Künftig kein Bargeld mehr im Bus?

Der Verkehrsbetrieb CVAG prüft, wie er seine Fahrer besser vor Kriminellen schützen kann. Dies könnte auch Konsequenzen für Fahrgäste haben.

Gut zwei Wochen nach einem brutalen Raubüberfall auf einen Busfahrer hat das Nahverkehrsunternehmen CVAG erste mögliche Schritte genannt, wie die Sicherheit insbesondere für die Fahrer von Linienbussen erhöht werden könnte. Eine Überlegung ist, in den Bussen Fahrscheine nur noch bargeldlos zu verkaufen. "Wir überlegen jetzt, ob wir in den Fahrzeugen mittelfristig auf das Bezahlen mit Karte umsteigen", sagte ein Sprecher des Unternehmens. Ohne Bargeld an Bord, so die Hoffnung, würden die Mitarbeiter nicht mehr ins Visier von Kriminellen geraten, die darauf aus sind, Tageseinnahmen zu erbeuten.

Genau das war beim jüngsten Überfall am Ostersonntag der Fall. Drei junge Männer hatten einen Busfahrer an der Endstelle der Linie32 an der Dresdner Straße zusammengeschlagen und ihn gezwungen, eine Geldbörse und die Kasse mit dem Wechselgeld herauszugeben. Der Fahrer wurde schwer verletzt und lag fast eine Woche im Krankenhaus. Die drei mutmaßlichen Täter sitzen mittlerweile in Untersuchungshaft. Die Veröffentlichung von Aufnahmen der Überwachungskameras in dem Bus hatte zu ihrer Ergreifung beigetragen. Sollte die CVAG mit dem Aus für den Ticketverkauf gegen Bargeld in den Fahrzeugen Ernst machen, würde sich damit auch eine zentrale Forderung vieler Mitarbeiter erfüllen. Mit der schrittweisen Ausweitung des Ticketverkaufs im Bus stiegen im Laufe der Jahre auch die Summen, für die die Fahrer verantwortlich sind. Anders als in den Bahnen gibt es in den Bussen keine Ticketautomaten. Die Technik sei zu anfällig für die ständigen Erschütterungen, hieß es zur Begründung. Die Folge: Wer einen Fahrschein benötigt, muss ihn beim Fahrer kaufen.

Lassen sich die aktuellen Überlegungen umsetzen, wäre das ab etwa 2018 dann nur noch per Geld- oder EC-Karte möglich. Dazu müsste die Technik in bis zu 80 Fahrzeugen der CVAG sowie ihrer Tochter- und Subunternehmen umgestellt werden, heißt es. Zudem müssten die Mitgliedsunternehmen des Verkehrsverbundes Mittelsachsen (VMS) den Plänen zustimmen - unabhängig davon, ob sie sich ihnen anschließen wollen oder nicht. Dem Vernehmen nach wird innerhalb des Verkehrsverbundes derzeit ohnehin geprüft, neue Kassensysteme einzuführen.

Eine weitere konkrete Überlegung der CVAG-Chefetage betrifft den Schauplatz des jüngsten Überfalls. Denn die Endstelle der Linie 32 in Hilbersdorf, etwas abseits der Dresdner Straße gelegen, war nicht zum ersten Mal Tatort. Bereits vor gut zwei Jahren, im Februar 2015, war dort ein 44-jähriger Mitarbeiter der CVAG spätabends mit vorgehaltener Pistole zur Herausgabe der Einnahmen aus dem Ticketverkauf gezwungen worden. Nun wird geprüft, ob die Haltestelle künftig in Zeiten mit erfahrungsgemäß geringem Fahrgastaufkommen überhaupt noch angefahren werden soll. Denkbar sei, die Linie 32 in Richtung Dresdner Straße am Abend oder auch sonntags bereits einige Haltestellen eher enden zu lassen und dafür die Weiterfahrt mit einem sogenannten Anruf-Linien-Taxi anzubieten. Diese allerdings verkehren nur auf vorherige Bestellung und kosten 1Euro extra.

Weitere Lösungsansätze für mehr Sicherheit soll in den kommenden Monaten eine Arbeitsgruppe zusammentragen. Unterstützung erhofft sich der Betriebsrat der CVAG von externen Fachleuten, etwa der Polizei oder des städtischen Ordnungsamtes. Für kommende Woche ist zudem eine außerordentliche Betriebsversammlung für das Fahrpersonal anberaumt worden.

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12Kommentare
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    Zeitungss
    08.07.2017

    Die Ommma bekommt ein Ticket für 60 Euro plus Bearbeitungsgebühr direkt ins Haus, auch eine Art Kundendienst.

  • 1
    0
    gelöschter Nutzer
    08.07.2017

    @kartsenp: Jeder??? Wirklich jeder??? Auch die 88jährige Ommma mit ihren iPhone7+?

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    Blackadder
    08.07.2017

    @ karstenp: Das gibt's schon ein paar Jahre, aber offenkundig muss die CVAG es noch stärker publik machen. Schauen Sie unter www.cvag.de mal unter handyticket.

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    karstenp
    08.07.2017

    Warum wird nicht mal geprüft ob es sich lohnt eine App für Mobiltelefone zu kreieren, so kann jeder Benutzer sein ticket online bezahlen, perfekt wäre es natürlich mit kostenlosen Wi-Fi in Bus und Bahn sowie den großen Knotenpunkten, natürlich ohne Spy Funktion für Bewegungsdaten!!!

