Gysi bietet sich Sachsen-CDU als Berater an

Der bekannteste Politiker der Linken funktioniert auch in Chemnitz als Zugpferd. Dabei spricht er im Stadthallenpark viel über Berliner Themen.

Gregor Gysi, der seine Thesen und Forderungen gern durchnummeriert, hat drei Wünsche für die bevorstehende Landtagswahl in Sachsen: Die CDU soll nach 29 Jahren als stärkste Kraft abgelöst werden, die AfD so schwach wie möglich abschneiden und die Partei Die Linke so stark werden, dass die SPD nicht an ihr vorbeikommt. Erst ganz am Schluss seiner reichlich einstündigen Rede im Stadthallenpark, die er dort zur Unterstützung der Chemnitzer Direktkandidaten Susanne Schaper, Nico Brünler und Tim Detzner gehalten hat, brachte die Galionsfigur der Linken diese Ziele am frühen Abend des gestrigen Dienstags auf den Punkt.

Bis dahin hatte der jetzt 71-jährige, langjährige Fraktionschef seiner Partei im Bundestag und heutige Präsident der Europäischen Linken und Bundestagsabgeordnete in seinem bekannten, witzigen Plauderton vor allem über Themen der Bundes- und Weltpolitik gesprochen. Es ging um Krieg und Frieden im Nahen Osten, Trump-Hörigkeit, gute Beziehungen zu Russland, bezahlbaren Wohnraum, Fehler bei der deutschen Wiedervereinigung, Gleichberechtigung der Geschlechter und vor allem zwischen Ost- und Westdeutschen. Immer wieder erntete Gysi dafür reichlich Zwischenapplaus von seinen mehreren hundert Zuhörern, unter denen auffällig viele ältere sowie ganz junge Menschen waren. Fast alle lauschten ihm geduldig bis zum letzten Wort und spendeten dann noch einmal lang anhaltenden Beifall.

Im Laufe seiner Rede bekam jede andere im Sächsischen Landtag vertretene Partei von Gysi ihr Fett weg: Die CDU regiere schon viel zu lange und habe inzwischen die gesamte Verwaltung nach ihrem Bild geprägt. Sie gehöre daher in die Opposition, und er sei gerne bereit, sie in Vorbereitung auf diese für sie neue Rolle eine Stunde lang zu beraten, so der Linken-Politiker. Die SPD begreife nicht, dass sie sich an der Seite der CDU überflüssig mache und dann keine Zukunft mehr habe. Die AfD paktiere mit Neonazis und schädige damit das Ansehen Sachsens.

Während die Grünen antiökologisches Verhalten immer teurer und damit zum Privileg für Reiche machen wollten, verbänden die Linken ökologische Nachhaltigkeit mit sozialer Verantwortung. "Wenn wir einen Braunkohletagebau schließen, müssen wir den Leuten sagen, wo sie ab dem nächsten Tag arbeiten", so Gysi, der die Schulstreiks der Fridays-for-Future-Bewegung ausdrücklich lobte. Die Grünen hätten sich außerdem mit ihrer Forderung, Bundeswehr-Schiffe in den Persischen Golf zu schicken, unmöglich gemacht. Wenn die FDP nicht wieder in den Landtag einziehe, werde er das verschmerzen, und auch die Freien Wähler seien ihm "viel zu rechts", sagte Gysi.

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