Katzenbesuch und Videoschalte - Was Senioren in der Uni erleben

Seit 25 Jahren bilden sich ältere Frauen und Männer beim Seniorenkolleg der TU Chemnitz weiter. Es geht um Wissenserwerb - aber auch um Einfluss auf die Kommunalpolitik.

Für viele ältere Menschen ist es unvorstellbar, sich nach ihrem Arbeitsleben in die Isolation zurückzuziehen und nicht mehr aktiv am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen. Sie wollen sich mit anderen austauschen und ihre Lebensqualität bis ins hohe Alter bewahren. Eine Möglichkeit dafür bietet ihnen das Seniorenkolleg der Technischen Universität Chemnitz. Vorträge, Kurse und Exkursionen stehen auf dem Programm - und das seit nunmehr 25 Jahren. Am Dienstag wurde das mit einem Festakt gefeiert.

"Die Teilnehmerzahl ist seit der Gründung im Jahr 1993 von 150 auf gegenwärtig bis zu 1000 gestiegen", sagt Prof. Dr. Roland Schöne, der wissenschaftliche Leiter und Gründer des Seniorenkollegs. Das Alter der Teilnehmer liege zwischen 50 und 90 Jahren, wobei das Geschlechterverhältnis ausgewogen sei. Das Kolleg zählt zu den größten Seniorenbildungseinrichtungen an deutschen Universitäten.

In den 25 Jahren musste noch kein Vortrag ausfallen, berichtet Schöne - und das, obwohl es auch außergewöhnliche Situationen gab. Er erinnert sich an eine Referentin aus Dresden, die einen Vortrag über die Gärten der Maharadschas in Indien halten sollte. Am Vortag rief die hochschwangere Frau an und sagte, dass ihr von der Reise nach Chemnitz abgeraten wurde. Sie könne aber von zuhause aus über den Videotelefondienst Skype den Vortrag halten, bot die Referentin an. Also verfolgten am nächsten Tag 700 Senioren die Übertragung auf der großen Projektionsfläche des Hörsaales.

Die weiteste Anreise hatte eine Professorin von der Technischen Hochschule in Tokio, die über ihre Forschungen zu Technologien für eine alternde Gesellschaft berichtete. Gern erinnert sich Schöne auch an einen Vortrag über tiergestützte Therapien in Senioreneinrichtungen. Eine trainierte Katze habe für Heiterkeit gesorgt, so Schöne. Sie habe die Aufmerksamkeit genossen, sei die Stufen des Hörsaals hinaufgeschritten, um Kontakt zu den Senioren aufzunehmen. "Zuletzt ließ sie sich auf dem Schuh des Professors nieder", berichtet der Kollegsleiter.

Im vergangenen Semester leitete erstmals eine chinesische Studentin einen Englischkurs. Anfangs sei er skeptisch gewesen, ob alle Zuhörer ihre deutsch-englische Aussprache mit chinesischem Akzent verstehen würden, sagt Schöne. "Doch es lief hervorragend. Und die Senioren haben ganz nebenbei viel über China gelernt und eine Teezeremonie genossen."

Etwa 750 Referentinnen und Referenten zählt die Liste der Vortragenden. Im größten Hörsaal der TU mit 700 Plätzen traten schon Nobelpreisträger Klaus von Klitzing, der ehemalige Thüringer Ministerpräsident Lothar Späth und Weltraumfahrer Sigmund Jähn auf. Manchmal sei der Andrang so groß gewesen, dass einige Teilnehmer auf den Treppenstufen saßen, erinnert sich Schöne. Seit einigen Jahren werden die Vorträge sogar via Livestream im Internet übertragen.

"Unsere Senioren wollen kommunalpolitische Themen diskutieren und sich am generationsübergreifenden Dialog beteiligen", erklärt Schöne, der mit seinen 77 Jahren weiß, was die Generation 50 Plus interessiert. So wurden Befragungen zur Weiterentwicklung des ÖPNV im Seniorenkolleg durchgeführt und die Ergebnisse der Stadtverwaltung übermittelt. In Arbeitsgruppen zum forschenden Lernen wurden gemeinsam mit Studierenden innovative technische Produkte wie etwa ein Drehteller für Kühlschränke bis zur Patentanmeldung entwickelt, erklärt er.


Von Zauberkunst bis internationale Politik

Im Programm für das Wintersemester des Seniorenkollegs stehen 15 Veranstaltungen. Sie finden immer dienstags von 15.30 Uhr bis 17 Uhr im Hörsaal- und Seminargebäude, Reichenhainer Straße 90, Hörsaal N 115 statt. Eine Auswahl der Vorträge:

Um 220 Jahre Industriekultur in Chemnitz geht es beim nächsten Termin am 16. Oktober. An diesem Tag findet eine Exkursion in das Industriemuseum statt.

Zauberkunst steht im Mittelpunkt der Veranstaltung am 13. November. An diesem Tag unternehmen die Teilnehmer auch einen Ausflug ins Zauberschloss Schönfeld - und bekommen eine Show gezeigt.

Die Arbeit der Justiz wird am 4. Dezember beleuchtet. Günter Völzing vom Amtsgericht Chemnitz berichtet über die Tätigkeit eines Zivilrichters.

Internationale Politik ist das Thema am 8. Januar. Professorin Beate Neuss referiert über die EU und die internationalen Herausforderungen an Europa.

Weitere Informationen unter www.tu-chemnitz.de/seniorenkolleg.

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