Energisches Lebenszeichen der Königin der Künste

Im Museum Gunzenhauser wird eine Ausstellung mit junger Malerei aus Deutschland eröffnet. Eine sehenswerte und schon jetzt überregional stark beachtete Premiere - in mehrfacher Hinsicht.

Seit der Erfindung der Fotografie ist die Malerei schon oft totgesagt worden - Mitkuratorin Anja Richter erinnerte nicht ohne Grund an die Grabgesänge auf das Tafelbild, als sie der Presse die einzigartige neue Ausstellung im Museum Gunzenhauser vorstellte, die am heutigen Freitagabend eröffnet wird. Denn "Jetzt! Junge Malerei in Deutschland" ist ein energisches Lebenszeichen der Königsdisziplin der Künste.

Und es ist eine Premiere in mehrfacher Hinsicht. Frédéric Bußmann, Generaldirektor der Kunstsammlungen, verwies darauf, dass erstmals drei Museen gemeinsam und sehr freundschaftlich-kollegial eine solche Ausstellung organisieren. Die Idee kam aus dem Kunstmuseum Bonn und dem Museum Wiesbaden, die aber begeistert dem Wunsch des Chemnitzer Museums Gunzenhauser entsprachen, als Einrichtung in Ostdeutschland an der Ausstellung mitzuwirken, die sich ausschließlich dem auf die Fläche beschränkten Bild widmet.


Ein aufwendiges Unterfangen: Zwei Jahre lang besuchten sieben Kuratoren aus allen beteiligten Museen mehr als 150 zwischen 1978 und 1988 geborene Malerinnen und Maler, befragten Kunstakademien, Professoren und Kritiker, um herauszufinden, welche der jungen Künstler heute "aktiv, interessant und relevant" sind, so Bußmann. Zeitweilig hätten sich die Kuratoren "die Köpfe eingehauen", aber insgesamt "doch relativ friedlich", sagte er, wählten sie Positionen von 53Künstlern aus, die nun gleichzeitig in den drei Museen zu sehen sind. Jede und jeder der Ausgewählten hat für die Ausstellung neue Bilder geschaffen, sodass fast ausschließlich ganz aktuelle Werke zu sehen sind, teilweise sogar frisch an die Wände der Museen gemalt.

Dafür wurde mit Zustimmung der gleichnamigen Stiftung erstmalig das gesamte Museum Gunzenhauser freigeräumt, und Anja Richter hat den etwa 170 Werken über vier Etagen hinweg einen spannenden Rhythmus von Abstraktion gegeben. Für sie beweise die Ausstellung, dass Malerei nach wie vor ein "Kommunikationsraum und eine Quelle neuer Ideen" sei. Zwar habe sich die Malerei in den vergangenen Jahrzehnten verändert, beharre nicht störrisch auf einmal erreichten Positionen, aber gerade deshalb sei die Malerei "quicklebendig".

Die Ausstellung vereinigt Kunst, die sich kritisch hinterfragt, die versucht, das Wesen des Bildes selbst, Oberflächen und Formate zu erkunden. Sie setzt sich mit der Vergangenheit auseinander - sowohl mit der gesellschaftlichen als auch mit der Kunstgeschichte, Stilen und Motiven. Sie ist nicht unbeeinflusst von neuen Medien, von Popkultur und Musik, baut Brücken und sprengt Grenzen. Anja Richter: "Wir behaupten nicht, dass diese Bilder die besten sind, die gegenwärtig entstehen, aber sie sind exemplarisch für die aktuelle Malerei".

Eine Diskussion über die Anzahl der ost- und westdeutschen Teilnehmer habe es übrigens nicht gegeben, so Frédéric Bußmann, wohl aber über weibliche und männliche - die nun tatsächlich fast paritätisch in der Ausstellung vertreten sind. Es seien Absolventen aller Kunstakademien unter den Ausstellenden und nach der Auswahl "gab es auch beleidigte Gesichter", so Bußmann. Chemnitzer Maler oder Malerinnen haben es übrigens nicht in die Ausstellung geschafft. Zur Eröffnung werden fast alle ausstellenden Künstler anwesend sein.

Die Resonanz auf das besondere Ausstellungsprojekt ist schon vor der Eröffnung groß. Es war Titelmotiv des renommierten Kunstmagazins "Art" und der Zeitschrift "Monopol" und sie wird schon jetzt auch in Hamburg beworben, wo sie im kommenden Jahr in den Deichtorhallen zu sehen sein wird. Auch dies ist eine Auszeichnung für ein bislang einmaliges Projekt.

Die Ausstellung wird am heutigen Freitag um 19 Uhr im Museum Gunzenhauser, Stollberger Straße 2, eröffnet. Zur Einführung sprechen Frédéric Bußmann, Generaldirektor der Kunstsammlungen Chemnitz, und Kuratorin Anja Richter. Die Musik kommt vom Duo Kinkyoo. Die Ausstellung, zu der auch ein Katalog erschien, ist bis 19. Januar 2020 zu sehen. Das Museum ist dienstags bis sonntags von 11 bis 18 Uhr und mittwochs von 14 bis 21Uhr geöffnet.

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...