Kneipenmeile: Das sagen die Gastronomen

Mit Wasserspiel, neuen Läden und einer Kneipenmeile auf der Inneren Klosterstraße soll die Innenstadt belebt werden. Die Inhaber von Cafés und Restaurants in der City schwanken zwischen Zuversicht und Zweifel.

Eine positive Erwartung verbunden mit einer gewissen Portion Skepsis - so reagieren die Innenstadt-Gastronomen auf die Ankündigung von Stadtverwaltung und städtischer Immobiliengesellschaft GGG, die Innere Klosterstraße optisch aufzuwerten und im Bereich zwischen Theaterstraße und Börnichsgasse mehrere Restaurants ansiedeln zu wollen. Die Punkte, die dabei immer wieder als mögliche Hemmnisse für die angestrebte Kneipenmeile angesprochen werden, sind bezahlbare Gewerbemieten sowie Klagen von Anwohnern über Lärmbelästigung. "Ich sehe das Vorhaben skeptisch, wenn ich an die Beschwerdeflut denke", sagte zum Beispiel Henrics-Inhaber Henrik Bonesky.

Dieses Problem sieht GGG-Geschäftsführerin Simone Kalew übrigens nicht. "Wir haben wenig Beschwerden aus unserer Mieterschaft wegen Lärm", sagte Kalew bei der Präsentation der Pläne am Dienstagnachmittag. Zudem wisse jeder, der ins unmittelbare Zentrum zieht, "dass das mit innerstädtischem Leben verbunden ist", fügte sie hinzu. Die meisten Leute zögen ja gerade deswegen dahin, so Kalew.


Auch beim Thema Gewerbemieten wiegelte die GGG-Chefin ab. "Unsere Mieten dort sind schon immer moderat", sagte sie auf den entsprechenden Vorhalt, die Belebung der Inneren Klosterstraße scheiterte bislang vor allem an den hohen Quadratmeterpreisen. Die Miethöhe wird nach ihren Worten mit jedem einzelnen Interessenten individuell verhandelt - je nach Größe der Fläche und Laufzeit des Vertrages.


"Bitte keine Dönerbuden"

Danny Szillat, Inhaber Flowpo, Absintheria sowie Hopfenspeicher: "Eine funktionierende Kneipenmeile hat inzwischen nahezu jede Großstadt. Es wird also Zeit, dass wir in Chemnitz nachziehen. Ich selbst habe immer Ideen, wie wir die gastronomische Landschaft in Chemnitz verbessern können, auch an der Inneren Klosterstraße. Insofern schließe ich es nicht aus, am neuen Standort aktiv zu werden. Wichtig wäre, dass dort nicht zig Dönerbuden entstehen, sondern wirklich Wert auf kulinarische Abwechslung gelegt wird. Ich hoffe, die GGG und ihre Mitstreiter schauen über den Tellerrand, orientieren sich an internationalen, coolen Gastrokonzepten. Ich denke da zum Beispiel an Läden, in denen es handgemachte Burger- und Barbecue-Spezialitäten gibt, das zieht den hippen Nachwuchs an. Hauptsache, es eröffnen gleich eine größere Anzahl an neuen Restaurants gleichzeitig. Sonst sorgt die neue Kneipenmeile nicht für den nötigen Aha-Effekt."


"Mit großem Knall starten"

Gernot Roßner, Inhaber Michaelis und Brazil: "Natürlich stehen wir der Ansiedlung einer Gastronomiemeile in der Innenstadt positiv gegenüber. Ich denke, in erster Linie muss der Standort in seiner Außenwirkung aufgewertet werden. Dazu gehören Markisen und Pflanzen, um die derzeit viel zu breit ausladende Straße optisch schmaler, gemütlicher wirken zu lassen. Wichtig wäre es zudem, auch die Webergasse in die Planung einzubinden, davon erhoffen wir uns ganz konkret eine bessere Anbindung des ,Michaelis'. Grundsätzlich können wir uns auch vorstellen, ein weiteres Restaurant, Lokal oder Café an dem Standort zu eröffnen. Eine Neueröffnung wäre abhängig von der Gestaltung der Gastromeile und der Preisgestaltung der Mietflächen. Unerlässlich ist, dass eine solche Meile mit ganz großem Knall eröffnet. Es müssten alle Läden gleichzeitig an den Start gehen, nicht einer nach dem anderen Jahr um Jahr. Da würde der Werbeeffekt verpuffen."


