Mazda-Diebstähle: Polizei geht von Bande aus

Elf Autos der japanischen Marke sind innerhalb von fünf Wochen im Stadtgebiet verschwunden. Die Modelle eines anderen Herstellers hingegen sind auf der Beliebtheitsskala der Diebe gesunken.

Als er am Morgen zum ersten Termin des Tages fahren wollte, musste Hermann Weigandt mindestens zweimal hinsehen: An der Stelle, wo er am Abend seinen Mazda 3 abgestellt hatte, stand plötzlich ein VW Polo. Der Nachbar hatte sich über die freie Parklücke in der Nacht gefreut, erfuhr Weigandt später. Und der Mazda, den der 41-Jährige direkt vorm Fenster seiner Erdgeschoss-wohnung an der Gießerstraße geparkt hatte? Er wurde in der Nacht zum Donnerstag gestohlen - zwischen 21 Uhr, als Weigandt das Auto abstellte, und 2 Uhr, als der Nachbar mit seinem Polo in die Parklücke fuhr. Zu allem Übel hatte der 41-Jährige auch noch sein Portemonnaie, einschließlich Ausweis und Führerschein, im Auto liegen gelassen.

Der Fall vom Sonnenberg ist der jüngste in einer Kette von Mazda-Diebstählen in Chemnitz. Allein in der Nacht zum Donnerstag wurden zwei weitere Modelle des japanischen Herstellers gestohlen, ein CX5 im Yorckgebiet und ein Mazda2 in Kappel. Insgesamt sind laut Polizeistatistik in den vergangenen gut fünf Wochen elf Mazdas auf Chemnitzer Straßen verschwunden. Der Gesamtschaden liegt bei mehr als einer Viertelmillion Euro.


Hermann Weigandt ist nun vorerst mit dem Auto seiner Frau oder dem Fahrrad unterwegs. Einen Termin in Bayern musste der selbstständige Versicherungskaufmann absagen. "Das bedeutet für mich auch einen wirtschaftlichen Schaden", so Weigandt, der erst im August 2018 von Bayern nach Chemnitz gezogen ist. Sein geleaster Mazda war etwa zwei Jahre alt, der Neuwert lag bei 24.000 Euro, jetzt wird das Auto auf 17.000 Euro geschätzt.

Dabei hätten die Diebe ein viel hochwertigeres Fahrzeug haben können, hinter Weigandts grauem Mazda stand ein nahezu neuer Audi6, wie er sagt. Vor einigen Monaten hätten die Täter wohl auch eher den Audi mitgenommen und den Mazda stehen gelassen. Damals waren organisierte Banden aus der Tschechischen Republik unterwegs, die es vornehmlich auf Fahrzeuge der VW-Gruppe (VW, Audi, Skoda, Seat) abgesehen hatten, bestätigt eine Sprecherin des Landeskriminalamtes (LKA). Dort ist die Sonderkommission Kfz angesiedelt, sie habe erfolgreich gegen jene Tätergruppe ermittelt. Während sachsenweit im Jahr 2013 insgesamt 2050 versuchte oder vollendete Diebstähle von Fahrzeugen aus der VW-Familie registriert wurden, waren es 2018 noch etwa 820 Fälle. Bei Mazda entwickelten sich die Zahlen in die entgegengesetzte Richtung: 60 Diebstahls-Fälle 2013 stehen 160 im Jahr 2018 gegenüber. Das bedeutet eine Steigerung um 175 Prozent. Die Entwicklung setze sich laut LKA in diesem Jahr fort. Dabei zeichne sich ab, dass im städtischen Bereich Mazdas beliebter seien, in ländlichen Gebieten eher Autos der Volkswagen-Gruppe, so die LKA-Sprecherin. Das deckt sich mit den Fällen in Chemnitz. Im Mai und Juni wurden drei Audis am Stadtrand (Mittelbach, Röhrsdorf, Rabenstein) gestohlen. Die Mazdas verschwanden in Stadtteilen in Zentrumsnähe.

Die Keimzelle der Diebesbande vermutet die Polizei in Polen. Dort sei die Nachfrage nach den japanischen Autos sowie nach Ersatzteilen besonders groß. Deshalb richteten sich die Untersuchungen der Sonderermittler seit geraumer Zeit gegen polnische Tätergruppen. Nicht zuletzt sei in Sachsen aber auch die Anzahl der Mazda-Käufer gestiegen. "Folglich ist das Angebot für potenzielle Kraftwagendiebe größer geworden", so die LKA-Sprecherin. Auffällig sei, dass fast ausschließlich neue Modelle mit guter Ausstattung gestohlen werden. Weigandts Mazda hatte die übliche, vom Hersteller eingebaute Lenkradsicherung. Hätte er sein Auto besser schützen können? Das LKA empfiehlt unter anderem zusätzliche Lenkradsperren, Felgenschlösser oder Parkkrallen. Diese Anlagen zu knacken, brauche Zeit, die die Täter oft nicht haben.

Hermann Weigandt hat bislang fünf Mazdas gefahren, er schließt nicht aus, dass es auch einen sechsten geben wird. "Ich gehe davon aus, dass die Diebstahlserie einmal aufhören wird", sagt er. Sachsenweit wurde 2018 jeder dritte Auto-Diebstahl aufgeklärt.

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