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    2
    voigtsberger
    04.05.2017

    Als Erstes muss doch gesagt werden, das die Politik den Banken ermöglichen will, ohne Bargeld und einer 0-Zins Finanzwirtschaft, mit Gebühren im bargeldlosen Finanzverkehr, auch weiterhin die Gewinne der Geldhäuser mit zusätzlichen Gebühren zu maximieren!
    @1953866; es gab die geschlossenen Fahrerkabinen in den 60-ger und 70-ger Jahren doch nicht aus den Gründen wie Raub und Gewalt, sondern, weil die Heizung der Busse im Winter nicht den ganzen Bus aufheizten und da kann ich mich noch gut erinnern, wie wir Morgens auf der Fahrt zur Arbeit ,
    Eis von den Scheiben kratzten, doch nicht Außen, nein im Inneren. Auch wurden da schon einiges mehr an Haltestellen bedient und die Anzahl der Fahrgäste war auch eine andere, so das die Tür schon länger offen stand und da war der Krankenstand der Fahrer schon ein Thema und nicht die Sicherheit vor Diebstahl und Bedrohungen!
    @Blackadder, sie wollen immer Antworten und haben selbst keine parat, doch die Antworten wurden ihnen doch schon immer gegeben, seit wann eskaliert es in unseren Bussen und Bahnen, in unseren Innenstädten und selbst in den Büros unserer Ämter (z. sp.: Migrationsamt Freiberg usw.), natürlich erst seit ihre Gäste da sind, seit dieser Zeit haben sich die Probleme und Vorkommnisse so verstärkt, das es jeden normal denkenden Bürger schon am Morgen "auf die Hutschnur geht" die Zeitung aufzuschlagen oder am Abend die Nachrichten zu verfolgen, da die Sendungen nur noch von Diebstahl, Gewalt und sexuelle Übergriffe berichten und das meist in Verbindung mit Asylbewerbern und Migranten.
    Aber sie sind ja gegen solche Meldungen immun und schieben die Schuld an der Misere den Kritikern zu, mit Deformierung und Beleidigungen. Stellen sie doch nicht die Frage nach den Ursachen, denn diese sind uneingeschränkt doch die unkontrollierte Einwanderung seit 2015 und die fehlerhafte Registrierung, wenn sich sogar ein Bundeswehroffizier ohne sprachliche Arabischkenntnisse als Asylbewerber registrieren kann und ein Bleiberecht erhält. Hier ist der Offizier nur das Mittel zum Zweck, denn hier ist und läuft es im BAMF gewaltig daneben und erst noch in der Integration, was wird da noch alles ans Tageslicht kommen und das alles ohne Konsequenzen für die Verantwortlichen!
    Auch ist doch der Vorschlag des sächsischen Landtages schon einmal der richtige Schritt in die richtige Richtung, Straftäter nicht in unsere Gefängnisse unterzubringen, sondern ohne wenn und aber in ihre Herkunftsländer zur Inhaftierung abzuschieben, einfach weiter so!

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    2
    1953866
    02.05.2017

    @Blacky,also Kuscheljustiz ist für mich eine Ursache.

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    Blackadder
    02.05.2017

    @1953...: Im Grunde ist das ber nicht, die Ursachenbekämpfung, die fsaenge meint, oder? Ich warte noch auf Antwort des Herrn....

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    2
    1953866
    02.05.2017

    @Blacky, ich kann mich erinnern, früher saß der Fahrer in einer Fahrerkabine und das Geld wurde durch einen Schlitz gereicht, ist bei den Taxis in Shanghai auch so. So eine Umrüstung ist wahrscheinlich nicht teurer als irgendwelche Automaten zu installieren und schützt außerdem vor Angriffen auf Fahrer im Allgemeinen. Es sind ja nicht immer Raubüberfälle, denen das Personal ausgesetzt ist:
    https://www.welt.de/regionales/berlin/article2681526/80-Prozent-aller-BVG-Busfahrer-wollen-Fahrerkabinen.html

    Aber vielleicht wäre schon eine ordentliche Ahndung hilfreich. Wenn sich herum spricht, dass dank Video die Täter schnell ermittelt und dann die Strafe höher ist, als 20 x "du, du aber beim nächsten mal..." das schreckt womöglich dann doch Nachahmer ab.

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    KatharinaWeyandt
    02.05.2017

    Fahrscheine kann man auch im Laden kaufen. Ich kaufe mir einen kleinen Vorrat beim Zeitungsladen zum Beispiel, Büro Richter.

  • 6
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    Blackadder
    02.05.2017

    @fsaenge: Wie sollen denn "die Ursachen" bekämpft werden? Bitte um Vorschläge welche Prävention Sie gegen jugentliche Straftäter vorschlagen.

  • 5
    16
    fsaenge
    02.05.2017

    Na wieder einmal typisch. Anstatt die Ursachen zu bekämpfen wird wieder einmal nur an den Symptomen herumgedoktert. Aber den links-liberalen Kräften gefällt dies sicher. Eines ihrer anderen großen Ziele, nämlich die Bargeldabschaffung, soll anscheinend wieder einen kleinen, fast unbemerkten Schritt vorangetrieben werden. Aus Sicht der herrschenden links-liberalen Klasse gesehen, die auch im Chemnitz Rathaus herrscht, wieder ein Schritt in die gewünschte Richtung und damit eine Win-Win-Situation. Willkommen in der ?schönen neuen Welt?.

  • 6
    6
    ArndtBremen
    02.05.2017

    Bargeldloses Bezahlen ist ein absolutes MUSS! Ich hab dafür uneingeschränktes Verständnis. Die Bremer Strassenbahn AG hat dafür vor einigen Jahren die BOB-Karte eingeführt. Vielleicht sollten sich die CVAG Verantwortlichen diese Modell einmal anschauen. Ich fand es als Fahrgast superbequem.



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