Kinderschutzbund im Landkreis fürchtet um Existenz

45.000 Euro braucht der Verein für das Kinder- und Jugendtelefon. Diese Förderung soll aber jetzt gestrichen werden.

Zwickau.

Der 29. Januar könnte für den Kinderschutzbund im Landkreis Zwickau zum Schicksalstag werden. Denn dann entscheidet der Jugendhilfeausschuss des Landkreises über die von der Kreisverwaltung vorgeschlagene Streichung von 45.000 Euro Förderung für das Kinder- und Jugendtelefon des Vereins. Dort sorgt das für Unverständnis und Angst. "Seit 25 Jahren wird das Projekt gefördert", sagte Koordinatorin Katja Heyn.

Von den Sparplänen erfahren hat der Kinderschutzbund nur durch Zufall. Niemand aus dem Landratsamt habe das Gespräch mit der Vereinsführung gesucht. "Das kam für uns ohne jede Vorwarnung", sagte Heyn. Der Wegfall der Mittel würde den Kinderschutzbund nicht nur in eine wirtschaftliche Schieflage bringen, sondern dessen Existenz bedrohen. "Mit dem Wegfall der Förderung würde uns die Hälfte der Einnahmen fehlen", sagte Heyn. Erste Konsequenz wäre die Einstellung des Kummertelefons. Zudem sei die Zahlung der Miete gefährdet.

Im Jahr 2019 wurden neben ungezählten Kontaktaufnahmen knapp 900 Beratungsgespräche am Kinder- und Jugendtelefon geführt. "Da 2020 die Beratungszeiten durch 15 Berater sogar vollständig abgedeckt werden könnten, haben wir in diesem Jahr mit über 2000 Gesprächen gerechnet", sagte Katja Heyn.

Laut der Leitenden Koordinatorin Sandra Becker enthält die Begründung der Mittelstreichung, die dem Ausschuss vorgelegt wird, inhaltliche Fehler. Darin heißt es: "Das Leistungsangebot steht auch ohne Fördermittel des Landkreises zur Verfügung." Das deutschlandweite Hilfsangebot werde unter anderem vom Bundesfamilienministerium finanziert. Eine solche Förderung habe der Verein aber noch nie bekommen, so Becker. Beim Kinder- und Jugendtelefon handele es sich nicht um ein bundesweites Angebot, sondern um ein Netzwerk. In Sachsen bestehe dieses aus sieben Standorten, gefördert von der kommunalen Ebene und ohne den Einsatz von Bundesmitteln.

Mitglieder des Jugendhilfeausschusses wollten sich nicht öffentlich zu diesem Thema äußern. Anders die Bundestagsabgeordnete und Kreisrätin Sabine Zimmermann (Die Linke). Sie fordert eine Rücknahme der Beschlussvorlage. "Dass Kinder und Jugendliche für die verfehlte Haushaltspolitik des Landrates büßen sollen, ist vollkommen inakzeptabel", sagte sie. CDU-Kreisrat Friedrich Hähner-Springmühl sieht die Verantwortung bei den Fraktionen, die in der Haushaltsdiskussion die Anhebung der Kreisumlage verhindert hatten - Freie Wähler und FDP mit Stimmen von Linken und AfD. "Es betrifft ja nicht nur den Kinderschutzbund, sondern leider auch zahlreiche andere Vorhaben, an denen jetzt gekürzt werden muss", sagte er.

Landrat Christoph Scheurer (CDU) ließ auf Anfrage über seine Pressestelle einen Zusammenhang zwischen der Kürzung beim Kinderschutzbund und der gescheiterten Anhebung dementieren. "Der Landkreis hat sogar im Haushalt zur Förderung der Jugendhilfe 250.000 Euro mehr eingestellt", hieß es. Diese Aufstockung sei allerdings nicht ausreichend, allen Anträgen gerecht zu werden. "Einsparungen bleiben unausweichlich."

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