Kulturhauptstadt-Bewerbung: Chemnitz geht auf Werbetour

Chemnitz bewirbt sich für 2025 mit der kompletten Region um den europäischen Titel. Das Verhältnis zum Umland wird auf eine neue Basis gestellt.

Oelsnitz/Chemnitz.

Ferenc Csák ist Leiter des Chemnitzer Kulturbetriebes. In dieser Funktion rührt er gerade allerorten die Werbetrommel für sein großes Projekt: Die Kulturregion Chemnitz soll Europäische Kulturhauptstadt 2025 werden. Das Potenzial für die Region sei enorm, hat Csák jetzt auch im Oelsnitzer Stadtrat geworben. Allerdings sei dies auch das Budget, das er allein für die Jahre 2021 bis 2027 mit über 70 Millionen Euro beziffert.

Doch was ist die Kulturregion Chemnitz und was haben die Orte von der Bewerbung? Das treibt auch einige Oelsnitzer Ratsleute um. Csák weiß um die Bedenken und bemühte sich, diese auszuräumen: "Kulturhauptstadt heißt nicht Kunsthauptstadt, sondern umfasst alle Bereiche des Lebens", stellte er klar. Und weiter: "Chemnitz hatte nie gute Kontakte zur Region. Mit der Kulturhauptstadtbewerbung möchten wir die Vernetzung und Kommunikation auf eine neue Basis stellen."

Als Region definiert er dabei alle Kommunen, die über das Chemnitzer Modell künftig verbunden sein werden. Das Nahverkehrsprojekt verbindet Chemnitz mit den umliegenden Orten. Oelsnitz ist ebenso ein Endpunkt wie Limbach-Oberfrohna, Burgstädt, Mittweida, Hainichen, Flöha, Olbernhau, Annaberg-Buchholz und Aue. Jede Haltepunkt, so Csák, werde zur Kulturhaltestelle. Assoziiert seien zudem Freiberg, Augustusburg, Zschopau und Zwickau.

Für diese Region verspricht sich Csák schon von der Bewerbung eine Menge. So werde durch das Chemnitzer Modell eine Zunahme der Freizeitaktivitäten erwartet und durch die Bewerbung auch ein positiver Einfluss auf die Entwicklung der Wirtschaft. Ziel ist es zudem, einen Bevölkerungserhalt oder sogar -zuwachs zu erreichen. "Wir wollen örtliche Traditionen bewahren und Perspektiven für örtliche Projekte und Strukturen schaffen", führt Csák aus. Die Kosten übernehme dabei Chemnitz, das wie die anderen Bewerberstädte von Bund und Land unterstützt werde. "Wir verlangen von Ihrer Stadt kein Geld", versprach der Kulturbetriebschef.

Bürgermeister Bernd Birkigt warb für die Zustimmung des Rates, als Stadt Oelsnitz der Chemnitzer Bewerbung beizutreten: "Es ist gut, dass Chemnitz auf uns zugekommen ist. Unsere Stadthalle kann sicher einer Rolle spielen." Die Ratsleute folgten dem Bürgermeister und stimmten dem entsprechenden Antrag zu.

Zuvor hatte Csák einige programmatische Beispiele genannt, die in die Region ausstrahlen könnten. So sei es denkbar, Teile des internationalen Filmfestivals "Schlingel" an Standorte in der Region zu geben. Gleiches sei auch mit den Literaturtagen "Leselust" oder dem Jugendtheaterfestival möglich. Es geht aber auch um sogenannte Interventionsräume. Damit sind Stadtareale gemeint, die aus städtebaulicher Sicht komplett neu- oder umgestaltet werden sollen. Schließlich wolle man die Vielseitigkeit der Region zeigen, ergänzte Ferenc Csák.

Eine ganz andere Brücke schlug Ratsherr Manfred Plobner (SPD): "Unsere Steinkohle hat Chemnitz einst den wirtschaftlichen Aufschwung gebracht." So schließe sich für Oelsnitz nun der Kreis.

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