Hoheneck: Streit um Bezeichnung von Gedenkstättenareal

Im Namensstreit um die Bezeichnung der ehemaligen Frauenhaftanstalt Hoheneck erreichten die "Freie Presse" zwei Stellungnahmen.

Ute Bonstedt, Erste Vorsitzende der Interessengemeinschaft "Verstehen - Gedenken - Vergeben": Vor unseren Augen verschwindet Geschichte, Aufarbeitung und Wahrheit. Unser Zuchthaus ist ein Frauengefängnis! Es war kein Schloss und ist es nicht! Und es ist auch nicht verniedlicht, nur Hoheneck. Diese Gedenkstätte nicht beim Namen zu nennen, und zwar als das, was sie war, ist ein Verbrechen an der Wahrheit! Es kann nur die Gedenkstätte Frauenzuchthaus (Frauengefängnis) Hoheneck geben. Es sollte für jeden Stollberger, jeden Politiker, jede verantwortliche Instanz und somit jeden Bürger, der demokratische und authentische Grundwerte hat und bewahren möchte, klar sein.

Wir [die ehemaligen Insassinnen, die Red.] - das sind so wenige, die überhaupt noch die Kraft finden. Aber sind wir verantwortlich für Deutschlands Aufarbeitung und Denkmäler? Nein! Es ist schlimm genug, dass wir verzweifelt versuchen müssen, an diesem Ort ein Stück Geschichte zu erhalten. Wir haben an viele Stellen geschrieben, Politik, Kulturministerium, Bundeskanzleramt, Gedenkstätten Sachsen, Minister, Bürgermeister etc. Die Bundeskanzlerin sagte gerade, dass wir die Opfer wahrnehmen und nicht vergessen sollten.

Gunter Weißbach, CDU-Stadtrat in Stollberg: Seit 2015 führe ich Besucher durch das ehemalige Gefängnis Hoheneck, schildere die wechselvolle Geschichte ab 1244, über die unterschiedlichen Haftbedingungen bis hin zur Schließung im April 2001.

In einer Stadtratssitzung 2016 gab ich zu bedenken, dass die Bezeichnung Schloss nicht zutreffend, ja sogar irreführend ist. Bei dem Begriff Schloss denkt man an Bauten wie in Augustusburg, Moritzburg, Berlin, Schwerin oder an Schloss Neuschwanstein. Unser "Schloss Hoheneck" ist als Gefängnis geplant, gebaut und bis 2001 als solches genutzt worden, und hat nichts mit einem Schloss zu tun. Lediglich Kurfürst August I. von Sachsen nutzte die Burg Hoheneck (von Hugo von Staleburgk erbaut und erstmalig 1244 urkundlich erwähnt) ab 1564 nur wenige Jahre als Jagdschloss. 1602 brannte das Gebäude ab.

Nach der Eröffnung der Phänomenia regte ich an, Hinweisschilder in der Stadt und an Autobahnausfahrten aufzustellen. Mitte 2017 stellte uns das Stadtmarketing verschiedene Vorschläge für ein Logo als Dachmarke vor. Wir einigten uns damals auf das Logo mit der Silhouette des Gebäudes mit dem Untertitel "Hoheneck". Unter diesem Dach ist Platz für die so wichtige Gedenkstätte, die Phänomenia, das Theaterpädagogische Zentrum (TPZ) sowie mögliche weitere Akteure - beispielsweise das geplante Fitnessstudio oder die zu planende Jugendherberge im Fachwerkhaus.

Bei dieser Aktion handelt es nicht um eine Umbenennung, sondern um das Finden eines neuen Begriffes für das gesamten Areal. Dieser Prozess ist noch nicht abgeschlossen. Zu DDR-Zeiten sagten wir Stollberger nur 'Knast'. Bisher waren alle 1364 Besucher (bis auf zwei), die ich 2018 durch Hoheneck geführt habe, mit dem Nutzungskonzept einverstanden. Auch akzeptierten dieses bei meinen Führungen die ehemaligen Gefangenen, die zu DDR-Zeiten hier viel Leid, Elend, Verachtung, Horror, Unmenschlichkeit und Pein erfahren mussten.

Um auch künftig ein würdevolles Gedenken zu ermöglichen und Erinnerungen wachzuhalten, gilt es, mit aller Anstrengung den Bau der Gedenkstätte voranzutreiben und damit auch künftig überregional Aufklärung zu einem Teil dunkelster deutscher Geschichte zu betreiben. Das geschieht unabhängig vom Namen das Areals.

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