Genossenschaft stößt mit Neubau-Plänen auf Widerstand

Wohneigentum verdrängt langjährige Mitglieder: Ein Anwohner macht gegen ein Vorhaben der WG Einheit mobil - mit erstem Erfolg.

Altchemnitz.

Für Anwohner Kai Hähner ist die Sache klar: So etwas wird es deutschlandweit wohl kein zweites Mal geben. Eine Wohnungsgenossenschaft gibt zwei nahezu voll vermietete Wohnhäuser mit überwiegend älteren Bewohnern auf, um diese abreißen zu lassen und an deren Stelle Neubauten mit Eigentumswohnungen zu errichten. So jedenfalls versteht Hähner die Pläne der Wohnungsgenossenschaft "Einheit" an der Scharfensteiner Straße im Comeniusgebiet, über die die "Freie Presse" in dieser Woche berichtet hat.

Hähner ist einer der betroffenen Bewohner, die ihre Wohnungen für das Vorhaben aufgeben müssen. Und einer der wenigen, die überhaupt noch da sind, wie er sagt. "Viele sind bereits ausgezogen, nachdem die ersten Gerüchte im Umlauf waren und wenig später bestätigt wurden", erzählt er. Das sei vor etwa einem Jahr gewesen. Im Sommer habe die Genossenschaft ihre Pläne dann konkretisiert. "Von einem Umbau der Häuser, von dem zunächst die Rede war, hat da schon niemand mehr gesprochen." Das Vorgehen der WG Einheit findet Hähner mehr als fragwürdig. "So geht man nicht mit langjährigen Mitgliedern um", sagt er. "Und mit dem genossenschaftlichen Grundgedanken hat das auch nichts mehr zu tun."

dernisierung und auch Umbau zukunftsfähige Wohngebäude mit möglichst ebenerdigem Zugang, Aufzug und zeitgemäßen Grundrissen zu schaffen, um auch jüngere Zielgruppen anzusprechen und die Zukunftsfähigkeit der Wohngebiete zu sichern", sagt Roswitha Kühnel, die Vorstandschefin. In den neu geplanten Eigentumsobjekten werde es bei entsprechender Nachfrage auch Mietangebote geben.

Ein Umbau der von den Neubauplänen betroffenen Wohnhäuser mit ihren insgesamt mehr als 50 kleinen Drei-Raum-Wohnungen von weniger als 60 Quadratmetern Wohnfläche habe sich als kaum möglich herausgestellt, so der Vorstand weiter. "Es musste festgestellt werden, dass die in den Gebäuden eingebauten Decken auch bei umfangreicher Ertüchtigung den heutigen Standards des Schallschutzes in keiner Weise mehr entsprechen." Bei vergleichbaren Kosten erreichten die Modernisierungsmöglichkeiten daher bei weitem nicht die Qualität eines Neubaus.

Hähner, der sich in seiner skeptischen Haltung mit einer Reihe von Nachbarn einig weiß, überzeugt dies alles nicht wirklich. "Es stellt sich die Frage, welche Perspektive das Wohngebiet insgesamt hat, ob das geplante Vorhaben vielleicht nur der Anfang einer größeren Entwicklung ist", verdeutlicht er. Immerhin stellten sich die Verhältnisse in den meisten Wohnhäusern ringsum ganz ähnlich dar. Deshalb will Hähner nun eine außerordentliche Mitgliederversammlung einberufen lassen. Das mehrere Tausend Einträge umfassende Mitgliederverzeichnis der Genossenschaft habe der Vorstand ihm bereits ausreichen müssen, sagt er. "Nach einem gemeinsamen Termin beim Friedensrichter."

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