"Wichtig wäre Vielfalt"

Henrik Bonesky, Inhaber Henrics: "Ich hoffe, dass die Innere Klosterstraße durch die Restaurantmeile eine Art Alleinstellungsmerkmal erhält, mit der wir viele Menschen aus der Umgebung anlocken können. Wichtig bei der Ansiedlung von Restaurants und Lokalen ist deren vielfältige kulinarische Ausrichtung. Da müsste das Bierlokal neben der Cocktailbar neben dem Eiscafé Gäste anlocken. Wenn das Konzept so aufgeht, könnte ich mir vorstellen, einen weiteren Laden an der Inneren Klosterstraße zu eröffnen. Ich sehe das Vorhaben aber auch skeptisch, wenn ich an die Beschwerdeflut denke. Ich betreibe das Henrics an der Inneren Klosterstraße seit 16 Jahren. Es beklagen sich allerdings Mieter aus der Umgebung über Geräusche von unserer Terrasse oder vom ,Aprés ski' nach dem Weihnachtsmarkt. Dabei sind diese Leute eingezogen, obwohl sie wussten, dass unter ihren Fenstern gastronomische Einrichtungen ihrem Geschäft nachgehen."


"Das ist kein Allheilmittel"

Thomas Schulze, Inhaber La Bouchée: "Grundsätzlich stehe ich dem Vorhaben positiv gegenüber. Allerdings braucht die Umsetzung großes Durchhaltevermögen. Denn ein Allheilmittel, um die Stadt zu beleben, ist die Gastronomie nicht. Das kann nur mit spannender Architektur, abwechslungsreichem Handel und gut geführter Gastronomie gelingen. Unser grundsätzliches Problem besteht in der geringen Wohnbebauung im Zentrum. Es leben zu wenige Leute hier, die nach der Arbeit in die Kneipen schlendern. Die meisten kehren in ihrem Kiez ein, nicht in der City. Hier leben zudem zu wenige junge Menschen. An den Wochenenden, wenn Sonderveranstaltungen laufen, dann kommen auch wir Gastronomen schon mal an unsere Kapazitätsgrenzen. An einem Montag- oder Dienstagabend sieht das jedoch ganz anders aus. Da sind die Straßen leer. Ich glaube, dass sich der Zustand auch durch ein breiteres Gastronomieangebot kaum ändert."

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2Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 2
    2
    Interessierte
    01.06.2017

    Es ist schon interessant , wie unterschiedlich die jeweiligen Ansichten sind , der eine denkt so und der andere gerade anders herum ...

    Aber wenn ich durch die Stadt gehe , dann beobachte ich , dass das 3-4 der über 18 Restaurants gut besucht sind und bei den anderen kaum jemand sitzt ; wenn nun noch mehr dazu kommen , weiß ich nicht , wie die überleben sollen ...

    Und wenn man Sonntags Mittags in die Stadt geht , dann ist man fast alleine in der Stadt , da ist totale Ruhe und da sitzen hier und da ein mal paar Leute ...
    Und Ausländer sind da gar keine zu sehen , die schlafen zu dieser Zeit sicherlich noch von ihren anstrengenden Nachtschichten ?

    Was will man denn auch Sonntags in der Stadt , wenn keine Läden offen sind und wenn es nichts zu sehen gibt , kaum eine Blume blüht und auch kein Wasserbrunnen zwischen dem Beton sprüht und die Restaurants alle im Schatten großer Gebäude untergebracht sind und die Chemnitz wie jeden Tag im steinigen Grund vor sich hin schwimmt ...

