Kabarettistin auf der Spur des Schönen in Chemnitz

Ellen Schaller hat 50 Einwohner der Stadt, in der sie selbst nur arbeitet, aber nicht lebt, interviewt. Dabei wollte sie nichts Negatives hören.

Es gibt etwas in Chemnitz, das Ellen Schaller schon immer aufgefallen ist. Seit 20 Jahren arbeitet sie am Chemnitzer Kabarett, lebt aber in Dresden. "Im Gegensatz zur Landeshauptstadt, wo alle mit stolzgeschwellter Brust durch ihre Barockviertel laufen, gibt es in Chemnitz immer etwas zu meckern", sagt Schaller. Dann kam der Spätsommer 2018 mit seinen zum Teil rechtsextremen Demonstrationen. Da sei ein einseitiges Bild von Chemnitz in den Medien gezeigt worden, das den Chemnitzern logischerweise missfalle. "So kam ich auf den Gedanken, dass es doch Menschen geben muss, die auch etwas Schönes über ihre Stadt zu erzählen haben", beschreibt die Kabarettistin. Die Idee für ein Buch war geboren. Es liegt jetzt druckfrisch vor.

Schaller führte mit 50 Chemnitzern Interviews. Dabei stellte sie exakt zwei Fragen: Was lieben Sie an Chemnitz? Haben Sie einen Lieblingsort und einen Geheimtipp für Ihre Stadt? Zunächst habe sie zehn Bekannte interviewt. Jeder Gesprächspartner empfahl ihr weitere Chemnitzer. So interviewte sie Menschen im Alter zwischen 18 und 84Jahren, vom Physiker bis zur Altenpflegerin. Nur bei einem Interview habe der Gesprächspartner erst lange darüber gesprochen, was alles nicht so gut sei in der Stadt. Alle anderen hätten kein Problem damit gehabt, sich auf das Positive zu konzentrieren, so Schaller. Unter den Interviewten sind auch einige bekannte Namen. So sprach Schaller mit Ingrid Mössinger, der ehemaligen Generaldirektorin der Kunstsammlungen. Bei diesem Interview habe Schaller, die mitschrieb statt aufzuzeichnen, geschwitzt. Denn Mössinger sei sehr gut vorbereitet gewesen und habe mit Fakten aus Architektur, Literatur, Kunst sowie Jahreszahlen nur so um sich geworfen. "Das war beeindruckend." Auch der Ex-Oberbürgermeister Peter Seifert, Formgestalter Karl Clauss Dietel, Musikschulleiterin Nancy Gibson und die Leiterin des Fritz-Theaters, Isabelle Weh, kommen zu Wort.

Was den meisten an Chemnitz gefalle, seien seine Kompaktheit, das viele Grün, günstige Mieten und ein großes kulturelles Angebot, verrät Schaller. Unter den Geheimtipps und Lieblingsorten habe sie einige Überraschungen erlebt. So sei der Lieblingsort einer Rentnerin der TU-Campus, ein Mann empfiehlt eine Fahrt mit der Ringbuslinie 82 als preiswertes Sightseeing. Der witzigste Geheimtipp sei, im Döner-Imbiss an der Hartmannstraße etwas zu kaufen und das dann im benachbarten Waschsalon zu verzehren - um die verschiedensten Menschen dort zu beobachten, verrät die Autorin.

"Chemnitz - Eine Liebeserklärung" wird am 18. November um 20 Uhr im Chemnitzer Kabarett vorgestellt. Weitere Lesungen mit Personen, die im Buch vorkommen: 5. Dezember um 20 Uhr in der Buchhandlung "Lessing und Kompanie" und am 9. Dezember um 19 Uhr in der Zentralbibliothek im Tietz.

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