Diskussion um Nutzung des Schulhofes in Niederfrohna

Das Gelände ist eingezäunt. Kinder dürfen dort nachmittags nicht Fußball spielen oder Rad fahren. Einwohner kritisieren deshalb das Rathaus.

Niederfrohna.

Es kommt nicht oft vor, dass Einwohner an den Gemeinderatssitzungen in Niederfrohna Interesse zeigen. Und noch seltener wird in der Bürgerfragestunde Kritik geübt. Die jüngste Sitzung bildete allerdings eine Ausnahme. Manfred Beer und Eberhard Ring machten ihrem Ärger über mehrere Sachverhalte Luft, die aus ihrer Sicht im Ort verbesserungswürdig sind. Einer ihrer Kritikpunkte: der Zaun, der das Gelände der Grundschule umgibt und die Öffentlichkeit aussperrt.

"Viele Familien haben den Schulhof genutzt, im ihren Kindern dort das Radfahren beizubringen", sagte Beer. Das Gelände eigne sich ideal, weil dort zum Zwecke der Verkehrserziehung der Grundschüler Mini-Straßen eingezeichnet sind. Auch zum Bolzen seien Kinder gern auf den Schulhof gekommen. "Wo kann man denn heute noch Fußball spielen?", fragte Beer in die Runde. Kinder würden gezwungen, einem Sportverein beizutreten oder zum Kicken in einen anderen Ort zu fahren. Er sehe die Sache genauso, sagte Ring. Auch viele andere Bürger seien mit der Einzäunung des Schulhofes nicht einverstanden, betonte Beer.


Bürgermeister Klaus Kertzscher antwortete während der Sitzung nur mit wenigen Worten. Er halte es nicht für abwegig, dass Kinder, die Fußball spielen wollen, einem Verein beitreten. "Das ist anderswo auch so", erklärte Kertzscher. Der Schulhof sei aus Sicherheitsgründen eingezäunt worden.

Dies geschah nach längerer Diskussion bereits 2016, wie der stellvertretende Bürgermeister Jens Hinkelmann auf Nachfrage ergänzt. Die Entscheidung wurde aus mehreren Gründen getroffen. Erstens gehe es darum, Schäden am Schulgebäude und der Turnhalle vorzubeugen, so Hinkelmann. "Der Schulhof ist als Bolzplatz nicht geeignet. Wenn auf dem Schulhof gekickt wird, kann leicht eine Fensterscheibe kaputtgehen", erläutert Hinkelmann. Zweitens sollen mit dem Zaun Unfälle auf der Schulstraße vermieden werden. Sie ist zwar verkehrsberuhigt, aber es könne trotzdem zu Unfällen kommen, wenn Schüler unvermittelt vom Schulhof auf die Fahrbahn laufen, sagt der Vize-Bürgermeister.

Ein dritter Grund ist aus der Schule selbst zu vernehmen: Bevor der Zaun errichtet wurde, hätten sich Jugendliche am Wochenende zum Trinken und Feiern auf dem Schulhof getroffen, heißt es. Als Folge hätten am Montag vor Schulbeginn regelmäßig zersplitterte Bierflaschen und Pizzakartons beseitigt werden müssen. Mit dem Bau des Zauns habe sich die Situation gebessert.

In Limbach-Oberfrohna sind einige Schulhöfe wie jener der Gerhart-Hauptmann-Schule öffentlich zugänglich, andere, wie die der Goethe-Grundschule, nicht. Eine Richtlinie gebe es dazu nicht, die jeweiligen Situationen seien historisch gewachsen, erklärt die Stadtverwaltung auf Anfrage. Auch sachsenweit existiert keine allgemeine Regelung. Ob ein Schulhof auch am Nachmittag genutzt werden kann oder nicht, sei Sache des Schulträgers, teilt das Kultusministerium mit.

Maik Kästner vom Vorstand des SV Niederfrohna bestätigt, dass es im Ort keinen klassischen Bolzplatz gibt. Zwar kicken nach seinen Angaben manchmal Kinder und Jugendliche auf dem Gelände des Sportvereins, da dieses nicht eingezäunt ist. "Das wird aber nicht gern gesehen", sagt Kästner. Es gehe um rechtliche Fragen. Wenn ein Unfall passiere, könne der Verein verantwortlich gemacht werden. Man habe aber erkannt, dass offenbar Angebote für Kinder fehlen, die Fußball spielen wollen, so der Schatzmeister. Deshalb wolle der gerade neu gewählte Vorstand die Nachwuchsarbeit intensivieren. Dass sich jemand die Mitgliedschaft im Verein nicht leisten kann, glaubt Kästner nicht: Ihm zufolge kostet sie für Kinder 3,50Euro im Monat.


Kommentar: Kritik ernst nehmen

Wenn Jugendliche einen Schulhof zum Trinken und Feiern missbrauchen und Grundschüler nach dem Wochenende Glasscherben und Pizzakartons vorfinden, muss der Schulträger handeln. Insofern ist es nachvollziehbar, dass die Gemeinde einen Zaun hat bauen lassen.

Trotzdem sollten der Bürgermeister und die Gemeinderäte die Kritik der Einwohner nicht sofort abschmettern. Es ist keine neue Erkenntnis, dass die Anzahl der Bolzplätze in Deutschland abnimmt. Nicht nur Fußballtrainer beklagen, dass die Gelegenheit zum täglichen Kicken kaum noch besteht. Wenn Sportwissenschaftler feststellen, dass die motorischen Fähigkeiten von Kindern schlechter entwickelt sind als noch vor Jahren, hat das vermutlich viele Ursachen - fehlende Bolzplätze könnten eine davon sein.

Bürgermeister und Gemeinderäte sollten also scharf nachdenken, wie sie ungezwungene Gelegenheiten zum Fußballspielen ermöglichen können. Denn nicht jeder, der gern kickt, möchte gleich einem Verein beitreten. Und nicht wenige, die bereits unter Anleitung trainieren, wollen auch außerhalb dieser Zeiten dem Ball nachjagen.

Bewertung des Artikels: Ø 5 Sterne bei 1 Bewertung
1Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 1
    1
    Pixelghost
    08.06.2019

    „kann leicht eine Fensterscheibe kaputtgehen...“

    Ein Profi-Fußballer brauchte, bei mit bis 104 km/h schnellen Bällen 10 Versuche, bis er eine nach heutigen Standards gebaute Fensterscheibe durch hatte.
    Kam erst vergangene Woche in einer Wissenschaft-Sendung bei Discovery.

    Und welches Kind erreicht 104 km/h? Das schaffen sogar viele Erwachsene nicht.



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