Lärmschutz: Stadt will Tempo auf Zschopauer Straße senken

Chemnitz diskutiert: Auf der B 174 gilt nach dem Ortsausgang eine Höchstgeschwindigkeit von 70 Stundenkilometern. Die vorgesehene Reduzierung des Limits wird kritisch gesehen.

Reichenhain/Adelsberg.

29.000 Fahrzeuge sind täglich auf der Zschopauer Straße am Ortsausgang unterwegs. Zehn Prozent davon sind nach Angaben des sächsischen Wirtschaftsministeriums Lkw. Um den Verkehrslärm zu senken, wollen Stadtrat und Verwaltung die nach dem Ortsausgang auf etwa 200 Meter geltende Höchstgeschwindigkeit von 70 Stundenkilometern senken. Auf dem Abschnitt bis zur Brücke Gornauer Straße im Bereich des Anschlusses Adelsberg soll in beiden Fahrtrichtungen Tempo 50 gelten.

CDU-Stadträtin Ines Saborowski begründet das Anliegen mit dem besseren Schutz der Anwohner der an die B 174 angrenzenden Stadtteile Reichenhain und Adelsberg sowie Kleinolbersdorf. "Wir wollen die Menschen vom Verkehrslärm entlasten", so die Landtagsabgeordnete. Ein entsprechender Antrag der CDU/FDP-Fraktionsgemeinschaft wurde von den Stadträten in der jüngsten Sitzung einstimmig angenommen. Im Antrag wird die Stadtverwaltung aufgefordert, sich für die Reduzierung des Tempolimits einzusetzen. Tempo 50 soll laut Vorschlag von CDU/FDP so lange gelten, bis der Umfang der Lärmschutzmaßnahmen an der Neubautrasse der B 174 endgültig feststeht.


Hintergrund: Derzeit läuft eine langwierige Planänderung der bei dem Neubau der Transitstrecke vorgesehenen Lärmschutzmaßnahmen. Sollten diese künftig ausreichend sein, eine Höchstgeschwindigkeit von 50 Stundenkilometern also nicht mehr benötigt werden, soll die Reduzierung wieder aufgehoben werden, so Saborowski. Momentan ist noch unklar, welche neuen Regelungen für den Lärmschutz an der viel befahrenen Trasse nach Tschechien aufgestellt werden. Der Entwurf sieht den Einbau von Lärmschutzfenstern in einigen Wohnhäusern in Kleinolbersdorf-Altenhain sowie den Bau einer weiteren Lärmschutzwand vor. Allein aus Kleinolbersdorf-Altenhain sind mehr als 500 Einwände zum Entwurf eingegangen. Die vorgeschlagenen Maßnahmen gehen den Einwohnern nicht weit genug. Sie fordern zum Beispiel eine weitere Lärmschutzwand. Nach Informationen von "Freie Presse" sollen diese Einwände Ende April bei einem Erörterungstermin besprochen werden, an dem die Betroffenen teilnehmen können. Danach werden die Änderungen endgültig festgelegt.

Doch ob Tempo 50 kommt, wird nicht in Chemnitz, sondern in Dresden entschieden. Eine entsprechende Anfrage der Stadtverwaltung an das Wirtschaftsministerium zur Reduzierung des Tempolimits von 70 auf 50 Stundenkilometer liegt jetzt auf dem Tisch des für die Bundesstraße zuständigen Landesamtes für Straßenbau und Verkehr (Lasuv). Mit einer Entscheidung ist nicht vor Monatsende zu rechnen, da das Anliegen "eine umfassende Prüfung" erfordere, so eine Lasuv-Sprecherin.

Anwohner sind unterschiedlicher Meinung, ob an der Stelle eine Reduzierung der Geschwindigkeit sinnvoll wäre. Für Kleinolbersdorf hätte eine Absenkung des Tempolimits keine Auswirkungen, da der betroffene Straßenbereich vom Ort viel zu weit entfernt ist, sagt Klaus Kräher, Vorstandsvorsitzender der Bürgerinitiative Lärmschutz B 174. Ähnlich sieht das Jürgen Mädler. "Sicher bringt jeder kleine Schritt etwas, aber eine Temporeduzierung löst nicht das Kernproblem", sagt er. Das ist in seinen Augen der starke Lkw-Verkehr, der durch Chemnitz Richtung Osteuropa gelotst wird, anstatt über die Autobahn 17 von Dresden nach Prag zu rollen, so Mädler. Lärmschutz sei in Adelsberg nötig, aber an anderer Stelle, sagt eine Bewohnerin. An der Zschopauer Straße kurz vor dem Südring gebe es eine Lücke zwischen den Lärmschutzwänden. Durch diese dringe Verkehrslärm in das dahinter liegende Wohngebiet, sagt sie.

Zweifel am Sinn der Temporeduzierung hegt auch das Wirtschaftsministerium. Bei der derzeitigen Verkehrsstärke von täglich rund 29.000 Fahrzeugen mit einem Lkw-Anteil von zehn Prozent würde eine Absenkung der Höchstgeschwindigkeit von 70 auf 50 Stundenkilometer zu einer Verringerung des Emissionspegels um etwa zwei Dezibel führen, so eine Sprecherin: "Eine deutlich spürbare Verbesserung der bestehenden Lärmsituation ist demnach rein rechnerisch mit dieser Maßnahme nicht erreichbar."

eine Versammlung "Stoppt den Transitwahnsinn durch Chemnitz" findet amTag gegen Lärm am kommenden Mittwoch, 24. April, 18.30 Uhr an der Fußgängerbrücke B174/Zschopauer Straße (Adelsberger Seite, Höhe Wilhelm-Busch-Straße) statt.

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6Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 0
    0
    Langner
    16.05.2019

    Umzug geplant?

  • 10
    2
    CPärchen
    17.04.2019

    Wenn das auf 50 reduziert wird, dauert das keine zwei Monate bis direkt am Ortseingang ein Blitzer steht. Dann kann man sich nicht mehr ausrollen lassen, aber hey... dafür gibts mehr Bremsfeinstaub^^

  • 5
    8
    Interessierte
    17.04.2019

    Das war auch so ein Wahnsinnsbau , denkt man schon gar nicht mehr dran …
    Menschen verärgert , Landschaften zerstört , neue Mauern gebaut …………..
    Und vor allem viel , viel Geld verdient … und keinen Südring fertiggestellt an der Cervantesstraße - und ´alles` rammelt durch die Innen-Stadt ……

  • 11
    1
    Deluxe
    17.04.2019

    Schwere LKW dürfen außerorts 60km/h fahren - zumindest offiziell. Was also würde sich durch ein neues Tempolimit ändern?
    Gar nichts! Weil die Hauptlärmquelle LKW sowieso kaum schneller fährt.

  • 8
    10
    SimpleMan
    17.04.2019

    Ich bin mir zwar nicht sicher, wie groß die Auswirkungen auf dem Verkehrslärm sind, aber auf 200 m die Geschwindigkeit von 70 km/h auf 50 km/h zu senken, sollte wohl kein großes Problem darstellen.

  • 17
    8
    1371270
    17.04.2019

    Mein Vorschlag wäre: macht doch die Straße ganz dicht. Dann alles auf Eselskarren umladen - aber nein, geht auch nicht. Dann würden die Leute durch das "Ia, ia" gestört!



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