  • 7
    1
    gelöschter Nutzer
    01.06.2017

    "Zudem wisse jeder, der ins unmittelbare Zentrum zieht, "dass das mit innerstädtischem Leben verbunden ist"- Ich gebe Ihr ja recht, so sollte es sein. Nur scheint ihr die Realität entgangen zu sein und die ist durch diversen Klagen wegen Ruhestörung gekennzeichnet; auch in der Chemnitzer Innenstadt.

    Ich erinnere mich z.B. auch daran, dass bei Sommerkonzerten des Studio W.M. in den letzten Jahren immer penibel darauf geachtet werden musste, dass 22 Uhr wirklich Totenstille herrscht. Wie wird das bei den Kneipen dann umgesetzt? Auf einmal lockerer? Das kann ich mir kaum vorstellen.

    Hier passt vieles nicht zusammen. Die oftmals restriktive Umsetzung der behördlichen Vorgaben in Chemnitz und dann hier der Versuch die Stadt zu beleben und auf das Verständnis der Leute zu setzen. Da müsste erst einmal die Stadtverwaltung in vielen Punkten lockerer werden, bevor sie von Anwohnern Lockerheit verlangt. Aber dort wird ja penibelst darauf geachtet, dass auch ja alles geordnet zugeht, bis hin zur gleichen Farbe der Marktplatzstände. Entspanntes Kneipenleben erfordert ein gesundes Augenmaß, welches ich bei der Chemnitzer Stadtverwaltung in den letzten Jahren selten erlebt habe.

    Außerdem: Wenn ich an die letzten Jahre so zurück denke, dann sind in der Inneren Klosterstraße schon zahlreiche Restaurants wegen mangelnder Kundschaft geschlossen worden und die Kneipendichte ist dort bereits relativ hoch (für Chemnitzer Verhältnisse). Jetzt sollen dort noch mehr Kneipen entstehen und wenn es nach dem Willen der Stadt geht 200 Meter weiter, am Stadthallenpark noch mehr. Wer soll sich denn da alles hinsetzen? Da sitzt jetzt schon oftmals keiner. Das Bedürfnis zu sitzen wird nicht gesteigert, wenn man mehr Stühle aufstellt. Gibt es da Studien, oder hatte nur einer eine fixe Idee? Solche Kneipenmeilen gibt es in Dresden und in Leipzig und auch in zahlreichen anderen (westdeutschen) Städten, nur ist Chemnitz weder Dresden noch Leipzig und schon gar keine westdeutsche Stadt. Vor allem ist sie viel kleiner als Dresden und Leipzig und die Kneipenmeilen kann dann nicht genau so groß sein wie in diesen Städten, die außerdem noch (im Gegensatz zu Chemnitz) deutlich mehr Touristen haben. Ich habe meine Zweifel, dass das hier funktioniert.

    Hier sollen ja nun außerdem noch Geschäfte, die an diesem Ort funktionieren, umziehen müssen, um für die Kneipen Platz zu machen. Ich halte es für keine gute Idee, denn hier besteht durchaus die Gefahr, dass die Innere Klosterstraße nach dem Scheitern dieses Experimentes nicht mal mehr die aktuellen Läden hat, sondern nur noch Leerstand. Das wäre dann der Hauptgewinn.

    Das Hauptproblem ist aber meiner Meinung nach, dass hier - wie in DDR-Zeiten - von oben verordnete Belebung stattfinden soll. Das hat noch nie funktioniert. Wenn es Bedarf gäbe, hätten wir die Kneipenmeile längst. Die Leute würden dort sitzen und die Besitzer würden Gewinn machen und nicht dauernd schließen oder die Öffnungszeiten reduzieren. Ich habe diese Stadt in den letzten Jahren nur einmal voll gesehen: beim Deutschen Musikfest. Sorgt also für Veranstaltungen und Touristen und dafür, dass die aktuell vorhandenen Kneipen sich füllen. Dann expandieren die Restaurantbesitzer von alleine und neue werden hinzukommen.



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