs nichts. Sie hat übrigens viel weniger süß geschmeckt, als sie aussah, sondern angenehm fruchtig und leicht schokoladig.

Polizei überwacht Festgeschehen auch mit Kameras

Mit verstärkten Kräften ist die Polizei nach eigener Aussage zum Stadtfest im Einsatz. Grund dafür sind offenbar die Auseinandersetzungen, zu denen es im Vorjahr an der Brückenstraße gekommen war. Wie die Pressestelle der Polizeidirektion mitteilte, werden Chemnitzer Beamte diesmal von der sächsischen Bereitschaftspolizei unterstützt. Einsatzschwerpunkte seien die Abend- und Nachtstunden. Dabei arbeite die Polizei eng mit dem Veranstalter und dessen Sicherheitsdienst zusammen. Zur Beobachtung der Lage würden Übersichtsbilder von der Brückenstraße und Straße der Nationen in den Führungsstab der Polizeidirektion übertragen, aber nicht gespeichert. Zusätzlich zu den Einsatzkräften im Festgebiet stehen am Samstag von 10 bis 1 Uhr und am Sonntag von 10 bis 20 Uhr Beamte einer mobilen Polizeiwache im Innenhof hinter dem Karl-Marx-Monument als Ansprechpartner bereit. (fp)

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