Großsponsor raus - Neuer Streit beim CFC

Der Energieversorger Eins unterstützt nicht mehr den insolventen Fußball-Regionalligisten. Das Unternehmen fühlt sich rausgedrängt, der Insolvenzverwalter widerspricht.

Der insolvente Fußball-Regionalligist Chemnitzer FC kommt nicht zur Ruhe. Nachdem Insolvenzverwalter Klaus Siemon zu Wochenbeginn die Vorstands- und Aufsichtsratsvorsitzenden Andreas Georgi und Uwe Bauch suspendiert hat, gibt es nun auch Streit mit einem der bisherigen Großsponsoren.

Am Donnerstag wurde bekannt, dass der Energieversorger Eins und der CFC ihre Zusammenarbeit beenden. Eins teilte mit, man habe dem CFC eine langfristige Unterstützung angeboten. Vorgeschlagen worden sei ein jährliches Sponsoring in Höhe eines sechsstelligen Betrages, heißt es. Der Insolvenzverwalter habe das Angebot aber abgelehnt und mitgeteilt, "dass die bestehende Kooperationsvereinbarung gekündigt werden soll und keine weitere Zusammenarbeit zwischen dem CFC und Eins gewünscht ist". Man sei aufgefordert worden, die Werbebanden im Stadion an der Gellertstraße zu entfernen, so ein Eins-Sprecher.

Insolvenzverwalter Klaus Siemon, der seit Eröffnung des Insolvenzverfahrens Ende Juni das Sagen beim CFC hat, bestätigt, dass er eine weitere Zusammenarbeit mit Eins abgelehnt hat. In einer schriftlichen Stellungnahme nennt er zwei Gründe dafür: Zum einen habe ihn Eins zur Rückzahlung von 1,5 Millionen Euro verpflichten wollen. Dabei handelt es sich um Geld, das Eins dem CFC 2017 auf Grundlage eines Kooperationsvertrages geliehen hatte. Er könne sich nicht zur Rückzahlung verpflichten lassen, weil der Betrag als Insolvenzforderung zu behandeln sei, so Siemon. Das heißt, dass in der Regel nur ein Teil des Geldes erstattet wird. Wie hoch dieser Teil ist, werde am Ende des Insolvenzverfahrens festgelegt. "Eine Bevorzugung einzelner Gläubiger ist unzulässig", erklärt Siemon.

Zum anderen habe Eins als Gegenleistung für das Sponsoring verlangt, dass der CFC in den kommenden zehn Jahren fünf Prozent der dem Verein zustehenden Fernsehgelder an das Unternehmen abtritt, sagt der Insolvenzverwalter und ergänzt: "Bei Zugehörigkeit zur 2. Liga hätte dies 400.000 Euro jährlich entsprochen bei einer gleichzeitigen Sponsorenleistung der Eins von lediglich 150.000 Euro." Er sei nicht berechtigt, Vermögenswerte der Insolvenzmasse des CFC zu veräußern, erklärt Siemon. Eins teilt dazu mit, man wolle sich nicht zu Details äußern, weil diese vertraulich seien.

Das Unternehmen war dem Verein nicht nur als Sponsor verbunden: Im vergangenen Jahr hatte der Energieversorger auf Wunsch von Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig zeitweise Buchführung und Controlling des CFC übernommen. Der kaufmännische Geschäftsführer von Eins, Herbert Marquard, rückte im März 2017 in den Vorstand des CFC auf. Zwei Monate später schied er jedoch aus dem Gremium aus. Die Gründe blieben offen.

Indes hat sich der Aufsichtsrat zu den Vorgängen zu Beginn dieser Woche geäußert. Die Mitglieder des Gremiums stünden hinter den suspendierten Vorstands- und Aufsichtsratschefs Georgi und Bauch, schreiben sie in einer Stellungnahme. Sie bezweifeln zudem, dass der Insolvenzverwalter zur Entlassung des Führungs-Duos befugt war und wollen diesen Schritt juristisch prüfen lassen. Ein Rücktritt des Gremiums oder einzelner Mitglieder schließt der Rat aus. Angedacht sei nun eine Schlichtung durch den Ehrenrat des Vereins. Im Übrigen, heißt es in dem Schreiben, unterstütze der Aufsichtsrat "natürlich das Konzept des Insolvenzverwalters zur Sanierung des CFC".


Kommentar: Club geht das Personal aus

Es ist vor allem das Vertrauen in die neue CFC-Führungsriege gewesen, das vor drei Wochen die Stadtrats-Mehrheit dazu bewegte, den Stadion-Pachtvertrag mit dem Verein zu lösen und ihn somit erneut finanziell zu stützen. Vorstand Andreas Georgi hielt im Stadtrat noch ein Plädoyer auf den CFC. Jetzt ist er weg, plötzlich suspendiert. Eine von vielen Personalquerelen in den vergangenen Jahren. Zwar ist derzeit der Insolvenzverwalter Herr über Geld und Verein. Aber es kommt die Zeit danach. Das wäre dem CFC zumindest zu wünschen. Schwer vorstellbar, dass es dann noch Enthusiasten gibt, die den Club im Ehrenamt übernehmen - mit dem Wissen, wie schnell man in Ungnade fallen kann. Gutes Personal zu finden, dürfte für den CFC immer schwieriger werden. Dabei wäre Kompetenz in der Vereinsführung mindestens genau so wichtig wie auf dem Spielfeld.

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