Gesperrte Ortsverbindung - Firmen befürchten Einbußen

Ab dem heutigen Mittwoch sollen Bauarbeiten in Burgstädt beginnen. Dann ist die Zufahrt zum Gewerbehof nicht mehr möglich. Für einige kommt dies überraschend.

Burgstädt.

Zwei Jahre lang diente sie als Umleitungsstrecke für den Brückenbau in Burgstädt. Die Herrenhaider Straße zwischen Burgstädt und Hartmannsdorf fahren täglich tausende Fahrzeuge. Ein Schlagloch reiht sich jetzt ans andere. Als bekannt wurde, dass noch dieses Jahr der 2,5 Kilometer lange Abschnitt saniert werden kann, war die Freude vor allem bei Autofahrern groß. Der Freistaat sicherte Fördermittel zu, der Stadtrat gab seine Zustimmung. Die Instandsetzung wird nach einer Schätzung rund eine Million Euro kosten. Die Zeit drängt. Vor dem Winter soll die Ortsverbindung wieder offen sein.

In dieser Woche kündigte das Rathaus den Baustart an. Laut Bauamtschef Hannes Langen erfolgt die Ausschilderung zur Vollsperrung am heutigen Mittwoch, am Donnerstag sollen Fräsarbeiten beginnen. Doch einige Anwohner wurden von der angekündigten Sperrung überrascht. "Mit uns hat keiner gesprochen", sagt Constanze Endmann, die einen Holzhandel im Gewerbehof betreibt. Vom Bauleiter der Baufirma, die die Arbeiten ausführen soll, habe sie erfahren, dass ab Mittwoch die Zufahrt gesperrt wird, fügt die 38-Jährige hinzu. Auch Ludwig Uhle, Juniorchef eines Landwirtschaftsunternehmens mit Hofladen, hat nur zufällig von den geplanten Bauarbeiten erfahren, weil ein Kunde aus dem Gewerbegebiet Herrenhaide ihn daraufhin angesprochen habe. Dort habe die Stadtverwaltung Anwohner informiert.

Der Familienbetrieb Uhle mit acht Beschäftigten hat das 15.000 Quadratmeter große Gelände des Gewerbehofes an acht Gewerbetreibende verpachtet. Zu DDR-Zeiten befand sich dort die Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft (LPG) mit Kuhställen. Nach der Wende siedelten sich verschiedene Unternehmen an. "Wir haben schon gelitten, weil wegen des Brückenbaus an der Chemnitzer Straße ein schweres Durchkommen zu uns war", sagt Ludwig Uhle. Der Hofladen ist von der Goethestraße erreichbar. Aber Zulieferer mit Lkw könnten nur die Anfahrt über die Herrenhaider Straße nutzen. Die Fleischerei bekomme Lieferung. Ein Mieter des Kühlhauses erwarte dieser Tage Laster mit Rindfleisch aus Argentinien. "Wir wissen nicht, wie wir das in der Vorweihnachtszeit bewerkstelligen sollen", sagt der 27-Jährige.

"Mein Geschäft mit Weihnachtsbäumen ist gefährdet", ergänzt Holzhändlerin Endmann. "Hätte ich von der Sperrung eher gehört, hätte ich mir einen anderen Standort gesucht", fügt sie hinzu. Sie befürchte wie alle anderen Unternehmer Umsatzeinbrüche. "Bei mir werden Autos verschrottet", sagt Rocco Ehnert von der Autoverwertung. Lkw-Verkehr sei für ihn notwendig, so der 46-Jährige. Auch Thomas Rümmler, der einen Motorsportservice online betreibt, ist auf Lieferungen angewiesen. Zurzeit seien die Auftragslage besonders gut, weil beim Motorsport die Saison zu Ende sei und die Maschinen über den Winter hergerichtet werden müssten.

Ähnlich geht es René Hermel, der online einen Oldtimerservice betreibt. Der Ersatzteilhandel erfolge über mehrere Paketdienste. "Ich habe keine Ahnung, wie mein Geschäft weiterlaufen soll", sagt er.

Auch Kerstin Pampel, die früh und mittags einen Imbiss anbietet, ist auf Laufkundschaft angewiesen. "Pro Tag sind das etwa 60 Portionen", sagt die 54-Jährige. Sie müsse weiterhin Miete, Kranken- und Rentenversicherung bezahlen, die Umsätze gingen aber zurück, erläutert sie.

Dass gebaut wird, verstehen alle befragten Unternehmer. "Aber dass nicht mit uns gesprochen wurde, stößt uns sauer auf", sagt Constanze Endmann. Sie habe sich sofort im Rathaus erkundigt, aber dort sei ihr gesagt worden, dass am 12. November eine Bauberatung stattfinde. "Doch das ist viel zu spät."

Bauamtschef Langen kennt einige Kritikpunkte. Bei der Projektvorbereitungen sei mit den Planern die Bauabschnitte besprochen worden. Zuerst werde der Abschnitt von Goethe-/Kantstraße bis Albert-Viertel-Straße gebaut, dann der Abschnitt bis zur Plantagenstraße. Die Zufahrten zum Gewerbegebiet Herrenhaide seien jeweils von einer Seite befahrbar, so Langen. Und der Gewerbehof?

"Dort werden vollständige Einschränkungen tageweise nicht zu vermeiden sein", so Langen. Das sei beim Abfräsen der alten und nach dem Auftragen der neuen Deckschicht der Fall, erörtert er. Für den Rest der Bauzeit werde die Erschließung beschränkt. Art und Umfang würden zwischen den Beteiligten geregelt. Da die Baufirma auf dem Gewerbehof auch die Fläche für Ihre Baustelleneinrichtung gefunden habe, gehe er optimistisch davon aus, dass Lösungen auf kurzem Weg gefunden würden, sagt Langen.

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