Der Retter der Erdkröten

Die Amphibien gehen derzeit auf Wanderschaft. Damit sie dabei nicht überfahren werden, gibt es Zäune - und Menschen wie einen Naturschützer aus Meinsdorf, der zweimal täglich zu Hilfe eilt.

Meinsdorf.

Sobald die Temperaturen fünf Grad Celsius überschreiten und die ersten Regentropfen auf den Boden trommeln, ist das ein Signal für die Erdkröte: Nun ist es Zeit, für Nachwuchs zu sorgen. Die Amphibie macht sich auf den Weg zu ihrem Laichgewässer. Dabei begibt sich der Froschlurch in höchste Gefahr. Zahlreiche Straßen kreuzen seinen Weg. Dort gerät er oft unter die Räder. Das große Problem der Erdkröten: Sie hüpfen nicht, sondern kriechen, kommen nur langsam voran und verharren im Licht der Scheinwerfer.

Den massenhaften Krötentod will Thomas Polster unbedingt verhindern. "Ich war schockiert, wie viele Erdkröten den Gang über die Straße nicht überlebten", sagt der Meinsdorfer. Seit 2012 fühlt sich der Naturschützer aus Leidenschaft den Tieren gegenüber in der Pflicht. Rund 250 Meter Krötenzaun stellt die Untere Naturschutzbehörde für die Straße zwischen Meinsdorf und Langenberg zur Verfügung. Ein Stück befindet sich gegenüber der Kläranlage, ein anderes weiter unten.


Zweimal am Tag kontrolliert Thomas Polster den Zaun, bringt die Tiere auf die andere Straßenseite. Zehn bis zwölf Eimer sind hinter dem Zaun eingegraben. "Wenn die erste Kröte hineingefallen ist, lockt das weitere an. Das macht die Sache relativ einfach. Andere finde ich direkt am Zaun", sagt er. Zwischen 6.30 und 7 Uhr sowie abends nach 21 Uhr macht er sich auf den Weg. "Die Amphibien sind vor allem in der Dämmerung aktiv. Man kann sie ja nicht den ganzen Tag über in der Sonne in den Eimern lassen", begründet er seine Morgentour.

Die Krötenwanderung zieht sich über Wochen hin. Welche Tiere Thomas Polster einsammelt, registriert er genau und meldet es der Unteren Naturschutzbehörde. Im vergangenen Jahr konnte er 565 Tieren helfen. "In diesem Jahr habe ich schon mehr als 280 Tiere gezählt", sagt er. Der Naturschützer findet übrigens nicht nur Erdkröten. "Ich habe auch schon Knoblauchkröten, Grasfrösche und zwei Kammmolche gefunden."

Autofahrer sollten vom Gaspedal gehen und in der Dämmerung auf Kröten achten. Beispielsweise haben in den vergangenen Tagen auf der B180 bei Oberwiera, bei Callenberg und in Gersdorf etliche Kröten ihr Leben gelassen. Dabei wird es nicht bleiben.

Thomas Polster hilft den Kröten, "damit die Tiere im Laichgewässer ihre Aufgabe erfüllen können", wie er sagt. Die besteht für die größeren Weibchen darin, Laichschnüre abzusetzen, die aus 3000 bis 6000 Eiern bestehen. Danach kehren sie als Einzelgänger wieder zurück. "Die ersten machen sich schon Ende April wieder auf den Weg", erklärt der Krötenfan. Weil dann die Tage immer länger werden, setzen sie sich viel später in Bewegung. Damit steige ihre Chance, den erneuten Gang über die Straße unbeschadet zu überstehen.

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